KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Monat: Dezember 2016 (Seite 1 von 3)

„Ich meine es ja nicht böse“ – Jessica Hausner über ihren Film „Amour Fou“

 Jessica Hausner Amour Fou  Jessica Hausner Amour Fou

1811 erschießt sich der Dichter Heinrich von Kleist gemeinsam mit Henriette Vogel in Berlin – sie hatten sich dazu verabredet. Die Regisseurin Jessica Hausner („Lovely Rita“, „Lourdes“) nimmt diesen Freitod als Anlass, in ihrem Film „Amour fou“ über die klassische Idee der Liebe zu spekulieren, über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, gemeinsam zu leben und zu sterben. Ihr Film gewinnt den Gesprächen in den preußischen Salons (über die Steuer oder auch die „bedrohliche“ französische Demokratie) eine unerwartete Komik ab. Ich habe  mit Jessica Hausner  beim Saarbrücker Ophüls-Festival 2015 gesprochen, wo sie den Film vorgestellt hat.

 

 

Der ein oder andere Kritiker wirft ihrem Film vor, er sei kein umfassendes Porträt Heinrich von Kleists. Aber hatten Sie das überhaupt im Sinn?

Nein, „Amour fou“ ist kein biografischer Film, nicht einmal ein psychologischer Film. Es ist eher eine Versuchsanordnung, vielleicht eine Parabel, ein Gedankenspiel über den gemeinsamen Selbstmord.

Dann hätten Sie Kleist als Figur gar nicht unbedingt gebraucht?

Doch, das schon, weil ich wesentliche Teile der Komik des Films aus seiner Biografie gewinne. Ich hatte früher schon einmal vor, einen Film über Doppelselbstmord aus Liebe zu drehen. Dieser erste Entwurf hatte aber keinen Humor. Aber der war für mich wichtig. Dazu inspiriert hat mich die Geschichte von zwei Teenagern, die sich verabredet hatten, von einer Klippe zu springen. Jahre später habe ich einen Artikel über Kleist gelesen, der beschrieb, wie er auf der Suche nach einem Partner für den Selbstmord so lange verschiedene Leute fragte, bis er endlich jemanden gefunden hat – Henriette Vogel. Ich fand es interessant, dass diese Idee ihm letztlich wichtiger war als sein Gegenüber, die Person, die mit ihm stirbt.

Der Kleist Ihres Films ist ein grauenvoller Narziss, oder?

Ja, aber mein Film ist, wie gesagt, keine Biografie. Er beleuchtet nicht den Fall eines besonders narzisstischen oder auch depressiven Menschen. Ich drösele nicht auf, warum er sterben will, das bleibt knapp gehalten.

Warum?

Weil ich zu einem allgemein menschlichen Punkt kommen will – dieses in sich selbst verwoben Sein, das jeder besitzt. Jeder wünscht sich irgendetwas von seinem Partner und legt diese Wünsche in den anderen hinein. Aber was der andere wirklich denkt oder empfindet, das weiß man nicht.

Das hieße auch, dass wir jemand anderen eigentlich nur um unserer selbst Willen lieben.

Ja, in jedem Fall. In der Liebe herrschen grundsätzlich Missverständnisse. Liebe ist nichts Altruistisches, sondern etwas Egoistisches, man will die eigenen Bedürfnisse bei dem Partner, den man sich aussucht, befriedigen.

Im Film bewerten Sie das nicht.

Nein, denn ich meine es ja nicht böse. Man ist einfach nicht in der Lage, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Ich glaube, dass meine Bildsprache – diese Tableaus und der Mangel an Nahaufnahmen – auch damit zusammen hängt. Filme suggerieren ja mit Nahaufnahmen von Gesichtern, dass man weiß, was in den Menschen vorgeht. Aber man weiß es eben nicht.

Die Kamera in Ihrem Film verharrt unbeweglich auf Tableaus. War das für Ihren Kameramann frustrierend, dass er keine kunstvollen Kamerafahrten unternehmen konnte?

Nein, Martin Gschlacht, mit dem ich bisher jeden Film gemacht habe, zieht seine Lust aus dem Inhalt. Wir suchen die Bildsprache, die die Geschichte nahe legt. Er ist Gott sei Dank frei von diesen technischen Gelüsten, dass er etwa unbedingt mal eine Kranfahrt ausprobieren muss. Gegen die habe ich ja nichts, aber der Inhalt gibt den Stil vor.

Die Komik des Films funktioniert auch über die Sprache und die Sprechweise und ist dabei sehr subtil. Funktioniert das bei jedem Publikum?

Bis jetzt haben alle gelacht – auch die Untertitel-Leser in anderen Ländern. Bei den französischen und englischen Untertiteln habe ich mitgearbeitet, wir wollten das Trockene, Lapidare, das absurd Witzige übertragen. Und in der Bildsprache ist es witzig, dass die Person da stehen, so aufgefädelt wie Marionetten – das ist skurril und ermuntert den Zuschauer, dass er durchaus schmunzeln kann.

Wie kamen sie auf den spezifischen Sprachklang Ihres Films?

Ich habe mich in Briefe und Tagebücher jener Zeit eingelesen, habe Sätze abgeschrieben, bis ich das Gefühl hatte, jetzt meine eigenen Dialoge schreiben zu können, weil ich das Gefühl für die Sprache dieser Zeit besitze.

Manche Szenenbilder sehen aus wie Gemälde. Hat die Kunstgeschichte Sie dabei inspiriert?

Ich habe mir einige Bilder aus dem 19. Jahrhundert angesehen. Was mich an historischen Filmen oft stört, ist, dass alles leicht angeschmuddelt aussieht, das hat so etwas Pseudohistorisches. Das wollte ich nicht sehen, sondern lieber einen eigenen Stil entwickeln und zeigen, dass es damals tatsächlich neue Möbel gab. Und nicht jedes Kleid war zerschlissen, nicht an jeder Straßenecke ist ein Huhn vorbeigelaufen. Wir wollten, dass alles alltäglich und neu zugleich ausschaut – wie Ikea im Jahre 1811.

Ist „Amour fou“ ein Antifilm gegen die üblichen bildungsbürgerlichen Dichterbiografien und Historienfilme?

Das kann schon sein. Auf ästhetischer Ebene ist es eben kein hübsch gemachter Historienfilm. Die meisten Filme tappen in die Falle, dass man so akkurat sein will wie möglich, weil es eben historisch ist. Wenn man in der Vergangenheit erzählt, sollte man eine eigenwillige Ästhetik wählen. Am Anfang hatten wir ein Szenenbild eingerichtet, wie man es aus Bildern der Epoche kannte. Ich hatte das Gefühl, das schon 1000 Mal gesehen zu haben – und das Ganze nicht mehr geglaubt. Da haben wir einige Dinge geändert, Zufälle und Asymmetrisches hinein gebracht. Das verbindet die Bilder mit unserer Gegenwart.

„Amour fou“ ist auf DVD bei good!movies erschienen.
Die Bildrechte liegen bei Stadtkino Filmverleih, das Porträt von Jessica Hausner stammt von Gianmaria Gava/Stadtkino.

Marcel Ophüls‘ „Hotel Terminus – Zeit und Leben des Klaus Barbie“ auf DVD

Marcel Ophüls Hotel Terminus

 

Viele Jahre lang war Marcel Ophüls‘ Dokumentarfilm „Hotel Terminus – Zeit und Leben des Klaus Barbie“ nicht mehr erhältlich. Nun ist der 1989 oscarprämierte Film erstmals auf DVD erschienen. Ein Meisterstück, das einen herben Kontrast bildet zu der gängigen Ästhetik heutiger Dokumentationen über die NS-Zeit.

Wie würde ein gängiger Film zu diesem Thema wohl aussehen, würde er heute produziert? Man kann es sich gut vorstellen – dramatische Musik, Wochenschaubilder im Stakkato-Takt, kurze Aussagen von Zeitzeugen vor einer dunklen Studiowand – begleitet von einer Erzählerstimme aus dem Off, die die dokumentarische Wahrheit verbürgen soll. Und der Titel wäre womöglich knallig: „Klaus Barbie – Hitlers Schlächter“ oder Ähnliches.

Der Film „Hotel Terminus – Zeit und Leben des Klaus Barbie“ ist 1989 einen ganz anderen Weg gegangen, um einen bekannten Lebenslauf zu beschreiben: Barbie, 1913 geboren, macht Karriere in der NS-Zeit und wird als folternder Gestapo-Chef in Lyon zur Schreckensgestalt. Nach dem Krieg wirbt ihn der amerikanische Geheimdienst an, bevor er sich mit US-Hilfe nach Bolivien absetzt. 1983 wird er nach Frankreich ausgeliefert, zu „lebenslänglich“ verurteilt und stirbt 1991 in der Haft. Dass Barbie in den 60ern zeitweise auch für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet hat, wurde erst vor vier Jahren aufgedeckt.

Diesen Lebenslauf erzählt Regisseur Marcel Ophüls in seiner oscarprämierten Dokumentation meisterhaft und eigenwillig: Viel Zeit lässt er sich (über vier Stunden), er umkreist sein Thema, unternimmt Exkurse und verweigert sich einer braven Chronologie. Ophüls spricht mit Opfern Barbies, mit Männern und Frauen der Resistance, geht auf die Suche nach „alten Kameraden“ Barbies (unter anderem in der Nähe von Kaiserslautern) und besucht das Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, an dem Barbie einst sein Abitur machte. Das hält man bei den Dreharbeiten 1988 am Gymnasium seitens der Schulleitung allerdings für „ein Gerücht“ oder „das Erste, was ich höre“.

Ophüls‘ Montage ist hochspannend, er stellt Widersprüche gegeneinander, lässt allzu offensichtliche Lügen unkommentiert – etwa die Aussage eines US-Agenten, er könne sich nicht vorstellen, dass Barbie jemals gefoltert habe. Viele Passagen sind erschütternd: Eine Frau, als Kind von Barbie nach Auschwitz deportiert, erzählt vom Tod ihrer Familie, eine ältere Dame berichtet von Folterungen und der Verschleppung von Ehemann und Sohn. „Sie sind nicht wiedergekommen“, sagt sie knapp, und sonst nichts mehr. Diese Gespräche führt Ophüls behutsam, ihm geht es nicht um den Effekt, wie es ihm im Film auch weniger um die Person Barbie geht (ein Schlächter unter vielen), als um Strukturen und den Umgang des Einzelnen mit der Vergangenheit. Es helfe ja niemandem, sagt eine junge Frau zu Ophüls, wenn man jetzt noch NS-Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehe, das seien doch alte Männer. Ophüls fragt zurück: „Und was ist mit den Kindern, die niemals alt werden durften?“.
Trotz allem gelingen Ophüls immer wieder auch Momente düsterer Komik – etwa wenn er einen SS-Kameraden Barbies befragt, in dessen gemütlichem Wohnzimmer vor einem festlichen Weihnachtsbaum. „Barbie war ein fantastischer Kerl“, sagt ein früherer SS-Mann, das hätten auch seine Dackel gemerkt. „Ein Tier hat ja Empfindungen“.

Erschienen bei Turbine.

Regisseurin Sylke Enders über ihren Film „Schönefeld Boulevard“

Sylke Enders Schönefeld Boulevard

Regisseurin/Autorin Sylke Enders. Foto: rbb/Benedict Neuenfels/credo:film

 

 

 

 

 

 

Sylke Enders Schönefeld Boulevard

Julia Jendroßek als Cindy. Fotos: rbb/Claudia Rorarius/credo:film

Sylke Enders Schönefeld Boulevard

 

Die Regisseurin und Autorin Sylke Enders („Kroko“, „Mondkalb“) erzählt in ihrem  Film „Schönefeld Boulevard“ von der jungen Cindy (gespielt von Julia Jendroßek): Pummelig, vom Leben eingeschüchtert und in ihrer Klasse von ähnlich frustrierten Mitschülerinnen gehänselt, sucht sie auf der ewigen Baustelle des Berliner Großflughafens nach ein wenig Freiheit und nach einer Perspektive für ihr Leben.

 

 

„Schönefeld Boulevard“ spielt auf einem Flughafen, der nicht fertig wird, einem Ort des ewigen Wartens – auch eine Metapher für das Leben Ihrer Heldin. War die Baustelle der Grundstein des Drehbuchs oder bot sich der BER später einfach als sinniger Schauplatz an?

Nein, das Drehbuch war längst fertig. Die Idee, es am BER zu verfilmen, kam mir, als ich zum sicher 5000. Mal dort vorbeikam, aber mal anhielt und mir die ganze Szenerie in Ruhe angeschaut habe – etwa den Friedhof am Flughafen, dann das Örtchen, das von einer Schnellstraße geteilt ist, die Motels, die ganze geballte Langeweile. Für mich war Schönefeld schon immer, auch als ich noch ein Kind war, das „Tor zur Welt“. Aber das heißt ja nicht, dass auch jeder durch dieses Tor hindurchgeht – manchmal ist die Angst vor dem Neuen größer als die Neugier selbst.

Davon erzählt Ihr Film, aber auch vom Erwachsenwerden und dem Leben von Außenseitern. Dazu gibt es viele Filme. Hatten Sie keine Angst, einen weiteren unter vielen sogenannten „coming of age“-Filmen zu drehen?

Nein, denn so würde ich meinen Film gar nicht definieren. Für mich geht es um eine ungewöhnliche Freundschaft und um Bedürfnisse, die leider verleugnet werden. Die gibt es in der Erwachsenenwelt ja genauso, mir ging es nicht um einen Blick nur auf Jugendliche. Es geht um fehlende Zugehörigkeiten, um Halt- und Orientierungslosigkeit. Diese Themen findet man wohl in all meinen Filmen.

Ihr Film verläuft am Anfang in erwarteten Bahnen, aber irgendwann kommt ein Bruch, und alles scheint im Film möglich, die Grenzen zwischen Tragik und Komik fließen. War das immer die Idee gewesen?

Ja, aber der Anfang des Films scheint das Publikum wirklich stärker zu polarisieren, als ich gedacht hätte. Manche Zuschauer nehmen die Figuren an, manche nicht.

Cindy widersetzt sich auf stille Weise, sie ist keine klassische Rebellin.

Ich finde sogar, sie rebelliert gar nicht – sie entzieht sich vor allem. Sie empfindet Scham über sich selbst, und Scham verhindert oft, dass man in die Opposition oder Rebellion tritt. Cindy hat etwas Stoisches, was mir sehr gefällt. Für mich ist sie letztlich kein typisches Opfer.

Die Konflikte treiben Sie nicht auf die Spitze, es gibt auch keine große Konfrontation am Ende. Das könnte gängige Erwartungen enttäuschen.

Ja, aber ich mache so etwas eben anders. Ich wollte Cindy eine gewisse Größe geben – auch durch ihr Schweigen. Denn das signalisiert: Sie lässt sich nicht aus der Reserve locken, sie ist den Sticheleien auf ihre Art gewachsen. Das hat eine ungeheure Kraft.

War die Suche nach einer Hauptdarstellerin schwierig?

Es war eine Katastrophe – ich war frustriert und hochgradig genervt. Ich fragte mich: Wo sind sie denn, unsere Theaterschauspielerinnen, die jünger aussehen, als sie sind? Und was soll dieser Schlankheitswahn? Ich habe viele junge Frauen gecastet, die nicht das Lebensbejahende hatten, das ich für diese Figur brauchte. Als ich Julia Jendroßek sah, sagte ich: „Immerhin gehen bei der nicht die Mundwinkel nach unten.“ Wir haben sie zwei Monate vor den Dreharbeiten gefunden. So kurz vor dem Drehstart ohne Hauptdarstellerin dazustehen, wünsche ich keinem.

Warum heißt das Mädchen Cindy? Ein Verweis auf die Kunstfigur „Cindy aus Marzahn“?

Nein, überhaupt nicht – das Drehbuch war schon abgeschlossen, als ich zum ersten Mal von ihr hörte. Eines Tages las ich dann in der „Bild“ sogar von „Cindy und Danny aus Berlin-Hellersdorf“, also genau die Vornamen meiner Hauptfiguren. Da habe ich sehr gelacht und dachte: Na gut, dann ist und bleibt das eben so.

„Schönefeld Boulevard“ läuft am 5. Januar, 0.10 Uhr, auf RBB.
Die DVD ist bei Farbfilm erschienen.

Schöner Schund (wenn auch nicht immer): Die Geschichte der legendären „Cannon“-Filmschmiede

Cannon Films

Berüchtigt war sie für schnell heruntergekurbelte, aber profitable Schundfilme: In den 80ern erlebte die Filmschmiede Cannon ihre große Zeit. Eine Doku erzählt nun ihre Geschichte.  

In den 80er Jahren kam kein Bahnhofskino, keine Videothek an Cannon vorbei. Die US-Filmschmiede warf überwiegend Billigfilme auf den Markt, in denen etwa Charles Bronson, sein Gnadenbrot kauend, zur Waffe griff („Ein Mann sieht Rot“, Teile II bis IV). Chuck Norris ballerte sich in „Missing in Action“ (I bis III) durch Vietnam; Dolph Lundgren hüpfte in Unterhose durch „Masters of the Universe“. Trash war das, knallbunter Filmschrott, der heute noch seine nostalgischen Fans hat.

Cannon Films Jean-Claude Van Damme

Cannon ist mittlerweile Geschichte – und die erzählt nun eine flotte Dokumentation namens „Electric Boogaloo“. Mit vielen Filmausschnitten und knapp 80 (!) Interviewpartnern zeichnet Autor/Regisseur Mark Hartley die Historie nach: In den 70ern feiern die beiden israelischen Filmproduzenten Menachem Golan und Yoram Globus ihren bisher größten Erfolg: die „Eis am Stiel“-Reihe über die Nöte und Freuden der Pubertät. Die beiden Cousins beschließen, ihr Glück in Hollywood zu machen, kaufen eine siechende US-Filmfirma namens Cannon und krempeln sie um. Das Konzept: bezahlbare Filme mit Action und/oder nackter Haut, in denen es ordentlich rumst, mit Altstars wie Bronson oder gut gebauten, mimisch eher zurückhaltenden Action-Athleten (Norris, Van Damme, Michael Dudikoff). Bei der Finanzierung bauen Golan/Globus auf „pre-sales“ – Vorverkäufe: Mit nichts als einem knalligen Titel, einem Filmplakat und einem Star im Gepäck reisen sie zu Festivals wie Cannes, finden Geldgeber und drehen erst dann den Film. Ein paar Jahre geht das gut, aber die Firma wächst zu schnell, das Duo übernimmt sich, kauft in England eine Kinokette und ködert anspruchsvolle Regisseure wie John Cassavates, Franco Zeffirelli und Jean-Luc Godard; dies zum Teil tatsächlich aus Liebe zum Film (Golan ist ein großer Kinofan, auch wenn man das seinem Oeuvre selten anmerkt), zum Teil, um den katastrophalen Ruf der Firma zu verbessern. Nach einigen Flops implodiert Cannon 1989.

Cannon Films Sylvester Stallone

Der Film erzählt davon enorm anekdotenprall, auch wenn Globus und Golan (der 2014 starb) nur in Archivaufnahmen zu sehen sind. Sie haben, als sie von den Plänen zur Doku erfuhren, lieber gleich ihre eigene gedreht, „The Go-Go Boys“, die bei uns noch nicht erschienen ist. „Electric Boogaloo“ führt zurück in die Ära unverhohlen reaktionärer Kracher wie „Delta Force“, barbusiger Schmonzetten wie „Mata Hari“ und sichtlich billiger Indiana-Jones-Abklatsche wie „Quatermain“. Das ist wohlig nostalgisch, manchmal gar surreal (in einem „Herkules“-Film landet ein Bär per Kinnhaken im All), aber stellenweise zu hektisch. Der Film lässt Interviewpartner wie Richard Chamberlain. Franco Nero, Bo Derek, Elliot Gould oder Dolph Lundgren nur einen kurzen Satz sagen, um sofort den nächsten sprechen zu lassen. Da rattern die Zitate manchmal so unbarmherzig wie ein Maschinengewehr in einem Chuck-Norris-Film. Etwas Muße hätte nicht geschadet.

Auf DVD erschienen bei Ascot Elite.
Fotos: Ascot Elite.

Schön dreckig, dreckig schön: „Harms“ mit Heiner Lauterbach

Harms Heiner LauterbachHarms Heiner Lauterbach

Es ist eine einfache Geschichte. Ein Mann kommt nach 16 Jahren aus dem Gefängnis, findet sich nicht mehr zurecht und tut letztlich das, was er kann: Er plant einen Raub, den letzten, mit dem er dann ausgesorgt hat – wenn der Plan denn funktioniert. Soweit also nichts Neues. Und doch ist der Film „Harms“ von Nikolai Müllerschön eine Überraschung: ein deutscher Krimi, der sich ins Kino wagte (wo er leider weitgehend unbeachtet blieb – als DVD ist er aber zu haben) und seine schmutzige Geschichte angemessen dreckig erzählt. Heiner Lauterbach hat den Film unabhängig von TV-Geldern oder Fördergremien produziert, spielt die Titelrolle und ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen: mit Trainingshose, Tätowierungen und einem Schnauzbart, der ihn manchmal wie ein schlecht gelauntes Walross ausschauen lässt – so sieht man ihn im ZDF- oder RTL-Abendprogramm nicht.

Harms Heiner Lauterbach

Nur: Diese Hinwendung zur Proll-Optik hätte auch allzu bemüht wirken können, tut es aber nicht, da Lauterbach eine exzellente Vorstellung gibt. Sein Harms ist melancholisch und brutal gleichermaßen, vom Leben abgehärtet und abgestumpft. Lauterbach zur Seite steht eine famose Besetzung. Da ist Axel Prahl als alter Freund mit gewohnt rumpeligem Prahl-Charme und vor allem Martin Brambach als Gangster-Kollege, eine jämmerliche Figur, der in seinem viertklassigen Lokal seine Küchenhilfe schikaniert. Gemeinsam will man mit einem großen Bankraub dem Schicksal öder Altersarmut ein Schnippchen schlagen.

Harms Heiner Lauterbach

Der Raub ist das ruppige und spannende Finale des Films, der seine besten Momente aber in seinen atmosphärischen Szenen zuvor hat: In Gesprächen an einer trostlosen Imbissbude am Münchener Stadtrand (deren Betreiber Helmut Lohner spielt), beim Sinnieren über Freundschaft, Loyalität und darüber, wie man das Glück an den Hörnern packen kann – und ob es sich überhaupt packen lässt. Klischeefrei ist das Ganze dabei nicht, und auch die Logik ist nicht immer die höchste Priorität des Drehbuchs. Aber „Harms“ hat Mut, viel Atmosphäre und filmische Kraft.

Erschienen bei Alive. Extras: Trailer und kurze Interviews.
Fotos: Alive

Allein unter Neonazis: „Imperium“ mit Daniel Radcliffe

Imperium Daniel Radcliffe

Imperium Daniel Radcliffe

Imperium Daniel Radcliffe

Imperium Daniel Radcliffe

 

Radioaktives Material scheint an US-Neonazis geraten zu sein – das FBI schleust einen Agenten ein, um einen Anschlag zu verhindern. Das ist der Ausgangspunkt des Films „Imperium“ mit Daniel Radcliffe, der jetzt auf DVD erscheint.

„Harry Potter“ kann schwer auf den Schultern lasten – der britische Schauspieler Daniel Radcliffe (27) versucht spürbar, aus dem Schatten der Figur zu treten: In den fünf Jahren nach dem letzten Potter-Film spielte er etwa einen gramgebeugten Witwer („Die Frau in Schwarz“), Mary Shelleys legendären Leichenbastler („Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“) und gar eine Leiche („Swiss Army Man“).

Der Film „Imperium“, der jetzt bei uns direkt auf DVD und Blu-ray erscheint, ist ein politischer Thriller. Radcliffe spielt den jungen FBI-Agenten Nate Foster, mit bravem Scheitel, Kassenbrille und der Gewissheit, dass seine Kollegen ihn nicht recht ernst nehmen – abgesehen von einer Vorgesetzten (Toni Colette), die ihn zu einer verdeckten Ermittlung drängt: Radioaktives Material scheint in die Hände amerikanischer Neonazis gelangt zu sein – planen sie einen Anschlag?

Foster rasiert sich den Kopf und liest sich in rechtsextreme Literatur wie „Mein Kampf“ oder die „Turner Diaries“ ein, die auch den NSU inspiriert haben sollen. Rasch findet er mit rassistischen und antisemitischen Sprüchen Anschluss im rechten Milieu – stets in der Angst, enttarnt und ermordet zu werden. Hier stützt sich der Film ganz auf die bewährte und spannende Struktur des „undercover thrillers“, wobei ihn die detaillierte Schilderung des Milieus zu mehr macht als zu einem kompetenten Krimi. Die rechtsextreme Szene bevölkern verschiedene Gruppierungen, die sich trotz ihres gemeinsamen Rassenhasses nicht grün (beziehungsweise braun) sind: Da sind die vermeintlich Zukurzgekommenen, rasierte Schläger, die sich in der prügelnden Gruppe sicher fühlen; da sind gut organisierte Gruppen, die sich eine Art „arische Religion“ zusammengezimmert haben und in der Kasernenhütte im Wald Jesus- und Hitler-Gemälde nebeneinander aufhängen; und da ist eine Riege gut situierter Vorstadt-Nazis ohne Kahlköpfe, die im Garten Veggieburger brutzeln und im Salon Brahms hören oder Tschaikowski, den „niemand so gut dirigiert wie Leonard Bernstein“, wie der rundum gebildete NS-Kopf befindet. Zwar sei Bernstein Jude, das sei aber kein Problem: „Juden hören ja auch Wagner“. Dialoge wie diese, zwischen Grauen und makabrem Humor, sind die Stärken des Films, der manche überraschende Figur bereit hält: Ein Rassenhass-Prediger des Internet etwa entpuppt sich als zielgruppenorientierter Opportunist, der noch bei seiner Mutter wohnt und seine Tiraden im Hinterzimmer aufnimmt: „Ich predige den Idioten, was sie hören wollen, und dafür verehren sie mich.“

Weitgehend außen vor bleibt im Film die Wirkung des Milieus auf den Agenten; seine Figur wird kaum ausgelotet, sie ist eher ein neutrales Zentrum, um das die verschiedenen Nazi-Gruppen kreisen – dabei zeigt sich, dass nicht immer die lautesten die gefährlichsten und brutalsten sind.

Erschienen bei Ascot Elite. Extras: Trailer und ein viertelstündiges Interview mit Radcliffe.

 

 

Männerfreundschaft und Motoren: Ein Buch über Steve McQueen, Siegfried Rauch und „Le Mans“

Le mans Steve McQueen

Le mans Steve McQueen

Le mans Steve McQueen Siegfried Rauch

 

Rasende Autos, zusammenkrachende Egos – die Dreharbeiten 1970 zum Rennfilm „Le Mans“ hatten es in sich. Abseits des Trubels entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den Darstellern Steve McQueen und Siegfried Rauch, die nun ein Buch verewigt.

Es sollte der definitive Film über den Autorennsport werden und über die 24 Stunden von Le Mans. Doch öfter noch als die Wagen auf der legendären Rennstrecke krachten die Egos ineinander – die von Star/Produzent Steve McQueen und von Regisseur John Sturges. Der war mit McQueen in den Filmen „Die glorreichen Sieben“ und „Gesprengte Ketten“ besser zurecht gekommen. In Le Mans hatte er irgendwann von seinem einmischungsfreudigen Star die Nase voll und verabschiedete sich mit dem schönen Satz „Ich bin zu alt und zu reich für diese Scheiße“. TV-Regisseur Lee Katzin brachte den Film irgendwie zu Ende, ganz glücklich war am Ende niemand – die Rennszenen waren zwar rasant, Dramaturgie und Spannung aber untertourig.

Erfreulicher war da die Freundschaft, die sich zwischen McQueen und seinem Kollegen Siegfried Rauch entwickelte. Der spielte McQueens deutschen Konkurrenten Erich Stahler (ein typisch deutscher Hollywoodname). Von dieser Freundschaft, dem Film und dem Renn-Rummel handelt das bunt gemischte, sehr unterhaltsame Buch „Unser Le Mans“. Da erzählt Rauch, wie das angefangen hat mit McQueen, den er bei den Dreharbeiten erst einmal in Ruhe lässt, was dem Viel-Umrummelten positiv auffällt. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich über die jeweiligen armen Kindheiten aus und findet so einen Draht zueinander. Nach den Dreharbeiten geht es gemeinsam nach Paris, später besucht McQueen Rauchs Familie im Schatten der bayerischen Alpen und wird der Taufpate von Rauchs Sohn Benedikt. Irgendwann, wie es halt so geht, verliert man sich aus den Augen, die Jahre fliegen – bis Rauch vom Krebstod McQueens 1980 in der Zeitung liest. Einige Fotos zeigen einen ungewohnt entspannten McQueen in der rustikal gemütlichen Wohnstube Rauchs. Vier Briefe an Rauch sind abgedruckt, in denen der Amerikaner ihn jedesmal anders anredet: „Sigi“, „Siegi“, „Ziggi“ und „Ziggy“. McQueensche Vielfalt.

Diese Freundschaft ist ein Aspekt des Buchs – aber es geht auch generell um das Rennen in Le Mans, um die Dreharbeiten und den Rennsport; da werden einige Porsche vorgestellt, darunter der legendäre 917, Fahrer und Techniker erzählen von damals und heute. Film- und Autofans, McQueen- und Rauch-Anhänger werden bei der Lektüre gleichermaßen zufrieden sein.

 

Unser Le Mans. Siegfried Rauch. Steve McQueen – Der Film. Die Freundschaft. Die Fakten. Herausgegeben von Hans Hammer. Delius Klasing Verlag, 208 Seiten, 29,90 Euro. Die DVD des Films ist bei Paramount erschienen.

Interview mit Regisseur Christian Schwochow über seinen Film „Westen“

Christian Schwochow WestenChristian Schwochow Westen Jördis TriebelChristian Schwochow Westen Jördis Triebel

In Saarbrücken ist Regisseur Christian Schwochow, dessen neuer Film „Paula“ gerade gestartet ist,  ein guter Bekannter: Sein Debüt „Novemberkind“ gewann 2008 den Publikumspreis des Ophüls-Festivals, sein zweiter Film „Die Unsichtbare“ erhielt 2012 eine lobende Erwähnung. Sein neuer Film „Westen“ erzählt die Geschichte der Mutter Nelly, die 1978 von der DDR in die BRD flieht. Dort setzt der US-Geheimdienst sie unter Druck, und Nelly kommt der goldene Westen gar nicht mehr so golden vor. Ein Gespräch mit dem Regisseur über seinen Film, der auch etwas mit Schwochows Biografie zu tun hat.

 

In einem Interview sagten Sie, dass Sie nach „Novemberkind“ und dem TV-Film „Der Turm“ nicht auf das Thema DDR festgelegt werden möchten. Jetzt haben Sie aber „Westen“ gedreht. Weil die Handlung auch Ihre Biografie berührt?

Zum Teil. Der Film basiert ja auf Julia Franks Roman „Lagerfeuer“, den ich 2003 gelesen habe. Damals machte eine neue Generation von Schriftstellern auf sich aufmerksam wie eben Julia Frank oder Clemens Meyer, die die ostdeutsche und deutsch/deutsche Wirklichkeit aus einem ganz unideologischen Blick heraus beschrieben haben. Die Konflikte in „Lagerfeuer“ kamen mir sehr vertraut vor. Meine Eltern haben ja selbst einen Ausreiseantrag gestellt, der am 9. November 1989 genehmigt wurde. Die Sehnsucht nach einem neuen, anderen Leben war ein ganz großes Thema in meiner Familie. Dieses Ankommen in der neuen Welt mit all seinen Problemen kannten wir auch. Da gibt es viele autobiografische Anteile, das hat mich sehr interessiert.

Wie war das damals, als Sie aus Ostberlin nach Hannover kamen? Wurden Sie beäugt wie ein Marsmensch?

Es war nicht so wie im Film, wo der Junge als „Ostpocke“ bezeichnet wird. Aber man wusste einige Zeit nichts mit mir anzufangen. Ich habe den Herbst 1989 ja ganz direkt erlebt in Berlin, ich hatte viel gesehen von den Demonstrationen und Montags-Andachten, es gab Verfolgungsjagden direkt unter meinem Fenster – das vergisst man nie. Diesen ganzen innerlichen Aufbruch hatte ich in mir und bin dann ins beschauliche Hannover gekommen. Ich kam aus dieser aufgeladenen Zeit und konnte das Erlebte schlecht vermitteln.

Ihr Film zeigt den Westen nicht als das gelobte Land, eher als Ort einiger enttäuschter Hoffnungen. Üblicherweise ist der Kontrast zwischen der BRD und der DDR im deutschen Kino ja viel deutlicher.

Das stimmt schon, aber ich wollte damit nicht aussagen, dass die BRD auch nicht besser wäre als das Regime der DDR – das wäre falsch. Aber mich ärgert immer diese einseitige Sicht vom dunklen kommunistischen System und von der anderen Seite, auf der immer alles richtig gemacht worden ist. Wir wissen ja spätestens seit Edward Snowden, welche Rolle westliche Geheimdienste spielen. Deshalb soll mein Film erzählen, dass auch eine westliche Demokratie sehr eigene Mechanismen besitzt, die erstmal nichts mit Freiheit zu tun haben.

Eine BRD-Amtsstube im Film, in dem der Hauptfigur Nelly das Leben im Westen gestattet wird, zeigen Sie so grau und muffig, wie es sonst im Kino nur die DDR-Büros sind. Ironie?

Nein, das Büro ist originalgetreu nachgebaut. Aber kurios ist es schon, wie ähnlich sich damals doch manches war. Als ich am 10. November 1989 über die Bornholmer Straße nach Westberlin gelaufen bin, dachte ich: Das ist jetzt auch nicht weniger schmuddelig als der Prenzlauer Berg, auch wenn mehr Leuchtreklamen brannten. Aber so anders hat sich das alles gar nicht angefühlt.

Ihr Film lässt inhaltlich einiges in der Schwebe, nicht alles wird aufgelöst.

Ich weiß, dass das manchen Zuschauer frustrieren könnte, mir war es aber sehr wichtig – die Figuren werden nie alles erfahren, aber sie müssen sich dennoch für etwas entscheiden, auch wenn die großen Fragen des Lebens noch nicht beantwortet sind.

Sie haben den Film „Die Täter – heute ist nicht alle Tage“ über die NSU-Morde geschrieben und inszeniert – ist das auch eine typisch ostdeutsche Geschichte, die es ohne die DDR nicht gegeben hätte?

Natürlich haben der Zusammenbruch der DDR und der schwierige Neuanfang ganz viel mit der Entwicklung des Rechtsextremismus zu tun, keine Frage. Die Drei und ihre Mitstreiter gehören zu der besonderen Generation der Wendekinder. Aber wir müssen aufhören, den Rechtsextremismus in Deutschland als ein ostdeutsches Problem zu behandeln. Er ist seit vielen Jahren ein gesamtdeutsches Problem. Der NSU-Komplex hat eine gesamtdeutsche Tragweite, vieles ist nicht gesehen worden oder man wollte es nicht sehen. Den Boden für diese Bewegung hätte man überall in Deutschland finden können.

 

Die DVD ist bei Senator erschienen.

Die Szenenfotos stammen von Senator, das Bild von Christian Schwochow machte Iris Maurer.

 

Schöne Menschen an schönen Orten: „Codename U.N.C.L.E.“ von Guy Ritchie

 

 

Codename U.N.C.L.E. Guy Ritchie

 

Eine neue Kinoreihe wollte dieser Film einläuten, vergebens: Die Kritiken waren lauwarm, die Kinos halbleer. Schade um ein buntes, munteres Werk, das auf DVD vielleicht mehr Glück hat. „Codename U.N.C.L.E.“ von Guy Ritchie („Sherlock Holmes“) erzählt von zwei Agenten in den 60er Jahren, die sich aus ideologischen Gründen herzlich abgeneigt sind: ein stocksteifer russischer Hüne (Armie Hammer) und ein Amerikaner mit Hang zu Luxus und Schnöseltum (Henry Cavill). Dennoch müssen sie zusammenarbeiten, um einer Gaunerbande eine Atombombe zu entwenden. Der Plot ist also so dünn wie ein Pfannkuchen, den aber zuckert und parfümiert die Regie nach allen Regeln der Kunst: Schöne, gut gekleidete Menschen wandeln durch edle Hotelsuiten und Roms schönste Orte, die Dialoge sind ironisch gefärbt, es herrscht nur mäßige Spannung, dafür aber eine nostalgische Gemütlichkeit – da passt es gut, dass der US-Agent, als er merkt, dass er betäubt wurde, sich den besten Platz auf dem nächsten Sofa sucht, bevor das Gift wirkt. Charmant.

Passend ist auch die vage Vorlage des Films auf DVD erschienen, die US-TV-Serie „Solo für O.N.C.E.L.“ (1964-1968). Die erste, noch schwarzweiße Staffel (auch wenn die Hülle Farbe verspricht), bietet flotte Agentenabenteurer mit dem kürzlich verstorbenen Robert Vaughn und David McCallum in damaliger TV-Ästhetik: viele Studioszenen, dazu als Simulation glamouröser Schauplätze ein paar Tourismus-Bilder aus dem Archiv. Daran muss man sich gewöhnen, doch dann ist die Serie eine Freude.

Film und Serie sind bei Warner erschienen.

 

„Sie sind verdammt“ von Joseph Losey

Joseph Losey

Kaum jemand sezierte im Kino die britische Klassengesellschaft (und die Gesellschaft im Allgemeinen) so schmerzhaft genau wie ausgerechnet der amerikanische Regisseur Joseph Losey (1909-1984). Seine bekanntesten Filme „Der Diener“ (1963) und „Accident – Zwischenfall in Oxford“ (1967), beide mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle, sind finstere Filme über Lug, Trug und gesellschaftliche Hierarchien.

Nun erscheint ein weniger bekannter Film Loseys aus dem Jahr 1963 erstmals bei uns auf DVD. „Sie sind verdammt“  führt an die britische Südküste, wo ein Urlauber in der Nähe einer Militärbasis merkwürdige Höhlen entdeckt – bevölkert von Kindern, die rund um die Uhr vom Militär überwacht werden und eine eisige Körpertemperatur besitzen. Die Auflösung soll nicht verraten werden, aber voller Pessimismus denkt der Film über eine Gesellschaft nach, die sich schon einmal rüstet für das Leben nach dem Atomkrieg. Ein beunruhigender Film, der damals für die knallige Gruselfirma „Hammer“ entstand, seinen Schrecken – und sein Anliegen – aber subtil transportiert.

Anbieter: Explosive Media

Ältere Beiträge

© 2017 KINOBLOG

Theme von Anders NorénHoch ↑