KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Elfriede Jelineks „Das Licht im Kasten“ in Saarbrückens Alter Feuerwache

Elfriede Jelinek „Das Licht im Kasten“ Saarbrücken Alte Feuerwache Raimund Widra, Martina Struppek, Marcel Bausch, Lisa Schwindling und Philipp Weigand. Foto: Martin Kaufhold / Staatsheater Elfriede Jelinek Das Licht im Kasten

Raimund Widra und Lisa Schwindling. Foto: Martin Kaufhold / Staatstheater

 

Das Saarländische Staatstheater zeigt Elfriede Jelineks „Das Licht im Kasten. Straße? Stadt? Nicht mit mir!“ in Saarbrückens Alter Feuerwache.

 

„Seien Sie nicht zu früh entsetzt!“ Ironisch warnte Dramaturgin Simone Kranz bei der Einführung vor der Premiere. „Es kann sehr anstrengend sein, Elfriede Jelinek in ihrer Genialität zu folgen.“ Nun, der Freitagabend in der Feuerwache war weder anstrengend noch entsetzlich, sondern vergnüglich und witzig – auch wenn man dem Text nicht die erwähnte Genialität zuschreiben würde.

In „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ geht es, zumindest an der Oberfläche, um Mode, Modewahn, Modezirkus, Modeindustrie. Kein Drama im herkömmlichen Sinne, sondern eine gedankliche Stoffsammlung ohne konkrete Figuren; die Literaturnobelpreisträgerin spricht selbst von einer „Textwurst“. Bei deren Zubereitung auf der Bühne lässt sie den Theatern Freiheit. Die haben Regisseur Matthias Rippert und Dramaturgin Kranz genutzt, den Text um über die Hälfte gekürzt und ihm mehrere Figuren zugewiesen – Models, Modebewusste, Modeopfer, Modezaren und eine Frau, die man als das Gewissen des Ganzen deuten kann, eine Art Bühnen-Jelinek. Sie deklamiert, dass wir immer dasselbe wollen, „das Alte, aber ganz neu“. Ein Verkäufer verkündet einer Kundin das ästhetisch-gesellschaftliche Todesurteil: „In ihrer Größe gibt es das nicht mehr.“ Die Anatomie entscheidet, und Schlankheit geht über alles: „Nicht einmal beim Sterben erreiche ich mein Idealgewicht.“

Man weiß es

Pointiert sind diese Sätze, Dialoge, Gedanken – aber aufrüttelnd? Neu? Im Grunde weiß man das ja alles. Es ist, um im Bilde zu bleiben, ein alter Hut. Und ein Satz über die smartphoneversessene Generation wie „Die Jugend spricht nicht in Gesichter, sondern in Geräte“ ist eher pauschal kulturpessimistisch denn wirklich treffend. Bezöge sich das alles bloß auf die Mode und die textile Spaßgesellschaft, wäre der Text also etwas fadenscheinig. Tiefer greift er, wenn er die Mode als Zeichen einsetzt für die menschliche Sehnsucht, oft das sein zu wollen, was man nicht ist, so auszusehen, wie man es nun leider nicht tut. Man wird alt und vergeht, da hilft auch kein Designer-Leichenhemd. „Wir sind in uns eingeschlossen.“

Beim Verkünden dieser Botschaften vertraut Regisseur Rippert ganz auf die Sachkenntnis des Publikums. Wenn wir alle ohnehin wissen, dass wir vergänglich sind und uns auch die Mode nicht rettet, hilft auch kein tränenfeuchter Theaterabend – aber vielleicht ein beschwingter? Mit Lust an Inszenierung, auch am Jux? Es ist ein wonniger Abend der in Unterwäsche und Nylon leicht bekleideten Schauspieler; fünf von sechs sind frisch in Saarbrücken, und es ist eine Freude, ihnen zuzuschauen.

Herrlich gespielt

Marcel Bausch ist das einzige nicht neue Gesicht. Er trägt einen langen Zopf, der mitunter phallische Bedeutung gewinnt, staucht als Modezar ein Model zusammen, dem Zucker und Fett die Form genommen haben; ihm selbst geht es dabei aber gar nicht gut, denn er hat seinen liebsten Mantel verlegt, ausgerechnet den „körpernahen“, auch das noch. Für ihn ist Mode eine Frage von Leben und Tod, denn fair produzierte Textilien kann man sich nur leisten, wenn man sich nichts mehr zu essen kauft. Dann doch lieber Billiglöhne, Ausbeutung und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen der anderen. Das nehmen wir ja jeden Tag in Kauf und verdrängen es.

Das alles wird in einem schlichten weißen Raum verhandelt (Bühne: Fabian Listz). Links ein tunnelartiger Eingang, der manchmal zur Schwelle zwischen Leben und Tod wird, rechts auf Bodenhöhe eine Batterie von Scheinwerfern, die ab und an wie Blitzlichter ihre Ladung kanonenartig verschießt.

 

Elfriede Jelinek „Das Licht im Kasten“ Saarbrücken Alte Feuerwache Raimund Widra, Martina Struppek, Marcel Bausch, Lisa Schwindling und Philipp Weigand. Foto: Martin Kaufhold / Staatsheater Elfriede Jelinek Das Licht im Kasten

Von links: Marcel Bausch, Verena Bukal, Martina Struppek und Philipp Weigand. Foto: Martin Kaufhold / Staatsheater

Wein-Heul-Wut-Anfall

Raimund Widra setzt komödiantische Glanzlichter mit einer ausufernden Körpersprache, er räkelt sich auf einer Bank raumgreifend angeberisch und erleidet später einen gnadenlos lang ausgespielten Wein-Heul-Wut-Anfall (Weltschmerz? Oder bloß Bauchschmerz?). Wie eine herrliche Pa­rodie auf hysterisches Kreisch-Theater wirkt das – mittendrin beginnt Widra zu trippeln wie ein Pferdchen, fast möchte man ihm eine Möhre reichen. Körperkomik bietet auch der rein mechanische Erotik-Exzess mit seiner Partnerin Lisa Schwindling. Da wackelt die Bank, Musiker Robert Pawliczek lässt dazu Volksmusik dudeln – Sex rettet uns also auch nicht. Martina Struppek gibt ein Mode-Opfer mit Tendenz zur Großmäuligkeit, das sich selbst noch als Asche in der Urne um die letzte Optik sorgt:  „Diese Schuhe musste ich mir einfach kaufen.“

Philipp Weigand, mit einem Rahmen aus Haaren ums Gesicht (Kostüme: Johanna Lakner)  mimt  einen glatten Modemenschen („Den Körper will ich haben, auch wenn ich krepiere“) und spielt am Klavier ein locker perlendes Medley aus „Sag mir, wo die Blumen sind“, „Let it be“ und „Götterfunke“ – die Untermalung eines Finales, das keines im strengen Sinne ist. Ratlosigkeit macht sich breit unter den Figuren, auch bei der Bühnen-Jelinek (Verena Bukal), die mehrmals betont, sie habe ja „auch keine Ahnung“ und sich auch über die eigene Arbeit lustig macht: „Warum habe ich das jetzt gesagt? Um zu zeigen, wie die Zeit vergeht. Sehr langsam.“

Endstation Warenkorb

Am Ende ist alles gesagt. „Mir sind jetzt auch die Begriffe ausgegangen“, heißt es da – nur zwei Möglichkeiten bleiben: das Anklicken von Produkten am PC, auf dass sich der Warenkorb füllt und der Körper kurzfristig die Glückshormone ausschüttet. Oder das blanke Entsetzen angesichts der banalen menschlichen Existenz. Mit großen Augen blickt die Quasi-Jelinek-Figur in die Welt, die sie nicht mehr versteht. Aber vielleicht bestellt sie ja auch noch etwas, wenn das Bühnenlicht erloschen ist. Es wäre banal, aber nur allzu menschlich.

Nächste Termine: 22., 23., 29. September, 4., 6., 10.  20., 27., 29. Oktober.

http://www.staatstheater.saarland

 

Elfriede Jelinek „Das Licht im Kasten“ Saarbrücken Alte Feuerwache Von links: Raimund Widra, Martina Struppek, Marcel Bausch, Lisa Schwindling und Philipp Weigand. Foto: Martin Kaufhold / Staatsheater Elfriede Jelinek Das Licht im Kasten

Von links: Raimund Widra, Martina Struppek, Marcel Bausch, Lisa Schwindling und  Philipp Weigand. Foto: Martin Kaufhold / Staatsheater

„Cracked Actor“, ein Live-Album von David Bowie

David Bowie Cracked Actor

Man könnte es natürlich zynisch sehen – die Vermarktungsmaschine läuft rund. Andererseits: Es gibt nur wenige Künstler, bei denen sich das Wiederveröffentlichen und/oder Ausgraben von Raritäten oder Obskuritäten derart lohnt wie bei David Bowie. Seit seinem Tod im Januar 2016, an den man sich immer noch nur schwer gewöhnen kann, sind viele neue Editionen alter Werke erschienen, Ende des Monats geht es weiter mit einer 11-CD-Box (oder wahlweise mit 13 Vinyl-Alben) namens „A new career in a new town (1977-1982)“: Sie enthält unter anderem seine legendäre sogenannte Berlin-Trilogie, als er im grauen Berlin (aber auch im schönen Montreux) an düsterer Elektronikmusik werkelte; dazu gibt es Single-B-Seiten und eine neue Abmischung des 1979er Albums „Lodger“ seitens des Produzenten und Bowie-Intimus Tony Visconti. Zumindest für beinharte Bowie-Fans ein obligatorischer Kauf.

Glam geht, Soul kommt

Bereits erschienen und mehr als empfehlenswert ist der Konzertmitschnitt „Cracked Actor – Live Los Angeles `74“, dessen Veröffentlichung etwas überrascht – gab und gibt es von jener US-Tournee, bei der „Cracked Actor“ aufgenommen wurde, doch schon ein Konzertalbum namens „David Live“.  Bowie hatte 1973 seine Bühnenfigur Ziggy Stardust mit großer Geste beerdigt und sich vom dröhnenden Glam-Rock jener Zeit mit einem beherzten Schritt wegbewegt: Amerikanischer Soul und Funk hatten es dem stets in alle Richtungen interessierten Bowie nun angetan, mit Bläsern, Backgroundsängern und Anzügen auf der Bühne statt Federboa und Plateausohlen. Doch seine Band war auf der folgenden US-Tour zu der Zeit von „David Live“ noch nicht gut eingespielt, und auch Bowie selbst war seiner Kokainsucht wegen nicht in guter Form – er äußerste sich später meist verächtlich über das Album „David Live“: Das „Live“ im Titel sei höchstens theoretisch.

„Space Oddity“, aufgedonnert

Das Doppel-Album „Cracked Actor“ nun wurde im späteren Verlauf der Tour aufgenommen, am 5. September 1974, und ist ein furioses Konzertalbum, nicht nur im Vergleich zu Bowies recht sterilem Live-Nachfolger „Stage“ (1978). Hier brodelt und vibriert es. Bowie, das blasse halbe Hemd aus London, wirft sich dem Soul an die Brust, begleitet von knackigen Bläsern und einer famosen Rhythmusgruppe. Stücke aus der „Ziggy Stardust“-Phase wirken hier größer, bunter, verspielter. Er spendiert „Jean Genie“ ein spannungsreiches Intro mit jazzigem Bass; die Ballade „Space Oddity“, im Original eher karg, wirkt hier eine Spur zu aufgedonnert, während „Cracked Actor“,  Bowies bitteres Stück über Alter, Macht und Sex, gleichzeitig rockt und swingt. In die Ballade „It’s gonna be me“ wirft er sich mit ganzer Intensität hinein. Kaum zu glauben, dass er drei Jahre später musikalisch und örtlich ganz woanders war und im Schatten der Berliner Mauer mit Synthesizern experimentierte. Die 70er Jahre waren eben seine größte Zeit.

David Bowie: Cracked Actor – Live Los Angeles `74 (Parlophone).

 

David Bowie Cracked Actor

 

http://www.davidbowie.com

 

Leben im Schatten von „Star Wars“ – die Doku „Elstree 1976“

Star Wars Elstree 1976 Krieg der Sterne Stormtrooper

Die klassische Stormtrooper-Montur. Fotos: Busch Media

 

Die Welt ist eben ungerecht. „Mein Gesicht war immerhin im Film zu sehen“, wundert sich Schauspieler Angus MacInnes, „aber er hingegen hatte doch einen Eimer über dem Kopf.“ Warum also ist Jeremy Bulloch, der in „Star Wars“ den maskierten Kopfgeldjäger Boba Fett spielte und nie sein Gesicht zeigte, bei den lukrativen Fan-Conventions beliebter als MacInnes, der immerhin einen todesmutigen Piloten auf der Seite der Guten spielte?
MacInnes versteht es nicht, hat es aber wohl akzeptiert. Das ist das Thema der Doku „Elstree 1976“ (benannt nach dem Studio nahe London, wo der Film enstand): Wie gehen die Kleinstdarsteller und Statisten damit um, zwar Teil des Phänomens „Star Wars“ zu sein, aber dennoch nur, wenn überhaupt, ein kleines Licht am Kinofirmament?

 Kein nostalgieseliger Fan-Film

Wer bei „Elstree 1976“ auf Anekdoten hofft, wie es damals so war mit Harrison Ford oder Alec Guinness, der wird  enttäuscht sein: Dies ist kein nostalgieseliger „Star Wars“-Fan-Film. Zwar gibt es Erinnerungen etwa an die bizarre Schauspielerführung seitens Regisseur George Lucas, der zu einem Darsteller sagt, er solle einen Außerirdischen einfach so spielen, wie die im Kino halt so gespielt werden. Vielmehr geht es Regisseur Jon Spira um wendungsreiche Biografien, um enttäuschte Lebensträume, mal um spätes Glück, mal um konstantes Pech. Entsprechend bittersüß und melancholisch ist dieser Film, der bei uns jetzt auf DVD erscheint.

 

Star Wars Elstree 1976 Krieg der Sterne Stormtrooper

Von Lucasfilm und Disney verstoßen

Da ist etwa Darsteller Paul Blake, der einst in giftgrüner Gummimaske einen Außerirdischen namens Greedo spielte, den Harrison Ford umgehend erschoss. „Macbeth“ habe er am Theater gespielt, aber auf seinem Grabstein werde wohl „Hier liegt Greedo“ stehen, vermutet Blake und sagt, das wäre ja auch wundervoll; nur glaubt man ihm das nicht so ganz. Darsteller/Musiker Laurie Goode nimmt für sich in Anspruch, jener „Star Wars“-Soldat gewesen zu sein, der in einer Szene versehentlich mit dem Kopf gegen eine Schleuse läuft. Er erzählt von jahrelanger Valium-Abhängigkeit und davon, dass er ein großes, ein ganz großes Buch/Drehbuch in der Schublade hat. Er kann einem leid tun. (Autogramme kann man bei ihm übrigens für 15 Pfund bestellen). Der bekannteste Darsteller in der Doku ist David Prowse, der dem bösen Darth Vader zumindest die Statur lieh, aber nicht die Stimme – er wurde synchronisiert. Prowse hat sich öffentlich über mangelnde Gewinnbeteiligung beklagt – heute ist er beim „Star Wars“-Rechte­inhaber Disney persona non grata.

„Das sind doch nur Kleiderständer“

Bei den Fan-Conventions kommen sie alle zusammen, geben gegen Honorar Autogramme, manche verdienen hier gutes Geld: Sie habe nun zum ersten Mal ein eigenes Haus, sagt eine Kleindarstellerin, die kurz in einer „Star Wars“-Kantinenszene auftrat; ein anderer Statist erträgt die Conventions nicht lange. Zu absurd sei  es, angehimmelt zu werden für die Arbeit eines einzigen Drehtages vor 41 Jahren. Auch gebe es hier eine schmerzhafte Hierarchie zwischen den Darstellern mit einem Satz Dialog und denen ganz ohne. So sagt selbst Prowse, der Vermummte und Nachsynchronisierte, über die dialoglosen Kollegen: „Das sind doch nur Kleiderständer“, als wäre es eine andere Kaste.

Entwaffnend pragmatisch sieht es Jeremy Bulloch alias Boba Fett, der ohne Helm ein wenig aussieht wie Loriot. Der 72-Jährige nimmt immer mindestens 25 Buntstifte für das Signieren von Fotos mit und nennt das Ganze einen „einvernehmlichen Austausch von Gefälligkeiten“. Es scheint, dass ihn die Zuneigung bei den Conventions stählt für den Alltag eines alternden Schauspielers. Er tritt ansonsten in Werbespots auf.

„Elstree 1976“ ist auf DVD/Blu-ray bei Busch Media Group erschienen.
Bonus: längere Interview-Passagen und ein Rundgang durch eine Elstree-Halle- Leider wurde der Audiokommentar des Regisseurs von der britischen DVD nicht übernommen.

 

Star Wars Elstree 1976 Krieg der Sterne Stormtrooper

 

https://www.facebook.com/elstree1976/

Wenn das Kino der Kindheit vor sich hin bröckelt

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

Das erste Kino – man vergisst es nie. Da mögen die späteren Filmtheater größer sein, mit perfekter Technik und Leinwand in Fußballplatzgröße protzen, doch nichts kommt mehr heran an die ersten Besuche im Filmtheater – in meinem Fall das Central Theater in der St. Wendeler Brühlstraße, an der Blies gelegen. Schon zu meinen ersten Besuchen, Mitte der 70er, versprühte das Kino den Charme von gestern, schließlich war es ein Kind der Nachkriegszeit, 1946 eröffnet. Sessel würde man die hölzerne Bestuhlung wohl heute nicht mehr nennen – allzu herzhaft schepperten die Sitze per Feder beim Aufstehen nach hinten. Aber es waren magische Momente im Central Theater, meist im Parkett. Denn der so genannte „Sperrsitz“ im hinteren Drittel kostete eine Mark mehr, und der Balkon wurde gemieden, um Taschengeld zu sparen. Ein laut tönender Gong kündigte Filme wie das „Dschungelbuch“ an, mit Louis dem Affenkönig und dem tot geglaubten Bär Balu, der regungslos im Dschungelregen lag. Immer sonntags um 16 Uhr liefen bunte Kinderfilme, die sich vor allem aus der japanischen „Godzilla“-Schmiede rekrutierten. Und im Sommer war das Kinoglück perfekt: Ein gelbrotes Plakat kündete vom „Sommer-Filmfestival“: Jeden Tag lief ein anderer Klassiker, ein buntes Programm zwischen „Papillon“ und dem „Weißen Hai“, der einem den Besuch im St. Wendeler Freibad für einige Tage vergällen konnte. Und nicht zuletzt die Bond-Filme kamen dazu.

Freundlich waren die Kinobetreiber. Wenn man sich die Zeiten in den Schaukästen nicht gründlich ansah und deshalb in den falschen Film marschierte – „Godzilla“ mit Gummimonstern statt „Jeder Kopf hat seinen Preis“ mit Steve McQueen – und das erst 20 Minuten nach Filmbeginn bemerkt hatte, konnte man die Kinokarte später nocheinmal für Herrn McQueens Abenteuer verwenden. Im Freundeskreis sagenumwoben war die Herrentoilette, rechts neben der Leinwand die Treppe hinunter. Von dort aus, so munkelten wir, gäbe es einen direkten Zugang zur Blies, mit besonderem Mut könne man sich also kostenlos ins Kino schleichen. Ausprobiert hat das von uns aber niemand. Und heute geht das nicht mehr – 1996, ein halbes Jahrhundert nach der Eröffnung, hat das Central-Theater geschlossen. Die alten Schaukästen sind noch da, aber alles andere bröckelt.

 

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

 

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

Kino der der Kindheit Nostalgie St. Wendel Central-Theater

 

Gottfried John zum 75. Geburtstag

Gottfried John Goldeneye Bond

Gottfried John und Famke Janssen in „Goldeneye“. Foto: UIP

Am 29. August wäre Schauspieler Gottfried John, der 2014 starb, 75 Jahre alt geworden. Im Januar 2011 war er in der Hauptjury des Saarbrücker Filmfestivals Max Ophüls Preis. Ich habe ihn dort auf einen Kaffee getroffen, hier der Text von damals, der am 22. Januar 2011 erschienen ist.

 

Wie reagiert er wohl, wenn man ihm eine „Goldeneye“-DVD zum Signieren unter die Nase hält? Das mag zwar einer seiner bekanntesten Filme sein – James Bond eben, mit Gottfried John als russischem Widersacher – aber künstlerisch nicht sein wichtigstes Werk. John, 68 und ganz Profi, hat nichts dagegen und unterschreibt, mit elegantem Schwung, mitten hinein in eine eigelbfarbene Explosion.

Wäre es ihm lieber gewesen, die DVD eines seiner nicht wenigen Fassbinder-Filme zu unterschreiben? „Berlin Alexanderplatz“ etwa, „In einem Jahr mit 13 Monden“ oder Welt am Draht“? „Hmm, eigentlich schon“, sagt John mit seinem wohligen Brummbariton, „diese Arbeiten stehen mir innerlich um einiges näher“. Damals, in den frühen 70ern, da habe er Fassbinder zunächst als „pickeligen Jungfilmer“ wahrgenommen. So „intensiv und schön“ die gemeinsame Arbeit auch gewesen sei – dass hier ein wichtiges Kapitel Filmgeschichte geschrieben wurde, das „wurde mir erst später bewusst, auch weil die Arbeit damals nicht von jedem anerkannt wurde“. Dass gerade „Berlin Alexanderplatz“, auf den John besonders stolz ist, Anfang der 80er von der Kritik überwiegend feindlich aufgenommen wurde, verwundert ihn noch heute. Auch wenn er zugibt, dass manch andere Fassbinder-Filme heutzutage „schon ziemlich langsam“ wirken. Der auf persönlicher Ebene berüchtigte Regisseur, der mit Zuckerbrot und Peitsche seinen Künstlerclan in Schach hielt, bereitete John keine Probleme. „Ich war ja nie Teil dieses Clans, denn Fassbinder hat mich nicht entdeckt. Mich gab es vorher ja auch schon.“ Etwa am Schillertheater und im Fernsehen mit „Carlos“, einer „Don Karlos“-Adaption.

Bis heute hat John, kein Mann der Hochkultur-Scheuklappen, zwischen schwerer und leichterer Muse so ziemlich alles gedreht, was in eine Filmografie hineinpasst: „Otto – der Film“, eine Bibelverfilmung, „Tatort“, Volker Schlöndorffs „Der Unhold“, Billy Wilders „Fedora“, „Wolffs Revier“, „Asterix und Obelix“, Synchronarbeit für „Kung Fu Panda“ und jüngst „Rumpelstilzchen“. Der Eindruck, dass da jemand seine Karriere strategisch geplant hat, drängt sich nicht auf. „Das wollte ich auch nie, das kann man eigentlich nicht.“ All diese Rollen machten gemeinsam den Reiz des Berufs aus. „Es gibt diesen alten Schauspielerspruch von Shakespeare: Lasst mich auch den Löwen spielen!“

1995 hat er im besagten Bond-Film „Goldeneye“ mitgespielt. Ist man da nur ein kleines Rädchen in einer großen, gut geölten Kino-Maschinerie? Sicher, die Gefahr drohe, „doch innerhalb des gesteckten Rahmens hat man schon seine Möglichkeiten“. Was ihn am meisten verblüffte: Als er sich den 007-Produzenten und Casting-Agenten in London vorstellte, kannten die sich bei Fassbinder besser aus als John selbst.

International hatte er zwar schon vorher gearbeitet, doch der 007-Riesenzirkus hat seine Karriere im Rest der Welt damals noch einmal beschleunigt. Wobei er sich ein wenig wundert, dass eine Nebenrolle in einer internationalen Produktion hierzulande medial mehr Aufmerksamkeit erregt als eine Hauptrolle in einem heimischen Film. Eine US- und eine englische Agentur hatte er damals („auf diesem Riesenmarkt unumgänglich“) und lebte bis vor zwei Jahren in Belgien. Das sei ebenso der zentralen Lage in Europa geschuldet – „in drei Stunden ist man überall“ – wie den Steuersätzen.

Mittlerweile hat John nicht einmal eine deutsche Agentur – ungewöhnlich, auch im Umfeld eines Nachwuchsfestivals mit Jungstars, deren Agenturen schon mal ein Interview ablehnen, wenn man nicht nur über den neuesten Film sprechen will. „Die Angebote kommen auch so“, sagt John und lächelt sein sehr plötzlich aufscheinendes, ein bisschen verlegen wirkendes Lächeln – vielleicht in Sorge, so ein Satz könne pompös klingen (tut er nicht). John strahlt eher die Gelassenheit aus von jemandem, der so ziemlich alles gesehen und gespielt hat, mit Fassbinder ebenso zurande kam wie mit Russell Crowe, dem Kollegen mit höchster Rüpel-Reputation (in „Proof of life“): „Ein bisschen heftig war er, aber eigentlich wie ein großer Junge.“ Johns pragmatisches Fazit über seinen Beruf und seine Unwägbarkeiten: „Überall wird nur mit Wasser gekocht. Nur sind die Pötte manchmal größer, manchmal kleiner.“

Bittersüß (und frisch restauriert): „Garçon!“ mit Yves Montand

Yves Montand Claude Sautet Garcon!

Yves Montand und Nicole Garcia in „Garcon!“. Foto: Concorde Home Entertainment

„Eifersüchtig? Aus dem Alter bist Du doch raus!“ Kein Satz, den man gerne hört. Besonders nicht von der eigenen Freundin, die vom Alter her auch die Tochter sein könnte – und eben diesen Satz nun im klassischen Trennungsgespräch fallen lässt. Es ging Alex (gespielt von Yves Montand) also schon mal besser: Das Haar ist graumeliert, die Lebensmitte überschritten, die Ex-Frau hat längst den Scheidungsanwalt geheiratet. Der einstige gemeinsame Traum – eine große Hotel-Anlage – hat nur Schulden hinterlassen, die Alex abarbeitet: als Oberkellner in einer Pariser Brasserie. War es das also? Oder wagt er nochmal den großen Ausbruch, möglicherweise auch eine neue Liebe?

„Garçon!“ war der dritte und letzte gemeinsame Film von Yves Montand (1921-1991) und Regisseur/Autor Claude Sautet (1924-2000). Sautet war der große Midlife-Krisen-Erforscher des französischen Kinos: mit Filmen, die unauffällig und un-melodramatisch wirken. Mit Bittersüße und famosen Darstellern wie Michel Piccoli oder Romy Schneider, Isabelle Huppert oder Patrick Dewaere erzählte er von Irrungen in Wirrungen in der gehobenen Mittelschicht – Filmtitel wie „Die Dinge des Lebens“ oder „Eine einfache Geschichte“ sind dabei schon programmatisch.

Montand, der der bei den Dreharbeiten 62 war, ist das Zentrum von „Garcon!“:  Wir folgen ihm quer durch Paris, beim Diskutieren über das Leben mit Freunden am Küchentisch, beim zarten Anbandeln mit einer Frau – und immer wieder bei der Arbeit. Sautet lässt die schwarz-weißgekleideten Kellner durch die Brasserie wuseln wie eine Pinguine, sie ziehen ihre Kreise an den Tischen vorbei in Richtung Küche mit despotischen Koch, es wirkt wie ein gerade noch gebändigtes Chaos. Beruflich ist Alex hier meist Herr der Lage – privat weniger. Das spielt Montand anrührend, aber nicht rührselig, tragikomisch, aber nicht tränenschwer, als alten Charmeur, dem das „alt“ ziemlich zusetzt. Sautet lässt den Film lässig und fast beiläufig enden. Er braucht keine Sentimentalität, seine Filme haben auch so genug Gefühl.

„Garçon!“ ist, frisch restauriert, auf DVD und erstmals auf Blu-ray  erschienen (Concorde Home Entertainment).

 

 

Yves Montand Claude Sautet Garcon!

Ein Vater sieht rot: „Der Eid“ von Baltasar Kormákur auf DVD

Der Eid Baltasar Kormákur Alamode Film Island

Baltasar Kormákur als Vater Finnur. Fotos: Alamode Film

Es ist der klassische Albtraum von Vätern einer Tochter: Deren Freund entpuppt sich als  Schmierlappen, als Windhund, als Tunichtgut. Das jedenfalls denkt der Herzchirurg Finnur, dessen Tochter im Erwachsenenleben nicht vom Fleck kommt, sondern in Reykjavik bei Partys versackt und sich rettunglos in Ottar verliebt, der mit Drogen handelt. Der alarmierte Vater versucht, der Tochter den Freund auszureden, und bietet dem sogar Geld an, sollte er die Tochter verlassen. Beides ohne Erfolg. Nun greift Finnur zu anderen Mitteln und löst damit eine Kettenreaktion aus.

Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur (51) ist  nach seinem Hollywood-Ausflug „2 Guns“ und dem aufwändigen Bergsteigerfilm „Everest“ in seine Heimat zurückgekehrt und hat dort diesen kleinen, fast kammerspielartigen Film inszeniert, mit sich selbst in der Hauptrolle. „Der Eid“ ist ebenso Bestandsaufnahme einer Familie wie das  Psychogramm eines Mannes, dem ungewohnt die Kontrolle entgleitet. Dabei lockt der Film erst auf falsche Fährten, lässt mitfiebern, wenn der Vater die Tochter schützen will; doch als der immer mehr Grenzen  überschreitet und  den titelgebenden hyppokratischen Eid weit hinter sich lässt, zerfließen die Grenzen zwischen Täter und Opfer.

Kormákur erzählt zurückhaltend und in wohlkomponierten Bildern: Des Chirurgen Villa ist ein modernistischer Beton- und Glas-Palast, in dem die Menschen manchmal wirken wie Dekoration. Und die verschneite isländische Landschaft, die der Chirurg stoisch durchradelt, wirkt kühl und erbarmungslos – ähnlich wie am Ende dieser Vater.

Auf DVD und Blu-ray bei Alamode Film erschienen.

PS Der Vermarktungskniff „Regionalkrimi“ treibt manchmal merkwürdige Blüten.  Der deutsche Untertitel von „Der Eid“ nennt sich „Ein Island Thriller“, was genau das auch immer bedeuten mag. Ist ein Krimi aus Frankreich also „Ein Frankreich Krimi“? Oder ein „Tatort“ ein „Deutschland Krimi“?

„For the love of Spock“ von Adam Nimoy

Leonard Nimoy Adam Nimoy For the Love of Spock

Zu Besuch bei den Dreharbeiten zu „Raumschiff Enterprise“: Adam Nimoy und sein Vater Leonard. Fotos: Studio Hamburg

Ob er es nun wollte oder nicht – der Logiker mit den spitzen Ohren, der scheinbar eisige Mann, der mit seinen Gefühlen ringt,  war die Rolle seines Lebens. Leonard Nimoy (1931-2015) spielte Mr. Spock, halb Mensch, halb Außerirdischer, in den 60ern in der Serie „Raumschiff Enterprise“, so hieß „Star Trek“ damals bei uns, als die Serie erstmals im ZDF lief;  dann sprach er Spock in den 1970ern in einer Zeichentrickserie, war danach in den „Star Trek“-Kinofilmen zu sehen, von denen er zwei auch inszenierte.  Auch in der Neuauflage der Reihe war er zu sehen, zuletzt noch 2013 in „Star Trek: Into Darkness“ – als alter, weiser Spock und als würdiger Ruhepunkt in der Action-Hektik, die mit den alten „Star Trek“-Filmen wenig zu tun hat. Da hatte Nimoy, der seine erste Autobiografie trotzig „I am not Spock“ nannte (und später „I am Spock“ versöhnlicher nachlegte), schon längst seinen Frieden gemacht mit der Rolle, die alle seine anderen überschattete.

 

Leonard Nimoy Adam Nimoy For the Love of Spock

Fast ganz der Papa: Adam Nimoy bei einer Convention.

Wie geht man damit um, durch eine Rolle ein Teil der Populär-Kultur zu werden? Und warum ist die Figur des Spock weltweit derart populär geworden? Diese Fragen stellt sich die Dokumentation „For the love of Spock“und beantwortet sie sehr persönlich – kein Wunder, ist der Regisseur doch Nimoys Sohn Adam. Der plante 2014 in Zusammenarbeit mit dem Vater einen Film über die Figur Spock; angesichts des Todes Leonard Nimoys ein Jahr später verband der Sohn das Porträt Spocks zugleich mit einem Blick auf den Vater und die eigene, nicht immer einfache Familiengeschichte. Das hätte eine gefühlige Nabelschau werden können; aber abgesehen von den letzten Minuten, in denen die jungen Kollegen der neuen „Star Trek“-Reihe etwas zu geflissentlich Leonard Nimoys Heiligenschein polieren, ist „For the love of Spock“ ein munteres, persönliches, aber nicht zu intimes Porträt.

Gerangel mit William Shatner

Alte Familienaufnahmen sind zu sehen, Interviewausschnitte mit Nimoy aus verschiedenen Dekaden und kurze, für den Film aktuell geführte Gespräche mit den Kollegen von einst: George Takei etwa, der in der Serie den Astronauten Sulu spielte, und Walter Koenig, der den Russen Chekov mimte, damals mit Beatles-artiger Frisur (war es eine Perücke?), heute glatzköpfig. Mit dabei ist auch, natürlich, William Shatner. Er spielte Captain Kirk, war als Star der Serie gesetzt und musste dann erleben, dass die Figur Spock zur beliebtesten wurde. Shatners Beziehung zu Nimoy war über die Jahrzehnte nicht einfach. Doch Konkurrenzgerangel, Intrigen und Alpha-Tiergehabe werden hier nur kurz angedeutet, in den späten Jahren sind sich die Männer wohl mit einer gewissen Altersmilde begegnet. Ein schöner Ausschnitt zeigt Nimoy bei einer der populären „Star Trek“-Conventions, wie er eine frühe Rezension zur Serie aus der Branchenbibel „Variety“ mit Wonne vorliest: „Shatner spielt hölzern“. Dass die Serie nicht vom Start weg zum Phänomen wurde, zeigt auch ein kurzes Interview mit Barry Newman, dem Darsteller der 70er-Serie „Petrocelli“: Er riet seinem Kollegen und Freund Nimoy damals, die Gummi-Ohren schleunigst abzunehmen und den Dienst zu quittieren: „Leonard, steig aus – das hat doch keine Zukunft!“

Adam Nimoy Leonard Nimoy William Shatner

William Shatner, der den Captain Kirk spielte.

Der Film zeichnet das Bild eines Schauspielers, der sich in seinem künstlerischen Traumberuf (den ihm seine Eltern ausreden wollten),  jahrelang tummelt, ohne nennenswerten Erfolg zu haben. Den bringt erst, mit 35,  die Figur des Spock, eines Mannes, der  etwas anders ist als die anderen, der etwas abseits steht – und wer könnte sich damit nicht identifizieren? Das Seriendebüt sieht sich die Familie Nimoy bei Nachbarn an, denn die haben, anders als die Nimoys, einen Farbfernseher. Drei Jahre läuft die Reihe, bevor sie abgesetzt wird. Nimoy, der aus finanziell überschaubaren Verhältnissen kommt, treibt auch während dieser drei Jahre die Angst vor späterer Armut um. „Ich nahm damals jeden Job an, der Geld brachte“, sagt er – um das zu illustrieren, zeigt die Doku Ausschnitte aus seiner legendär bizarren Pop-Plattenaufnahme „Bilbo Baggins“, witzig montiert in eine „Enterprise“-Szene. (Privat hört Nimoy, erzählt sein Sohn,  damals lieber Yves Montand und Charles Aznavour.)

Das Arbeitspensum während „Enterprise“  hat Folgen für die Familie: Während der Woche ist er kaum zuhause, sagen Sohn und Tochter heute, und wenn, dann trägt er die gefühlsunterdrückte Rolle Spocks mit sich herum. „Er war sehr in seiner eigenen Welt, sagt die Tochter heute. Das klingt nicht nach einem vor Liebe überfließenden Familienleben. Ein altes Presseporträt zeigt die Nimoys, die mit kollektiv versteinerten Gesichtern posiert. Nach „Star Trek“ steigt Nimoy bei „Kobra, übernehmen Sie!“ („Mission: Impossible“)  ein, dort nach drei Jahren wieder aus, spielt mehr Theater – aber die ganz großen Rollen im Fernsehen oder Kino findet er nicht. Bis er 1979 Spock im ersten (und schwächsten) „Star Trek“-Film spielt und danach die Teile 3 und 4 auch inszeniert. Dass er das durchsetzen kann, liegt an der zentralen Rolle Spocks. Ein „Star Trek“-Film ohne Spock? Keine gute Idee. Das wissen Nimoy und das Studio Paramount, das Nimoy zwischnezeitlich verklagt hat, weil er sich bei den Werbe-Einkünften durch die Figur Spock (etwa auf Cornflakes-Packungen) über den sprichwörtlichen Tisch gezogen fühlt. Man einigt sich schließlich, Paramount bracht Nimoy mehr als umgekehrt.

Eine Vater-Sohn-Geschichte

Nicht zuletzt ist „For the love of Spock“ auch eine Vater-Sohn-Geschichte: Nimoy ist jahrelang wenig zuhause und fehlt den Kindern; als die Karriere in den 1970ern bis zum „Star Trek“-Comeback stagniert, „hängt er zuhause rum“, wie es der Sohn sagt. Noch schwieriger werden die 80er: Nimoys Ehe zerbricht nach 32 Jahren, er trinkt, was erklären könnte, dass seine erfolgreich begonnene Regie-Karriere unvermittelt endet – auch der Sohn nimmt Drogen. Der schwierige Kontakt bricht irgendwann ganz ab – bis man sich in Nimoys letzten Jahren wieder sehr nahe kommt. Ein Happy End, dass man den beiden gönnt.

Eine liebevolle Doku, auch formal: Die Titel laufen in derselben Schriftart ab wie in der alten „Enterprise“-Serie. Und gleich zweimal ist Spocks Todesszene aus „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ zu sehen, die mit dem großen Selbstopfer und der letzten Freundschafts/Liebeserklärung an Kirk unweigerlich ans Herz geht.

Wer sich über den enorm langen Abspann wundert: Die Doku hat sich über Crowdfunding finanziert und dankt allen Unterstützern durch Namensnennung.

 

Auf DVD und Blu-ray erschienen bei Studio Hamburg.
91 Minuten, Original mit Untertiteln.

007-Aktualisierung: Einen Bond macht Craig noch

http://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/daniel-craig-confirms-return-james-bond-role-1030056

 

Daniel Craig 007 One more Bond 25

Daniel Craig bei einem Fototermin für „Spectre“. Foto: Sony

Bleibt Daniel Craig James Bond? Es schaut so aus.

Daniel Craig James Bond 25

Daniel Craig bei einem Berliner Fototermin für „Spectre“. Foto: Sony Pictures

 

Offiziell verkündet ist es noch nicht – aber Daniel Craig wird die James-Bond-Rolle wohl weiterspielen. Die „New York Times“ hatte berichtet, Craig sei längst an Bord; nun hat das über Umwege der US-TV-Sender „Showtime“ bestätigt. Der plant mit Craig eine Adaption des Jonathan-Frantzen-Romans „Unschuld“ und hat deren Dreharbeiten weiträumig verschoben – denn erst drehe Craig einen Bond, mehr dürfe man aber nicht sagen, hieß es seitens „Showtime“. Eine offizielle Ankündigung wird nicht lange auf sich warten lassen.

Damit geht eine Zeit des Spekulierens und Kaffeesatz-Lesens zu Ende, die es in der 55 Jahre alten 007-Filmreihe lange nicht gegeben hat. Ende Juli hatte die Bond-Produktionsfirma Eon recht schmallippig bekannt gegeben, dass der nächste Bond-Film im November 2019 startet. Was nicht mitgeteilt wurde: der Titel, die Regie und vor allem – der Hauptdarsteller. Um den hatte es Spekulationen gegeben, nachdem Craig 2015 bei der Premiere von „Spectre“, seinem vierten Bond, verkündet hatte, er „schneide sich lieber die Pulsadern durch“ als noch einen 007 zu drehen. War das britischer Humor? Akute Bond-Müdigkeit nach langen Dreharbeiten? Oder die Ouvertüre einer Gagenverhandlung?

Hilfe bei „Othello“

Zumindest ist klar, dass Eon an Craig deutlich interessierter ist als einst an Vorgänger Pierce Brosnan: Der wurde nach seinem vierten und zumindest kommerziell sehr erfolgreichen 007, „Stirb an einem anderen Tag“ (2002), einfach nicht mehr zurückgebeten und durch Craig ersetzt. Dem aber hat die Bond-Produzentin Barbara Broccoli nach „Spectre“ und dem „Pulsader“-Interview geholfen, am Broadway eine vielbeachtete „Othello“-Aufführung zu stemmen (mit Craig als Jago).

Warum sich Craig also länger bitten ließ? Das britische und mit Vorsicht zu genießende Blatt „The Sun“ berichtet, dass er erst wieder an 007 interessiert war, als Sam Mendes bekannt gab, nach „Skyfall“ und „Spectre“ keinen Bond mehr zu inszenieren. Da ging  – womöglich – eine künstlerische Partnerschaft/Männerfreundschaft in die Brüche.

Villeneuve oder Demange oder Bier als Regisseur?

Wie geht es nun weiter? Laut Branchenbibel „Variety“ haben die Produzenten Kontakt aufgenommen mit den sehr interessanten Regisseuren Dennis Villeneuve („Arrival“) und Yann Demange, dem mit dem Nordirland-Drama „’71“ ein atemberaubendes Debüt gelang. Auch die dänische Regisseurin Susanne Bier war zeitweise im Gespräch, in deren Agentenserie „The Night Manager“ der Brite Tom Hiddleston die Hauptrolle spielte, der regelmäßig als Craig-Nachfolger gehandelt wird.

Aber wer auch immer den  Jubiläums-Bondfilm 25 inszenieren wird – er (oder sie) wird es nicht leicht haben. Denn der Vorgänger „Spectre“ zeigte deutlich, dass das klassische, vom Publikum erwartete Spektakel und die in der Craig-Ära betonte Auslotung der Bond-Figur filmisch nicht leicht zu vereinen sind: Da rieben sich Action und (etwas flaches) Psychodrama recht rau aneinander. Viel besser gelang die Kombination in Craigs Debüt „Casino Royale“ (2006), einer  der besten Bondproduktionen überhaupt und immer noch Craigs bester 007-Auftritt. Ihm, dem anfangs heftig angefeindeten Darsteller (zu klein, zu blond, zu große Ohren) würde man einen exzellenten Abgang wünschen. Denn, auch wenn etwa der leicht überschätzte „Skyfall“ mit seiner Holzhammer-Psychologisierung irritieren konnte – Bond als Figur war noch nie so interessant wie in der Craig-Ära. Eine mögliche Prognose: Einen Film dreht er noch, nimmt seinen Abschied, und dann beginnen  wieder Umbesetzungszirkus und Kaffeesatz-Lesen.

 

 

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