KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Monat: Januar 2017 (Seite 1 von 3)

„Was heißt hier Ende“ – Dominik Grafs Porträt von Michael Althen

Michael Althen Dominik Graf

Der Filmkritiker Michael Althen in Venedig. Foto: WDR/rbb/Beatrix Schnippenkoetter

„Was heißt hier Ende?“ – Dominik Grafs Porträt des Filmkritikers Michael Althen

(Dienstag, 31. Januar, 0 Uhr, WDR).

Seine Texte seien ja schön gewesen, sagt Michael Althens Vater im Film, „aber die Nachrufe, die waren wunderschön“. Diesen filmischen Nachruf nun auf Althen selbst könnte man auch so nennen. Dominik Graf hat ihn gedreht, der neben seinen Spielfilmen („Die Katze“, „Geliebte Schwestern“) und TV-Arbeiten („Zielfahnder“) immer wieder auch Filmessays dreht – einige auch zusammen mit dem Filmkritiker Michael Althen, der ihm ein Freund wurde und 2011 starb, im Alter von 48 Jahren. Grafs Film ist ein mosaikartiges Porträt, gefühlvoll, aber nicht sentimental – um einen Kino-Liebenden geht es, dessen Bild Graf aus vielen Teilen zusammensetzt: Da sind Ausschnitte aus Althens eigenen Filmen, vor allem über den Maler Nicolas de Staël, der ihn faszinierte; Texte Althens übers Kino, die Graf wundervoll raunend liest; da sind die Kinder, die Witwe, die Freunde und Kollegen, die Anekdoten erzählen – Kritiker wie Andreas Kilb, Tobias Kniebe, Harald Pauli, Regisseure wie Christian Petzold und Caroline Link.

Von dem Nachtschwärmer Althen hören wir da, der erst schrieb, wenn alle um ihn herum ins Bett gegangen waren; der kaum etwas mehr fürchtete, als dass Regisseur Michelangelo Antonioni stirbt, wenn Althen in Urlaub ist und deshalb keinen Nachruf schreiben kann. Er schrieb ihn dann nach jahrelangem Zögern vorab, „für die Schublade“ sozusagen – einen Tag später starb Antonioni. Und Althen gab sich eine gewisse Mitschuld, erzählt seine Frau und lächelt.

Natürlich erzählen die Freunde vor allem Nettes über Althen, auch wenn die Kollegin Doris Kuhn dessen manchmal etwas gefühlsbeladenen und bedeutsamen Stil sanft veräppelt, wenn Althen etwa von den „Pfützen der Erinnerung“ spricht. Dabei schlägt der Film einen thematisch noch weiteren Bogen – ist die Filmkritik langweilig geworden? Hat sie nur noch Service-Charakter? Wie kann man sich Begeisterung fürs Kino erhalten, wenn man sich 30 Jahr lang berufsmäßig Filme anschaut und alles, wie Andreas Kilb es beschreibt, „schon 20 Mal gesehen hat – und davon 18 Mal besser“? Auch darum geht es in Grafs Film, der über sein Sujet hinausweist, über ihm kreist und immer wieder zurück kommt.

D 2015, 122 Min., Regie und Buch: Dominik Graf; mit Wim Wenders, Moritz von Uslar, Anke Sterneborg, Romuald Karmakar, Tom Tykwer, Peter Körte.

So war die Ophüls-Preisverleihung

Filmfestival Max Ophüls Preis

 

Die Ophüls-Preisverleihung am Samstagabend im Saarbrücker E-Werk

 

Erleichterung war zu spüren, am Samstagabend im E-Werk: Alles gut gegangen, die Ophüls-Welt ist wieder in Ordnung. 2016 war das ja anders – da hatte der Streit um die Nicht-Vertragsverlängerung der langjährigen Leiterin Gabriella Bandel seitens der Stadt und das Schweigen der Betroffenen das eigentliche Festival in den Hintergrund gedrängt. Ophüls 2017 nun war das Debüt der neuen Leiterin Svenja Böttger, der ein glänzender Einstand gelungen ist. Das bewährte Grundkonzept des Festivals haben sie und Programmleiter Oliver Baumgarten nicht umgekrempelt, dennoch einige Neuerungen eingeführt (Kurz-Dokus etwa und ein Blick auf europäische Filmhochschulen). Und mit der Nutzung des alten C&A-Kaufhauses als diesmal brummender Club „Lolas Bistro“ ist dem Festival ein Coup gelungen. So war der Jubel im E-Werk für Böttger mit am lautesten. Ihr Fazit: Ich denke, es lief sehr gut.“

Es war wohl eher ein Wettbewerb der sehenswerten als der überragenden Filme, die Jurys zeichneten manche Filme mehrfach aus, andere gar nicht. Leider auch nicht Michael Kochs „Marija“ (wir berichteten). Zwei Preise gewann Monja Arts Debüt „Siebzehn“, eine Teenager-Geschichte aus Niederösterreich. Den Hauptpreis nahm Art mit dem Satz „ein schöner Ausgang für diesen Abend“ entgegen; Schauspielerin Elisabeth Wabitsch erhielt für „Siebzehn“ den Nachwuchsdarstellerpreis: „voll cool“.

Geradezu sprachlos war Regisseurin Alexandra Balteanu, die mit ihrem Film „Vanatoare“ (gedreht an nur elf Tagen) über drei Frauen an einem Straßenstrich in Bukarest einen harten Brocken Film vorlegte, mit langen Einstellungen, viel Dreck und noch mehr Erniedrigung. Nach dem Preis durch die Ökumenische Jury nahm Moderator Lutz Winde die gerührte Filmemacherin in den Arm. „Vanatoare“ gewann auch den Preis der Ministerpräsidentin, die auf der Bühne die Etat-Erhöhung durchs Land ins Spiel brachte. „50 000 Euro mehr wolltest Du haben“, sagte Annegret-Kramp Karrenbaucher (CDU) in Richtung Svenja Böttger, „50.000 mehr hast Du bekommen – das bleibt auch in den kommenden Jahren so“. Das klang so, als hätten die früheren Festivalleiter niemals nach mehr Etat gefragt. Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) bemerkte ihrerseits, dass „die Stadt ja auch einen schönen Batzen“ gibt und stellte mögliche Zuschusserhöhungen in Aussicht.

Was erfuhr man sonst noch bei der Zeremonie, moderiert vom bewährten Lutz Winde und im Internet übertragen (wenn auch mit technischen Problemen)? Dass etwa das Team des Films „Die Reste meines Lebens“ einen einsamen Festivalrekord von für sich reservierten Karten bei der Premiere aufgestellt hat: satte 84. Darstellerin Anna Thalbach, in der Jury des Kurz- und Mittellangen Films, vermisste bei den Kurzfilmen wirklich kurze Filme, Ein- oder Zweiminüter, und erklärte ihre eigene Rollenauswahl: Generell wolle sie immer und alles spielen, „es sei denn ich muss zu nackig sein, zu dreckig oder jemand Ekliges küssen“.

Arman T. Riahi, Regisseur der Komödie „Die Migrantigen“ sagte, „in einer Zeit, in der sich die Fronten verhärten, muss man aufeinander zugehen – der Humor kann das am besten“. Dann stellte er sein Team auf der Bühne unter Zeitdruck schneller vor als einst Dieter Thomas Heck in der ZDF-„Hitparade“. Produzent Helge Albers von der Doku-Jury betonte die Wichtigkeit guter Dokumentarfilme, „gerade in den Zeiten von ‚alternative facts’“ – sprich Lügen. Und Trost hatte Jury-Mitglied Andrea Sawatzki bereit für die nominierten, aber leer ausgegangenen Darsteller des Festivals: Manchmal wäre es besser, einen Preis nicht zu gewinnen, denn das härte ab für einen steinigen Beruf – „ich spreche da aus Erfahrung“. Der Schweizerische Regisseur Ivo Zen, dessen Film „Zaunkönig – Tagebuch einer Freundschaft“ für die Musik ausgezeichnet wurde, erfreute mit einer Wortneuschöpfung für ein saarländisches Naturheiligtum – „ich war ja auch mal an der Saarschlaufe“. Schlaufe klingt ja auch nicht schlecht.

 

Die Preise:

 

Max-Ophüls-Preis: „Siebzehn“ von Monja Art.

Preis der Ministerpräsidentin und Preis der Ökomenischen Jury: „Vanatoare“ von Alexandra Balteanu.

Dokumentarfilm: „Ohne diese Welt“ von Nora Fingscheidt.

Fritz-Raff-Drehbuchpreis des SR: „Die Reste meines Lebens“ von Julia C. Kaiser und Jens Wischnewski.

Publikumspreis Spielfilm: „Die Migrantigen“, Arman T. Riahi.

Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: „Club Europa“ von Franziska M. Hoenisch.

Preis der Jugendjury: „Die Reste meines Lebens“ von Jens Wischnewski.

Darstellerpreise: Elisabeth Wabitsch in „Siebzehn“, Leonard Kunz in „Jenny“.

Kurzfilm: „Die Überstellung” von Michael Grudsky.

Publikumspreis Kurzfilm: „Cigarbox Blues“ von Christopher Kaufmann.

Mittellanger Film: „Wald der Echos“ von Maria Luz Olivares Capelle.

Publikumspreis Mittellanger Film: „La femme et le TGV“ von Timo von Gunten.

Doku-Filmmusikpreis: „Zaunkönig – Tagebuch einer Freundschaft“, Musik von Trixa Arnold und Ilja Komarov.

 

Filmfestival Max Ophüls Preis

 

 

 

Christoph Hochhäusler über Max Ophüls, Dirk Bogarde, James Mason und „Toni Erdmann“

Christoph HochhäuslerRegisseur Christoph Hochhäusler.        Foto: Goethe-Institut/Foto Caroline Lessire

Christoph Hochhäusler, Regisseur von „Falscher Bekenner“, „Unter dir die Stadt“ und „Die Lügen der Sieger“, stellt beim Max-Ophüls-Festival einen seiner Lieblingsfilme des Festival-Namensgebers vor: „Madame de…“, am Samstag um 15 Uhr im Cinestar. Ein Gespräch vorab über Max und Marcel Opüls, Dirk Bogarde, James Mason und „Toni Erdmann“.

 

Wie kommt es zu Ihrem Besuch?

Oliver Baumgarten vom Festival hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, eine Brücke zu bauen zu Max Ophüls für ein jüngeres Publikum. Ich liebe Max Ophüls, da habe ich gerne zugesagt.

In Paris haben Sie vor einiger Zeit einen anderen Ophüls-Film vorgestellt.

Ja, das war „Der Reigen. Man könnte eigentlich jeden Ophüls-Film zeigen, die sind ja alle großartig. Aber „Madame de…“ ist schon ein besonderer Lieblingsfilm von mir.

Wieso?

Ophüls verbindet da eine höchste Meisterschaft der Form mit einem großen Thema, das hier so brutal zu Tage tritt wie in fast keinem anderen Werk der Filmgeschichte. Es geht letztlich um Besitz im Zusammenhang mit Gefühlen und darum, inwieweit etwa eine Ehe eine Form von Besitzgemeinschaft ist. Es ist ganz unerhört, wie der Film so kalt wirkt, beim Zuschauer aber induktiv große Gefühle erweckt. Wir sehen viel gesellschaftliche Konventionen, Fesseln, niemand schreit seine Gefühle heraus. Aber wir erfahren durch Ophüls’ Präzision in der Bildsprache genau, was die Figuren fühlen – und über diesen Gegensatz erfährt man die Gefühle noch einmal stärker.

Das ist vielleicht eine steile These – aber findet sich diese Dreieckskonstruktion und die Frage nach Besitz so auch in Ihrem Film „Unter dir die Stadt“ wieder?

Nicht im entferntesten bewusst, aber man hat ja immer tolle Filme im Kopf und denkt daran, wie filmische Meister bestimmte Dinge gelöst haben. Aber die reine Konstellation des Films, die hat ja auch Ophüls nicht erfunden, die ist ja immer schon da gewesen. Kritiker haben ihm ja oft vorgeworfen, Ophüls hielte sich mit Äußerlichkeiten auf, alles gehe nur darum, dass das Dekor schön ist, ich finde diesen Vorwurf aber völlig verfehlt. Es gibt kaum andere Regisseure, die so sehr wissen, was sie eigentlich erzählen. Ophüls’ formale Meisterschaft kann einen blenden, aber dahinter steht eine Lebensweisheit. Er war jemand, der die Menschen kennt und ihnen nichts vergibt – aber er war dennoch nicht bitter. Ophüls war einer der großen Menschenkenner des Kinos, einer der größten deutschen Regisseure, zusammen mit Lubitsch, Murnau, Lang. Viel mehr als die Filme dieser Vier braucht man nicht.

Sie wollen eine Brücke schlagen von Ophüls zum jungen Publikum. Haben Sie das Gefühl, er ist bei dem vergessen?

Ja, schon. Ich glaube, dass die meisten jungen Leute keine Ahnung haben, wer der Namensgeber des Festivals ist und welche Filme der gemacht hat. Das ist nur noch so ein Hörensagen. Seine Filme sind in Deutschland relativ selten zu sehen. Das hat auch mit seiner verflixt zersplitterten Karriere zu tun, mit der Flucht aus dem „Dritten Reich“. Es gibt ja kaum jemanden, der in so vielen unterschiedlichen Systemen Filme gemacht hat. Als Schauspieler hat er in Deutschland begonnen, dann hat er Theater- und Radioregie gemacht, kam darüber zum Film und musste nach seinen ersten vier Filmen schon wieder gehen. Dann hat er in Holland, Frankreich und Italien gearbeitet, ist nach Hollywood, wo er lange nicht Fuß gefasst hat. Dort hat er einige seiner besten Filme gedreht, kam wieder zurück nach Frankreich, am Ende auch wieder nach Deutschland – wobei der Flop von „Lola Montez“ seine Karriere eigentlich beendet hat. Dann ist er früh gestorben. Eine verrückte Karriere voller Hindernisse. Seinen Filmen sind die Widrigkeiten nicht anzusehen. Sie trotzen der Schwerkraft sozusagen.

Ist Ophüls’ Nachruhm in Frankreich größer?

In jedem Fall. Das liegt natürlich auch daran, dass er viele seiner Meisterwerke in Frankreich gedreht hat, mit französischen Stars wie Danielle Darrieux oder Charles Boyer. Die Franzosen verehren ihn als einen der Ihren. Er ist da schon angekommen, auch wenn er durchaus Sehnsucht nach der deutschen Sprache hatte und nach dem Krieg in Deutschland auch an Projekten gearbeitet hat, aus denen dann aber leider keine Filme wurden. „Berta Garlan” zum Beispiel, eine Schnitzler-Bearbeitung, die er dann „nur” als Hörspiel verwirklichen konnte.

Werden Sie Marcel Ophüls beim Festival treffen?Ich hoffe es sehr, vielleicht wird es ein Gespräch geben, das würde ich gerne machen, ich bin ein Verehrer seiner Filme. Er ist auch so jemand, der zwischen Kulturen hin- und hergerissen wurde. Zwangsläufig gewissermaßen, als Ophüls’ Sohn. Das ist an Bitterkeit kaum zu übertreffen, wenn man etwa an seinen Film „Das Haus nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege“ denkt, der in Frankreich zunächst verboten wurde und wirklich sehr lange nicht gezeigt wurde. Das ist schon ein schwieriger Weg gewesen.

Sie nehmen regelmäßig an Filmdiskussionen teil, schreiben über Film, auch in der Zeitschrift „Revolver“, die Sie mitherausgeben – wie wichtig ist Ihnen diese Sekundärbeschäftigung mit Film?

Sehr. Als wir die Zeitschrift „Revolver“ gegründet haben, vor 19 Jahren, waren wir alle noch Studenten. Da hatten wir das Gefühl, wir müssten das eigene Lernen irgendwie selbst organisieren. Die Neugier darauf, wie das andere machen, wie andere mit den gleichen Problemen umgehen, ist bis heute geblieben. Ich glaube auch, dass es dafür ein Publikum gibt, eine cinephile Szene, die hungrig ist nach solchen Formaten.

Sind das eher junge Leute?

Nicht nur. Zu unseren Veranstaltungen in Berlin kommen Leute so zwischen 20 und 50 Jahren, das ist gut durchgemischt.

Was bedeutet der Erfolg von „Toni Erdmann“ insgesamt für deutsche Filmemacher wie Sie, die man nicht dem Kommerz zurechnet?

Ich habe keine Ahnung. Ich finde, man sollte die Filme in Schutz nehmen vor solchen Erwartungen. Mich freut ihr Erfolg. Maren Ade hat nicht ahnen können, dass der Film ein so überwältigendes Echo finden würde. Und ob wir, alle anderen sozusagen, davon etwas haben werden – das ist wirklich zweitrangig. Diese Heilserwartungen an den deutschen Film sind etwas lästig. Es ist einfach ein Film – und im Übrigen muss der deutsche Film auch nicht gerettet werden.

Wenn einem Film der zehnte, der elfte Preis verliehen wird, kann das einen Film ja auch erschlagen, oder?

Hypes sind zwiespältig. Man hat natürlich etwas von ihnen – „Toni Erdmann“ hätte sonst nicht diese enormen Zuschauerzahlen. Eine Drei-Stunden-Dramödie, die in Rumänien spielt – der Erfolg war ja wirklich unwahrscheinlich. Aber manchmal verstellen sie eben auch den Blick.

In Ihrem Blog nennen Sie Dirk Bogarde einen der besten Schauspieler des 20. Jahrhunderts. Was schätzen Sie so an ihm?

Das ist ein Schauspieler, den Ophüls gut hätte gebrauchen können. Er hätte gut zu ihm gepasst. Ich mag das generell sehr, wenn es da ein Spiel im Spiel gibt: Ich bin ein Skeptiker des Naturalistischen und habe bei Bogarde das Gefühl, dass man bei ihm immer zwei Schichten hat: ein extrem virtuoses Außen, aber es wird immer auch klar, dass das nicht alles ist –– da bleibt ein Geheimnis, gleichzeitig wird nicht verschwiegen, dass das gemacht ist. Es gibt nicht, sozusagen, die Prätention des Prätentionslosen.

Sie erwähnen in dem Zusammenhang auch James Mason.

Ja, mit dem hat Ophüls den wunderbaren Film „Gefangen“ gedreht. Ich mag die Schauspieler vor dieser „Method“-Revolution am liebsten, da hat das Spiel noch stärker etwas Allegorisches. Anton Wohlbrück etwa im „Reigen“ hat so etwas Künstliches, was eine Innerlichkeit aber nicht ausschließt, das ist großartig. Ähnlich wie Vittorio De Sica in „Madame De…“ – das ist kein psychologisches Spiel, wo alles in irgendwelche Backstorys aufgeht, es ist viel komplexer als das. „Method“ mit Brando und Co. hat viel Schaden angerichtet, auch wenn es da tolle Schauspieler gibt. Aber es fehlt dieses archaische Moment. Andererseits: Brando ist eine Naturgewalt – und für die Folgen seiner Kunst darf man ihn nicht verantwortlich machen.

Christoph Hochhäuslers Notizbuch:
http://parallelfilm.blogspot.de/

 

Ophüls: Rezensionen zu „Jetzt. Nicht“, „Einmal bitte alles“, „Der Körper der Astronauten“ und „Marija“

 

Ophüls Godehard Giese

„Jetzt.Nicht“ von Julia Keller

Es ist die klassische Frage: „Warum ich?“. Marketing-Mensch Walter ist gekündigt, er wird nicht mehr gebraucht, nur der nachtschwarze Dienstwagen, sein Ganzkörperpanzer, bleibt ihm noch ein paar Tage. Was tun? Die „Kündigung als Chance sehen“, wie seine Frau empfiehlt? In „Jetzt. Nicht“ nimmt uns Julia Keller (auch Co-Drehbuch und Schnitt) mit auf eine innere Bildungsreise, deren Ende in der Schwebe bleibt. Godehard Giese spielt diesen Walter, ist in jeder Szene zu sehen, das nervöse Herz dieses exzellenten Films: Wie seine Figur Smalltalk-Fassaden errichtet („Du weißt ja, schlechten Menschen geht es immer gut“ oder auch „Ja – awesome!“), wie nach einer Besprechung seine siegessichere Mimik absackt und er sich erstmal am Kopierer abstützen muss – das ist präzises, intensives Schauspiel. Da sind selbst Szenen, in denen Walter stumm aus dem Auto blickt oder durch die Nacht kurvt, packend.
Walters Reise, führt ihn gar zu einem Vorstellungsgespräch – letzteres mit einem konstruierten Drehbuchkniff, den man aber gerne hinnimmt. Janis Mazuchs Kamera kleidet die Geschichte in herbstliche Erd- und Metallfarben, kühle und strenge Architektur dominiert. Und nebenbei zeichnet der Film, in berührenden Szenen mit Giese und Loretta Pflaum als seiner Frau, das Bild einer guten, intimen Ehe.

Donnerstag 10 Uhr: CS 5 und 17.30 Uhr. CS 8; Freitag 22.15 Uhr: FH; Sonntag 13.15: CS 4.

 

 

„Einmal bitte alles“ von Helena Hufnagel

So, wie Godegard Giese im Zentrum von „Jetzt.Nicht“ steht, tut dies Luise Heyer in „Einmal bitte alles“ – und verteidigt den Film mit aller Kunst gegen die Klischee-Knüppel, die ihm das Drehbuch zwischen die Beine wirft. Heyer spielt Isi, eine glücklose Illustratorin und ewige Praktikantin. Ein Fels in der Brandung der Verlags-Absagen ist Freundin Lotte. Doch ihre WG-Gemeinschaft gerät aus der Balance, als ein schöner Italiener nicht nur das Klo repariert, sondern auch Lottes Herz erobert. Da darf man schon mal in die linke Leinwandecke schauen, ob da nicht ein Sat.1-Logo prangt.
Isi flüchtet in eine halb schimmelige WG und werkelt weiter an ihrem Traum. Flott gemacht ist das, mit bunten, oft sonnengefluteten Bildern, vor allem, wenn Isi durch München radelt, was sie oft tut. Das Drehbuch aber trägt dick auf und wirkt manchmal so, als unterschätze es sein Publikum. Das ist die Schwäche des Films – doch Regie und die famose Luise Heyer halten dagegen.

Donnerstag 14 Uhr: CS 1; Freitag 12.15: CS 5, 17.30 Uhr: FH; Sonntag 12.30 Uhr, CS 1.

 

 

„Die Körper der Astronauten“ von Alisa Berger

Vom großen Schweben, Auseinanderdriften, auch Flüchten erzählt „Die Körper der Astronauten“ von Alisa Berger. Eine Familie in der Auflösung ist thematisch nichts Neues bei Ophüls. Aber Berger (auch Buch und Schnitt) erzählt das berührend und mit einer Bildsprache im weiten Feld zwischen ungeschönt und entrückt. Der Vater (Lars Rudolph) säuft, erzählt die üblichen Alkoholiker-Lügen, seine Kinder Linda und Anton üben, mit Abi in der Tache, den Absprung – sie im Nachtleben, er bei einer Bettruhe-Langzeitstudie, die die Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf Astronautenkörper testet. Doch die kleine Schwester ist zu jung, um zu fliehen – sie ist dem mal liebevollen, mal tyrannischen Vater ausgeliefert. Derweil driftet Anton in Raumfahrerfantasien durchs imaginäre All, der Erde entgegen und seinem Verglühen. Der Film wirft Schlaglichter auf seine Figuren, strebt dabei keiner dramaturgisch konventionellen Konfliktlösung entgegen, sondern findet eigenwillige Bilder für die Mitglieder dieser Familie – ob im erträumten All, in der eisig-sterilen Versuchsklinik oder im Schlafzimmer des Vaters, der sich mal wieder eingenässt hat – als er deswegen zum Teppichreiniger greift, wirft sich dessen Schaum zu kleinen Landschaften auf. Ein eigenwilliger, sehenswerter Film.

 Donnerstag 15 Uhr: CS 5; Fr, 20 Uhr: CS 8; Samstag 10.30 Uhr: CS 4; Sonntag 15.30: CS 2.

 

 

„Marija“ von Michael Koch

Die Leinwand ist noch schwarz, da hört man schon ihren schnellen Schritt auf dem Asphalt. Sehr oft wird man die Ukrainerin in „Marija“ hasten sehen, die Kamera im Rücken, immer vorwärts – ob nun auf dem Weg in ihre ranzige Wohnung oder quer durch ein Hotel, um sich bei einer Putzkollegin zu rächen, die sie beim Stehlen verraten hat. Die junge Frau träumt von einem Frisiersalon, doch der Weg dahin ist schwierig: Als sie ihre Miete nicht zahlen kann, unterwirft sie sich dem Vermieter – der Anfang eines relativen Aufstiegs in der Kleinkriminalität. Sie drängt alle Gefühle zurück, will funktionieren.
Das hätte ein Sozialrührstück werden können, doch Michael Kochs Film (Drehbuch: Koch und Juliane Großheim) ist differenziert: Marija ist ein Opfer ihrer Situation, aber mittlerweile auch so zielgerichtet, dass man sich vor ihr hüten muss. „Bei dir kommt keine ungestraft davon, das mag ich“, sagt der kriminelle Georg (famos: Georg Friedrich als sensibler Windhund), der die Wahrheit dieses Satzes noch schmerzhaft spüren wird. Margarita Breitkreiz ist in jeder Szene zu sehen (was den Film mit „Nicht.Jetzt“ und „Einmal bitte Alles“ verbindet) und bietet eine vielschichtige Darstellung. Mitgefühl hat man mit Marija, möchte ihr aber nicht zu nahe kommen, auch wenn man weiß, warum sie so ist, wie sie ist.

Donnerstag 15 Uhr, FH; Freitag 19.30 Uhr, CS1; Samstag 22.15 Uhr: CS 2; Sonntag 14 Uhr: CS 3.

„Volt“ von Tarek Ehlail mit Benno Fürmann

Volt Tarek Ehlail

Nach „Chaostage“ (2007) und „Gegengerade“ (2011) legt der Homburger (und Hamburger)  Filmemacher Tarek Ehlail seinen dritten Spielfilm vor: „Volt“. Er läuft in der Reihe von Filmen, die die Saarland Medien gefördert haben, und erzählt von einem Deutschland, das Flüchtlinge in Transitzonen sperrt und von der Polizei bewachen lässt, um – kurz gesagt – seine Ruhe zu haben.

Nein, ein Flüchtlingsdrama wollte er nicht machen, sagt Tarek Ehlail. Sondern eine etwas in die Zukunft gedachte Welt zeigen, „in der sich die Zustände weiter verhärtet haben“. Sein Film „Volt“ erzählt von einem Deutschland, das Flüchtlinge in Transitzonen sammelt, sie mittels Polizei abschottet und, sagt Ehlail, „versucht, in ‚gated communities’ das normale Leben zu konservieren“. Titelfigur Volt (Benno Fürmann) ist ein Polizist, der bei einem nächtlichen Einsatz einen Flüchtling tötet – unerkannt. Interne Ermittlungen laufen an, während den scheinbar abgestumpften Polizisten die Schuldgefühle quälen.
Ehlail hat auch das Drehbuch geschrieben, unter anderem inspiriert von den alten (mittlerweile abgerissenen) Grenzstationen an der Goldenen Bremm in Saarbrücken und der Idee, wie es wäre, „wenn wieder überall kontrolliert wird und wir von dem offenen Europa wieder wegkommen“. Ein Polit-Drama ist „Volt“ aber nicht geworden, Ehlail geht es weniger um Differenzierung denn um Reduzierung: Den Plot und die Dialoge köchelt er ein, zeigt bewusst nur die Welt in der Transitzone und die Existenz der Polizisten, „die den Kopf hinhalten und dafür ihre Gartenparzelle bekommen“. Diese Reduzierung hat ihre Risiken – die Figuren sind eher Chiffren denn Personen aus Fleisch und Blut – aber „Volt“ erschafft gekonnt eine Welt der harten, angeschlagenen Mannsbilder, die nachts mit dem Motorrad an Fabriklandschaften entlangbrausen, begleitet von einem druckvollen Electro-Soundtrack (von Alec Empire). Da zeigt Ehlail viel Gespür für Stimmung und Action, das Ganze besitzt eine schnörkellose B-Film-Ruppigkeit im besten Sinn. Im Vergleich zu seinen Filmen „Chaostage“ (2007) und „Gegengerade“ (2011) wirkt „Volt“ geschlossener, konzentrierter und ist Tarek Ehlails bisher gelungenster Film.

 

Interview mit Produzent Peter Rommel

Peter Rommel

Peter Rommel. Foto:, MOP

Der Produzent Peter Rommel (61) ist 2017 Ehrenpreisträger des Ophüls-Festivals und zeigt auch einige Filme.  Bekannt ist er vor allem für die Filme von Andreas Dresen und gilt in der Branche als einer, der sich von sperrigen Stoffen nicht abschrecken lässt. Er war immer wieder mit Filmen beim Festival vertreten und produzierte viele eigenwillige Debüts, etwa „Storno“ von Elke Weber-Moore oder „Sehnsucht“ von Valeska Griesebach. Ein Gespräch über seine Arbeit.

 

Sind Sie manchmal überrascht, dass Sie als unabhängiger Produzent so lange überlebt haben?

Ja, ständig. Das ist meine eigentliche Leistung. Nicht die Filme selbst, sondern 25 Jahre Überleben mit freien Spielfilmen und Dokumentationen, ohne Fernsehproduktionen.

Der Begriff Produzent ist ja ein weites Feld – zwischen kreativem Co-Autor und reinem Geldbeschaffer. Ist Ihre Rolle vor allem im Kreativen?

Nein, das ist eher eine Mischform. Ein Produzent kann ohne die Autorenschaft eines Regisseurs oder des ganzen Teams keinen Film herstellen. Und die Kreativen brauchen einen vertrauenswürdigen Spielpartner – es ist ein bisschen wie beim Fußball. Man bildet eine starke Achse, mit der man ein Spiel bestimmen kann.

Ist es über die Jahre schwieriger geworden, Filmprojekte auf den Weg zu bringen? Hat sich die Filmlandschaft in dieser Hinsicht verändert?

Die Möglichkeiten, Filme herzustellen, sind, auch durch die Digitalisierung, größer geworden. Gleichzeitig haben Aufmerksamkeit und Bedeutsamkeit über die Jahre mehr und mehr nachgelassen.

Liegt das an einem Überangebot von Filmen?

Das hat verschiedene Ursachen. Einmal die Verbreiterung des Freizeitangebotes allgemein, und auch in der Studentenschaft hat sich etwas getan: Die geht gar nicht mehr so gern ins Kino, sondern schaut lieber TV-Serien. Und die ganz Jungen bedienen sich übers Internet und haben so gut wie keinen Bezug mehr zum Kino. Als ich blutjung war, war das Kino ja eine Art Sozialisationsstation, mit „Godzilla“ und den „Winnetou“-Filmen. Und in den 70zigern und frühen 80zigern war es eine lebensinspirender Zufluchtsort aller Schichten. Das ist es heute nicht mehr. Heute wird es eher als ein Zerstreuungsort für die Masse genutzt.

Wie muss das Kino darauf reagieren?

Es hätte schon längt reagieren müssen. Man hätte viel früher, wie das in Frankreich ja schon immer geschieht, den kulturellen Wert des Kinos stärker betonen müssen – etwa in der schulischen Bildung. In Frankreich nimmt man das Kino genauso ernst wie die klassische Musik, Kunst, Literatur, Theater und Oper. In Deutschland galt das Kino immer als Unterhaltungs- und Ablenkungsort. Wir haben das Kino nicht so fundamental in unsere Kultur integriert, wie es hätte sein sollen.

Woran ist das gescheitert?

Das Kino bei uns wurde nach dem Krieg maßgeblich von den Amerikanern bestimmt, deswegen sind auch heute 90 Prozent der Leinwände vom US-Kino besetzt. Die zehn Prozent Rest, das europäische und das deutsche Kino, haben es natürlich dann schwer, kommerziell erfolgreich und in der Breite gut aufgestellt zu sein. Wenn TTIP gekommen wäre oder noch kommt, dann würden die amerikanischen Medientransportunternehmen wie zB Amazon, Netflix, Apple und vielleicht auch noch die Studios in Hollywood alle Leinwände und Vertriebswege vollends übernehmen und alle Formate der Medienverbreitung konkurrenzlos abdecken. Denn dann würden diese Unternehmen schlicht gegen Wettbewerbsverzerrung in Europa klagen, also gegen unsere staatlich subventioniere Förderung von Medien bis hin zum ollen Kinofilm. Es geht bei allem ausschliesslich um den freien Zugang zum Markt und letztlich um Wettbewerbsverdrängung.

Tut die Filmförderung da zuwenig für das heimische Kino?

Sie tut eigentlich genug, wenngleich die Werkzeuge nicht mehr richtig greifen. 50 Prozent der Filme, die bei uns laufen, müssten doch einfach aus Europa kommen, die Hälfte davon vielleicht auch aus Deutschland, aber als Kinofilm definiert und nicht als aufgeblasenes Fernsehspiel als Zwitter erzeugt – so wie die Franzosen das für ihr Kino mal festgeschrieben haben. Diesen Schritt hat Deutschland leider nicht gemacht, wohl unter dem Eindruck des gut ausgestatteten und bislang funktionierenden öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Aber auch der in Abhängigkeit und endlosen Dankbarkeit zur großen deutsch-amerikanischen Freundschaft für die Kaugummis, die damals nach dem Krieg abgeworfen wurden. Standortpolitik eben.

Muss ein deutscher Film wie „Vier gegen die Bank“, besetzt mit den größten Stars Deutschlands, verliehen vom Hollywood-Major Warner Brothers, 600 000 Euro deutsche Filmförderung bekommen?

Ich finde das in der Tat eher unangebracht und fast gar geschmacklos, denn ich glaube schon, dass gerade die Majors doch mächtig genug sind, rein kommerziell orientierte Filme aus eigener Kraft herzustellen und auf die grosse Leinwand zu bringen. Aber die Politik fordert natürlich Beweise erfolgreicher Förderpolitik. Und wo sieht man die Erfolge? In den Medien, wo solche großen Filme, die den Markt beherrschen, auch wahrgenommen werden. Die Förderer betreiben da manchmal eine fadenscheinige Mitfahrpolitik bei Projekten, die es eigentlich nicht nötig haben. Bei einem kommerziellen Erfolg möchte ja sollte man unbedingt dabei sein. Lieber da als bei einem kleinen Film, der vielleicht auf den Festivals in Cannes oder in Venedig zwar für grosses Aufsehen erregt, aber am Markt naturgemäß kein großes Publikum finden kann, weil das die Programmschienen im Kino dicht sind und das Publikum über die Sehgewohnheiten des  Fernsehens schon völlig entwöhnt worden sind.

Macht da nicht der auch kommerzielle Erfolg von „Toni Erdmann“ etwas Hoffnung?

Solche Ausnahmen und Beispiele von tollen, zeitgemäßen und international erfolgreichen deutschen Filmen hat es immer mal wieder gegeben – aber grundsätzlich hat dies bisher nichts in der Breite verändert. „Toni Erdmann“ könnte dieses Bewusstsein vielleicht erneut befruchten. Zumal die Politik von Kulturstaatsministerin Grütters ja dahin geht, verstärkt den qualitativ hochwertigen, unabhängigen Film mehr zu fördern, eben übers das Ministerium für Kultur und Medien (BKM). Das ist ein erstes deutliches Signal und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Sie haben auch als Dozent gearbeitet – wie hat sich der Filmnachwuchs über die Jahre verändert?

Ich habe ja in den 70er Jahren angefangen in einer Zeit, in der es bei aller Konkurrenz viel Austausch gab. Mitte der 80er Jahre hat sich eine Art Ego-Kultur herausgearbeitet, die sicher auch mit der sogenannten Kohl-Ära zu tun hat. Und die hat sich sukzessive in die Filmhochschulen eingeschlichen. Im Moment ist es ein ziemlich verbissener Kampf um die Plätze, die es da gibt zu erobern gilt – einen Sender und die Förderer für Einen zu gewinnen. Es ist bald wie bei ner Olympiade – und alle dopen sich mitzuhalten. Ich hatte echt noch das Glück, ohne diesen auferlegten Erfolgsdruck früh Partner und Freunde zu finden, mit denen ich seit langem intensiv zusammenarbeite.

Vor allem Andreas Dresen?

Ja, das ist ein Geschenk des Lebens. Ich hatte ihn über seine Studentenfilme kennen gelernt, da hatte ich noch gar keine Produktionsgesellschaft. Später habe ich ihn dann gefragt, ob wir nicht mal einen Film zusammen herstellen wollen – das war dann „Nachtgestalten“. Dass diese Verbindung aus Ost und West sowohl auf inhaltlicher wie persönlich, zutiefst menschlicher Ebene über all die Jahre gehalten hat, ist in dieser schrägen Branche wohl einmalig.

Sie waren oft beim Saarbrücker Ophüls-Festival – hat es sich für Sie über die Jahre verändert?

Was immer gleich geblieben ist, ist das große Herz des Festivals – von den Machern wie von den Saarbrückern. Die unterschiedlichen Leiter haben dem Festival ihren Stempel aufgedrückt, aber das hat dieses gesunde Fundament zum Glück nie verändert, nie beschädigt. Und Eines hat sich über die Jahre auch nie verändert – das Lokal „Woll“ in Spicheren. Da sind wir immer mit größter Leidenschaft hin und ‚wollig‘ betrunken wieder zurück ins Kino gebraust– das war schon geil.

Manche Kritiker sagen, es gäbe mittlerweile zu viele Filmfestivals in Deutschland. Würden Sie da zustimmen?

Das kann man schon so sehen. Andererseits sind die Festivals bitter nötig, weil die Kinoverwertung so beschränkt ist und weil es so viele, auch wirklich gute Filme gibt. Die meisten Filme, die man auf Festivals sehen kann, sieht man später ja nie wieder, es sei denn, auf youtube. Ein Dokumentarfilm wird heute von einem Kinobesitzer in Deutschland nicht mehr um 20.15 Uhr gespielt oder gar auf allen Schienen, sondern bestenfalls um 17 Uhr. Das war früher anders. Bei dieser Stückelung, die der Kinobesitzer wohl machen muss, weil er einfach zu viele Filme angeboten bekommt, kann es keinen kommerziellen Erfolg für solche Filme geben. Ich kann mich noch erinnern, dass wenn etwa ein neuer Film von Aki Kaurismäki oder Jarmusch im Kino anlief, dass er auf allen Schienen einfach durchgespielt wurde, vier, fünf Wochen lang. Das gibt es heute kaum mehr im fetten Spielplan der Kinobesitzer. Und das Publikum kommt nicht mehr hinterher, bei all der ‚Vielfalt‘.

Manche Arthouse-Kinobetreiber sagen ja selbst, dass es zu viele Filme gibt und dass es das Publikum es zunehmen leichter liebt.

Die Kinogänger sind weniger neugierig als früher. Das liegt vielleicht an der Weltlage – das Publikum ist unsicher und verängstigt, was ich gut nachvollziehen kann. Dann wollen sich die Menschen in ihrer Freizeit nicht mit noch schwereren, noch komplexeren Themen beschäftigen. Sondern sie suchen die Zertreuung, die Unterhaltung. Der Erfolg eines Films wie etwa „La La Land“ zeigt auch, wie groß letztlich die Sehnsucht nach famoser Unterhaltung in der Welt ist. Ich freue mich sehr über den spirit und den Erfolg des Films – wenn Unterhaltung, dann bitte inspiriende!

 

Ophüls: Oscarnominierung für „La femme et le TGV“

Timo von Gunten Jane Birkin

Timo von Gunten im Saarbrücker Cinestar. Foto: tok

Luftsprünge und Jubel am Dienstag gegen halb 3 im Cinestar beim Filmfestival Max Ophüls Preis: Gerade hat der Züricher Regisseur Timo von Gunten erfahren, dass sein Film „La femme et le TGV“, der bei Ophüls im Mittellangen Wettbewerb läuft, für den Kurzfilm-Oscar nominiert ist.

Wer den Film mit Jane Birkin als einsame Konditorin sehen will: Er läuft am Donnerstag um 17.30 Uhr im Kino Achteinhalb, am Freitag um 20 Uhr im Cinestar 4 und am Samstag um 17.45 Uhr in der Camera Zwo.

In aller Kürze: So war die Ophüls-Eröffnung

Max Ophüls

 

Am Ende konnte man durchaus feuchte Augen bekommen. Nicht einmal aus Dankbarkeit dafür, dass die Eröffnung ohne staatstragende Polit-Reden auskam, und das sogar in Wahlkampfzeiten; sondern aus Rührung ob der Rede von Produzent und Ehrenpreisträger Peter Rommel, der am Ende seinen drei Kindern dankte: „Ich lieb Euch so sehr.“ Seine Mutter hatte der 61-Jährige gleich mitgebracht; die habe ihm immer die Zuversicht gegeben, dass aus ihm mal etwas werde, „trotz Notenschnitt 3,8 bei der Mittleren Reife“. Da war auch Rommels geografischer Fauxpas vergessen, mit dem er aus der Landeshauptstadt gleich „das Land Saarbrücken“ machte. So klein ist das Saarland dann doch nicht.

Rommels Rede war das schöne Finale der zügigen, von Tania Carlin moderierten Eröffnung gestern Abend im großen und proppenvollen Saal 11 des Cinestar. Svenja Böttger, die neue Leiterin des Festivals, zeigte den neuen Preis mit einer Kugel im klassischen Ophüls-Blau, umrundet von herzförmigem Stahl. Der neue Festivaltrailer, jazzig und mit Retro-Aroma ist sehr gelungen.

Und von Jurymitglied Andrea Sawatzki erfuhr man, was ein Festival und die Juryarbeit mitunter so angenehm macht, gerade wenn man Familie hat: „Man hat endlich mal die Freiheit, in Ruhe vier Filme am Stück zu sehen.“

Interview mit Ophüls-Leiterin Svenja Böttger

Svenja Böttger

Am Montag beginnt das 38. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. Es ist das erste für die neue Leiterin Svenja Böttger. Ein Interview vorab.

 

Wie geht es Ihren Nerven vor dem ersten Festival?

Die Nerven sind in Ordnung, aber ich bin froh, dass es jetzt losgeht.

Wenn man als neue Festivalleiterin zu wenig ändert, kann der Eindruck entstehen, man habe zu wenig Ideen. Ändert man zu viel, verschreckt man eventuell das Stammpublikum. Hatten Sie die Angst, nicht das richtige Maß zu finden?

Diese Angst sitzt einem natürlich immer im Nacken. Aber wir haben uns als Team Zeit und Ruhe genommen, uns alles anzuschauen, über das Festival zu reden, sein Fundament und die Eckpfeiler.

Was ist das Fundament?

Der Wettbewerb. Und der ist gut, so wie er ist. Aber über einige Änderungen abseits des Wettbwerbs freuen sich schon viele Filmemacher – etwa dass wir jetzt einen Animationsblock in der MOP-Shortlist haben und dass wir dort auch Kurzdokumentarfilme zeigen. Ob das Ganze Erfolg hat, kann man aber erst nach dem Festival beurteilen.

Trotz der Unruhe des vergangenen Jahres sind die Sponsoren dem Festival treu geblieben, wonach es erst einmal nicht ausgesehen hat.

Wir haben uns in Ruhe kennengelernt, es waren gute, herzliche Gespräche, da gibt es gegenseitiges Vertrauen.

Schätzen Sponsoren vor allem die medial gut zu nutzenden Glamour-Momente mit Rotem Teppich und Stars?

Nein, das halte ich für ein Klischee. Wir haben sehr viele Unterstützer, die sehr filmaffin sind, sehr aufmerksam der Sache gegenüber. Die schauen sich die Ophüls-Filme auch wirklich an.

Gibt es im Spielfilmwettbewerb einen Trend?

Die großen Themen – Erwachsenwerden, den Platz in der Gesellschaft finden, Flucht und Migration – sind verpackt in kleinere, persönliche Geschichten. Das ist ein neuer Ansatz. Auffallend sind auch viele Elternthemen, viele Eltern-Kind-Konstellationen in den Filmen.

In diesem Jahr sind auch mehr Filme von Regisseurinnen zu sehen als sonst.

Das Angebot war dankenswerterweise groß. Es tut den Geschichten gut, dass sie mal aus dieser Sicht erzählt werden. In diesem Jahr hat sich da viel verändert.

Sie haben also bei der Auswahl nicht darauf geachtet, eine Art Frauenquote zu erfüllen?

Überhaupt nicht. Wir fanden das Angebot gut und können mit den Produktionen zeigen, dass sich da in der Filmlandschaft etwas ändert. In den Filmhochschulen werden mehr Frauen als Männer ausgebildet – lange Zeit stammten die Debütfilme, die zweiten und dritten Filme aber eher von Männern. Das ändert sich langsam, und wir sind froh, das abbilden zu können.

Der Festivalclub „Lolas Bistro“ ist diesmal im alten C&A-Gebäude, das sieben Jahre lang leer stand. Wie kamen Sie darauf?

Wir haben uns generell viele Event-Orte angeschaut. Der Charme des E-Werks ist für die Preisverleihung genau passend. Bei der Suche nach „Lolas Bistro“ wurde uns klar, dass es in Saarbrücken nicht viele Orte gibt, die unsere Anforderungen erfüllen: Raum für Gespräche, Platz für viele Leute, zentrale Lage in der Stadt. Das C&A fanden wir auf Anhieb toll.

Ist der Ort auch für nächstes Jahr geplant?

Dazu ist es viel zu früh. Das Publikum muss den Ort ja erst einmal annehmen. Und vielleicht tut sich mit dem Haus ja etwas, so dass wir es 2018 nicht mehr nutzen können.

Das Gloria als Ort kam 2016 nicht bei allen gut an.

Ja, aber diesem Ort muss man eine Chance geben. Dort geschieht gerade einiges, die alten Separees werden abgerissen, und der alte Kinoboden ist zum Teil wieder hergestellt, was sehr schön ist.

Das Festival vergibt 15 Preise, dotiert insgesamt mit über 100 000 Euro. Sinn das nicht zu viele Preise?

Nein – wir haben vier Wettbewerbe, für die es jeweils mindestens zwei Preise gibt. Im Spielfilmwettbewerb muss man in jedem Fall die Regie auszeichnen, den besten Film sowieso. Dass man Nachwuchsdarsteller mit einem Preis in den Fokus stellt, ist selbstverständlich. Das man mit dem Preis der Jugendjury schaut, was den jungen Zuschauern gefällt, auch. Jeder Preis hat seine Daseinsberechtigung für das, was wir hier tun – Nachwuchs präsentieren und Talente auszeichnen.

Was machen sie am Montag nach Ihrem ersten Festival?

Der Montag ist unser Abbau-Kampftag. Am Dienstag machen wir ein Frühstück mit dem ganzen Team, dann schlafen wir alle mal aus. Ein paar Tage später geht es zur Berlinale, wo der Ophüls-Gewinnerfilm laufen wird. Und im Februar bekommen wir schon die erste Filmeinreichung für 2018.

 

Ophüls: „Konstruktion“ von Helena Lucas im Mittellangen Wettbewerb

Helena Lucas

Beim Ophüls-Festival läuft als Uraufführung  im Wettbewerb des Mittellangen Films „Konstruktion“ – ein sehenswerter Film über ein Paar, das langsam auseinanderdriftet, bis es eine – digitale – Lösung gibt. Ein origineller Film, der drohende Klischees umgeht und seine Figuren nicht vorschnell bewertet. Helena Lucas (25) hat den Film inszeniert – ein Gespräch dazu vorab.

Gut läuft es nicht bei Leon und Jennifer. Der Architekt arbeitet Tag und Nacht an einem Großentwurf, sie designt eher im Kleinen ein Sofa aus Gras. Er sagt beim Skizzieren einer „gated community“ dass er „Verantwortung übernimmt“ und „das alles doch nur für uns“ macht. Sie sagt, „ich verkaufe nicht meine Seele, indem ich Zäune baue“. Die Distanz wächst, Leon versinkt immer öfter (und tiefer) in seinen raumgreifenden 3D-Entwürfen aus dem Rechner, bis ihm aus denen etwas Wunderbares erwächst – eine digitale Kopie von Jennifer (für die reale Jennifer unsichtbar), aber etwas  verständnisvoller, etwas mütterlicher – statt Protesten gibt es für ihn ein Pflaster. Aber wie soll das gutgehen, ist die reale Jennifer doch auch noch da?

Diese Geschichte erzählt „Konstruktion“ von Helena Lucas, zu sehen im Mittellangen Wettbewerb. Ihr halbstündiger Film weicht drohenden Klischees aus, erweckt Verständnis für beide Figuren, macht die frustrierte Frau nicht zur Nervensäge, den Architekten nicht zum Opfer, der sich schließlich zu einer digitalen Männerfantasie flüchtet – es bleibt ambivalent. „Diese Ambivalenz war mir sehr wichtig“, sagt Lucas, die es im letzten Bild zu einer Art Synthese kommen lässt, denn „es muss keine Konkurrenz zwischen Technik und Mensch geben – sie können sich ergänzen“. Der Film ist die praktische Abschlussarbeit von Helena Lucas an der Internationalen Filmschule Köln. 1991 in Saarbrücken geboren, in St. Ingbert aufgewachsen, begann sie an der Saar-Uni ein Studium der Psychologie. „Ich hatte das Gefühl, dass ich das gut gebrauchen kann – egal, was ich mal werde. Mich interessiert, warum der Mensch sich so verhält wie er sich verhält. Das ist die Grundmotivation, die mich in der Wissenschaft so interessiert wie in der Kunst als Filmemacherin. Ich habe jetzt nur die Perspektive gewechselt. Ich will verstehen, wie der Mensch tickt.“

Als Lucas sich parallel an der Internationalen Filmhochschule Köln bewarb und dort angenommen wurde, brach sie das Studium ab, ohne lange zu grübeln. „Das Kreative hat mir im Wissenschaftsstudium schon gefehlt.“ In Köln war sie „ein Kuriosum, ein kompletter Quereinsteiger ohne Vorerfahrung. Das war damals die einzige der renommierten Filmschulen, die keine filmische Vorerfahrung verlangt hat. Ich hatte nie einen Film vorher gedreht.“ Das tat sie dann dort – erste Kurzfilme entstanden, die, wie Lucas erklärt, nicht immer linear von Anfang bis Ende erzählten, dabei oft ein Element des Fantastischen besaßen und mit Möglichkeiten der Realität spielten, damit, was real, was fiktiv ist.

Helena Lucas

Zur Idee von „Konstruktion“ brachte sie der Blick auf eine „Generation, die sich daran gewöhnt hat, dass man bei digitalen Daten, Fotos, Musik, Filmen, alles so verändern kann, wie man es gerne hätte. Alles steht offen, alles kann man sich so machen wie man es möchte. Aber wie gehen wir mit Menschen um, die so undigital sind, die ihre eigenen Widerstände haben, die man nicht einfach so an- und ausschalten kann? Es stellt sich die Frage, ob wir nicht die Fähigkeit verlieren, uns mit so etwas Widerständigem wie dem Menschen auseinanderzusetzen.“
Nur – war der Mensch nicht immer schon so, dass er versucht hat, sich die Welt so zu verändern, wie er will, sozusagen untertan zu machen? „Das schon“, sagt Lucas“, aber die Digitalisierung sei jetzt das Werkzeug dazu, das sie allerdings nicht verdammen will. „Aber der Mensch ist keine Technik und kann auch nicht so behandelt werden wie Technik.“ Dass Leons Freundin gar nicht merkt, dass sie ihren Freund mit einer digitalen Version ihrer selbst teilt, „ist nicht der klassische Betrug“, sagt Lucas. „Er hat ein Komplement gefunden, was ihm Rückendeckung gibt und die Schulter zum Anlehnen. Dadurch geht es ihm besser und damit auch der Beziehung.“ Ist nun moralisch oder nicht? „Darüber kann und soll man diskutieren.“

Der Film bietet einige knifflige Effekte, die Computersimulation eines Architektur-Computerprogramms und vor allem Doppelgänger-Bilder, die völlig real erscheinen. Wie macht man das bei einem Studentenfilm ohne Budget? „Es war eine Riesenherausforderung und hat viel mehr Raum eingenommen, als wir vorher gedacht hatten“, erzählt Lucas. Ein Student des Fachbereichs „Visual Arts“ – Dimitri Makrinic – stieg ins Team ein, „wir mussten viel planen, viel testen – der Schauspieler arbeitet in der Kulisse mit nichts“. Der Aufwand war groß, die Nachbearbeitung lang: ein halbes Jahr, während die Drehzeit nur zehn Tage lang dauerte – aber es hat sich sichtlich gelohnt.

 

Für „Konstruktion“ konnte Lucas bekannte Darsteller gewinnen: Jacob Matschenz, 2005 bei Ophüls als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet, und Luise Helm, nebenbei die deutsche Synchronstimme von Scarlett Johansson. Selbstverständlich ist das nicht. „Als Filmstudent kann man ja keine Gage zahlen“, sagt Lucas, „das ist für viele Darsteller natürlich unattraktiv – aber coole Schauspieler machen mit, wenn ihnen das Drehbuch gefällt oder sie mal eine Rolle spielen können, für die sie sonst nicht besetzt werden.“ Harmonisch sei die Arbeit vonstatten gegangen erzählt Lucas, mit einem besonderen Glücksmoment für die Regisseurin, als nämlich beide Darsteller Anspruch erhoben auf die Gestaltung der digital erträumten Jennifer – Helm als ihre Darstellerin, Matschenz als Darsteller, der sich die Figur erträumt. „Das war ein bisschen absurd und großartig zugleich – beide haben sich sehr reingehängt.“

Zurzeit bereitet Lucas ihr Langfilmdebüt vor, Arbeitstitel „Doppelspiel“, es wird wieder ein Blick in die Zukunft. „Ich mache ja gerne ‚Was wäre wenn’-Filme“, sagt Lucas, „die mit einer Prämisse spielen, die jetzt noch nicht ist, aber in ein paar Jahren gesellschaftlich so sein könnte.“ Um ein Schulsystem der Zukunft soll es gehen, „alle Kinder besuchen dieselbe Schule, lernen dasselbe. Am Ende gibt es kein Abitur, sondern einen Test, bei dem es nicht nur um das Wissen geht, sondern der den Menschen in seiner Gänze erfassen soll – inklusive Gesundheit, Körper, Gene.“ Dieser Test glaubt voraussagen zu können, womit der Getestete später Erfolg haben wird – und schreibt ihm deshalb die Berufswahl vor.  „Der Film beschreibt ein System, das die Leistungsgerechtigkeit erprobt: Wie funktioniert eine Gesellschaft, die weiß, was die Menschen leisten können – und sie dann darauf drängt, das auch zu leisten.“ Ist das gerecht oder nicht? „Das ist die Frage.“

Regie: Helena Lucas; Buch: Sebastian Köthe; Kamera: Björn Weber; Schnitt, Musik: Marco Heibach; Darsteller: Jacob Matschenz, Luise Helm.

Termine: „Konstruktion“ läuft am Dienstag, 22.45 Uhr, im Cinestar 3; Mittwoch 19.45 Uhr Kino Achteinhalb, Freitag 14 Uhr Cinestar 4, Sonntag 15.30 Uhr Filmhaus.

www.facebook.com/konstruktionfilm

 

Helena Lucas

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