KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Kategorie: Kino vor Ort

So soll das Saarbrücker Filmhaus wiederbelebt werden

 

„Das Team des Filmhauses bedankt sich bei allen treuen Besuchern in den letzten Jahren und wünscht dem kommunalen Filmprogramm eine lange Zukunft.“

So lapidar, fast versteckt auf Seite 11 des April-Programmhefts, liest sich das Ende des Saarbrücker kommunalen Kinos in seiner gewohnten Form. Zurzeit ist das Kino in der Mainzer Straße geschlossen, abgesehen von zwei Sonderveranstaltungen über US-Fernsehen (23. Mai und 6. Juni). Am 8. Juni soll es wieder öffnen – mit anderer Struktur und neuer Leitung. Es ist die Folge des konstanten Besucherschwunds in den vergangenen Jahren; Filmhaus-Leiter Michael Jurich, seit Februar 2010 im Amt, geriet in die Kritik: nicht wegen seines anspruchsvollen Programms, eher wegen der dürren Außenwirkung und -darstellung des Kinos. Das Filmhaus war in der Saarbrücker Kinolandschaft an den Rand geraten. Spekuliert wurde da viel: Zieht das Filmhaus in zwei Säle der Camera Zwo? Fusioniert es mit dem Kino Achteinhalb? Kommt eine Privatinitiative zum Zuge, die sich als Filmhausbetreiber angeboten hat?

 

Im Januar verkündete Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) seine Pläne, das Filmhaus a) lebendiger und b) billiger zu machen. Sein Konzept: Auflösung des personalintensiven Amts für kommunale Filmarbeit, Versetzung von Michael Jurich ins Stadtarchiv und ein Vertrag mit Michael Krane, dem Leiter des Saarbrücker Kinos Camera Zwo. Der soll sich um das Programm in dem einen verbleibenden großen Kinosaal kümmern. Christel Drawer, ehemals Leiterin des Ophüls-Festivals (1993-2002), zieht mit dem Wissenschaftsbereich des Kulturamtes, dem künftigen Filmhaus-Träger, in die Mainzer Straße und soll dort Veranstaltungen und Kooperationen organisieren.
Noch vage waren diese Pläne im Januar. Zudem stolperten sie über den Umstand, dass man die Kinoprogrammleitung hätte ausschreiben müssen. Das hat die Stadt nun nachgeholt, die Frist ist abgelaufen und Brücks Konzept konkreter; der Stadtrat wird am 23. Mai darüber abstimmen.

Michael Krane soll den Kinosaal bespielen

Zwei Bewerbungen sind laut Brück eingegangen, nur eine mit einem konkreten und in der Ausschreibung verlangten Preisangebot – von Michael Krane. Der erfahrene Kinomann soll nun laut Brücks Plan einen Dienstleistervertrag mit der Stadt unterschreiben, der ab dem 1. Juni für vier Jahre läuft. Krane ist mit eigenem Personal für den kompletten Kinobetrieb verantwortlich: Programmauswahl (Brück: „in enger Abstimmung mit dem Kulturamt“), Bestellen der Filme, Vorführung, Verwaltung, technische Wartung und Gastronomie an der Filmhaus-Theke. Dafür sichert ihm die Landeshauptstadt eine monatliche Pauschale zu. Deren Höhe hatte Lothar Schnitzler, kulturpolitischer Sprecher der Linken im Stadtrat, der dieses Konstrukt als „Privatisierung von Gewinnen“ kritisiert, bei einer Diskussion ums Filmhaus mit 7000 Euro beziffert. Nach SZ-Informationen sind es 6000 Euro. Die Einnahmen gehen ebenfalls an Krane, der im Gegenzug die Filmmieten und den Versand der Filme bezahlt, dazu für das zweimonatige Programmheft, einen wöchentlichen Flyer, Werbung und den Internet-Auftritt verantwortlich ist. Brück: „Das ist die Aufwendung wert.“

Stellenverschiebungen und Kündigungen

Sozialverträglich? So „sozialverträglich“ wie im Januar angekündigt, gerät dieser Umbau allerdings nicht: Zwar sind die Filmhaus-Festangestellten (die Amtsleiterstelle, eine ganze und zwei halbe Stellen) innerhalb der Stadtverwaltung auf andere Posten versetzt worden; aber vier „geringfügig Beschäftigten“, die von den Plänen im Januar, wie man hört, sehr überrascht waren, wurde zum 1. Mai gekündigt.

Einsparungen: Durch die Stellenverschiebung – und die Kündigungen – reduzieren sich die Personalkosten im Filmhaus laut Stadt um jährlich 160 000 Euro. Hinzu kommen 20 000 Euro, die durch die Neuorganisation, etwa durch Kranes Verantwortung für Technik, Wartung und Werbung, aus dem „Sach-Etat“ gespart werden.

Blamabel: Die lange angestrebte Barrierefreiheit kommt 2017 nicht mehr. Geplant ist laut Brück der Umbau des Lastenaufzugs im Treppenhaus zu einem Personenaufzug; für die Finanzierung aber sei „ein dickes Brett zu bohren“. Denn eine frühere Studie, nach der der Umbau 60 000 Euro koste, habe sich als allzu optimistisch erwiesen – er koste das Vielfache, „das können wir alleine nicht stemmen“. Die Stadt müht sich um Fördergelder, 2018 soll das Haus barrierefrei sein, endlich.

 

Der „Schauplatz“ wird umgebaut, die „Galerie“ ans Ophüls-Festival abgegeben

Die gerade laufenden Umbauarbeiten sind kleinerer Natur: Im großen Saal wird ein Teil der Bestuhlung ersetzt, im kleinen „Schauplatz“ wird sie teilweise abgebaut: Er soll vor allem als Kleinkunst-Raum oder für Lesungen genutzt werden. Auch das Entrée des Kinos zur Straße hin soll freundlicher gestaltet werden, kündigt Brück an, die Fahrradständer werden wohl verlegt, die Schaukästen reduziert. Die eigentlich kinountaugliche „Galerie“ wird in die städtische Ophüls-Gesellschaft übergehen und dem Festival als Bürofläche dienen. Der Innenhof soll sich der Gastronomie öffnen. Das Lokal „Baker Street“ bewirtet dort schon, Brück kann sich auch eine Terrasse vorstellen. Da sei man laut Brück „in intensiven Gesprächen“ (eine Formulierung, die er oft benutzt). Dass diese Gastronomie sozusagen vor der Nase des Lokals „Zapata“ ist, sorgt Brück nicht, er erwartet „keine großen Widerstände“.
Wenn das Kino am 8. Juni wieder öffnet, laufen hier erst einmal nur Filme. Ab Herbst sollen dann, koordiniert von Christel Drawer, wissenschaftliche Vortragsreihen, Kooperationen mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) und dem Kultusministerium stattfinden. Schriftlich fixiert sei da bisher noch nichts, gibt Brück zu. Aber es gebe „gegenseitiges großes Interesse“.

 

 

 

 

 

Im Vorführraum des Kino Achteinhalb.

Wer immer schon mal wissen wollte, wie es im Vorführraum des Kino Achteinhalb in Saarbrücken ausschaut.

(Danke an die Achteinhalber für die Gelegenheit!).

http://www.kinoachteinhalb.de

 

http://www.kinoachteinhalb.de

 

Kino Achteinhalb

 

Kino Achteinhalb

 

Kino Achteinhalb

 

Kino Achteinhalb

 

Kino Achteinhalb

 

Kino Achteinhalb

 

 

Die jüngste Rettung des Saarbrücker Filmhauses

Filmhaus Saarbrücken

Das immer wieder bedrohte Saarbrücker Filmhaus ist vorerst gerettet – wenn auch nicht in alter Form. Nach dem Plan von Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) wird das Amt für kommunale Filmarbeit aufgelöst und der momentane Leiter Michael Jurich ins Stadtarchiv vesetzt. Um den Kinobetrieb im großen Saal kümmern sich Camera-Zwo-Leiter Michael Krane und auch Christel Drawer, ehemalige Leiterin des Ophüls-Filmfestivals.
(Am Ende des Textes, hinter den Bildern, sind die Pressemitteilungen/Reaktionen der Stadtratsfraktionen zu finden).

 

Diskutiert und spekuliert wurde seit Monaten: Wird das Saarbrücker Filmhaus, bedroht von stetig sinkenden Besucherzahlen, seinen Standort in der Mainzer Straße aufgeben und sich in der Camera Zwo einmieten, um dort sein Kunstfilmprogramm zu zeigen? Oder wird es eine Fusion mit dem Kino Achteinhalb geben? Oder übernimmt gar eine private Initiative das Haus und baut es in einen Kulturort um?

Nichts davon. Thomas Brück (Grüne), Kulturdezernent Saarbrückens, legt nun dem Kulturausschuss und danach dem Stadtrat einen Verwaltungsvorschlag vor, der das Filmhaus an seinem Standort in der Mainzer Straße rettet – wenn auch nur noch mit einem Kinosaal, unter anderer Leitung und in anderer Struktur: Die personalintensive und damit teure Konstruktion „Amt für kommunale Filmarbeit“ wird aufgelöst, Kino- und Amtsleiter Michael Jurich, seit 2010 im Filmhaus und zuletzt wegen sinkender Zahlen und spärlicher Kino-Außenwirkung kritisiert, wird ins Stadtarchiv versetzt und mit „audiovisueller Archivarbeit“ betraut, wie Brück sagt. Zwei Verwaltungsstellen im Filmhaus werden innerhalb der Stadt verschoben, für einen technischen Mitarbeiter „zeichnet sich eine Lösung ab“, sagt Brück, zwei Mitarbeiter werden im Kino weiterbeschäftigt. Das Filmamt selbst wird von einem „Sachgebiet Film und Wissenschaft“ abgelöst, das von Christel Drawer im Filmhaus betreut wird, im Kulturamt angesiedelt ist und, das darf man vermuten, weniger kostet. Brück hofft jedenfalls durch die Amtsauflösung auf eine „erhebliche Einsparsumme“. Genaueres will er derzeit nicht beziffern.

Camera Zwo-Leiter kommt

Das Programm des Filmhauses wird anstelle des versetzten Jurichs künftig Camera-Zwo-Leiter Michael Krane verantworten, in Absprache mit Drawer. Geplant ist der Wechsel für April oder Mai. Wie funktioniert die Leitung des städtischen Filmhauses durch den privaten Kinomacher Krane? Die Stadt schließt einen Dienstleistervertrag mit Krane, der für die gesamte Verwaltung des Kinobetriebs verantwortlich ist, erklärt Brück, darunter das Zusammenstellen des Programms, das Bestellen der Filme und die Abrechnungen. Krane erhält davon als Kostenpauschale von der Stadt eine feste Summe – plus die Einnahmen durch die Karten im Kinosaal. Das sieht Brück durchaus als Anreiz für Krane, die Zuschauerzahlen im Filmhaus zu steigern – auch wenn er ausdrücklich angehalten ist, Anspruchsvolles zu zeigen. Falls Krane allerdings die Quadratur des Kreises gelingen sollte (volle Kinokasse mit Filmkunst), müsse man nicht befürchten, dass die Stadt dabei langfristig leer ausgeht, sagt Brück. „Wir werden mit diesem Konstrukt jetzt einmal ein Jahr arbeiten, dann einen Kassensturz machen und eventuell an der einen oder anderen Schraube justieren.“ Ausgelegt ist der Vertrag zwischen der Stadt und Michael Krane auf fünf Jahre. Das verspricht ebenso eine Langfristigkeit wie die Investition der Stadt und der Hausbesitzer in die Installation eines Aufzugs, der das Filmhaus dann endlich barrierefrei macht. Nach vielen Verschiebungen verspricht Brück, dass man „mit dem Vermieter in intensivem Kontakt“ stehe, „wir sind in der Umsetzung“.

„Schauplatz“ ohne Kino

Der „Schauplatz“, der kleine Kinoraum im Erdgeschoss, wird nicht mehr als Kino genutzt, die Bestuhlung wird herausgenommen, hier sollen zukünftig Lesungen, Kleinkunst, Konzerte stattfinden – Brück hat als mögliche Veranstalter etwa die „Baker Street“ in der Mainzer Straße im Auge oder das Leidinger, „die Stadt selbst wird kein Programm anbieten“. Auch die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) soll eingebunden werden, laut Brück laufen Gespräche mit Professorin Gabriele Langendorf und mit Soenke Zehle, dem Leiter des HBK-Instituts K8. „Die stehen bereit und gehen da mit rein“, sagt Brück, etwa um neue digitale Techniken zu zeigen; das Bildungsministerium werde das Ganze finanziell unterstützen. Auch das Ophüls-Festival soll übers Jahr „deutlich präsenter“ sein, mit Vorführungen, Regisseursbesuchen und Ähnlichem. Die von Christel Drawer seit Jahren betreuten „Wissenschaftsreihen“ mit Ringvorlesungen der Stadt ziehen nun vom Rathausfestsaal ins Filmhaus (ohne den 20-Uhr-Kinobetrieb zu stören) – mit einem oft dreistelligen Stammpublikum. Das, so hofft Brück, könnte auf die Idee kommen, „hier mal wieder ins Kino zu gehen“.

Was bleibt, was ändert sich?

Was hat nun Krane vor, der erfahrene Kinomacher, der betont, dass er als neuer Verwalter des Filmhauses erst ins Boot kam, als klar war, dass das Amt aufgelöst und Jurich versetzt werden würde? Ersteinmal Konstanz: Spezielle Reihen wie Seniorenkino laufen weiter, der Ticketpreis, zurzeit 6,30 Euro, wird unter dem der anderen Kinos in Saarbrücken bleiben. Was es nicht geben wird, und das hat fast eine symbolische Bedeutung, ist eine Popcornmaschine. „Das passt nicht ins Filmhaus.“ Dessen Programm, das ist die klare Forderung der Stadt, soll anspruchsvoll bleiben. „Weniger mainstreamig als die Camera Zwo“, sagt Krane, der Jurichs Programme als „aus cineastischer Sicht sehr gut“ lobt. Filme im Orginal will Krane weiterhin anbieten, aber „nachfragegerecht“ (also seltener).

Ein festes Monatsprogramm wird es nicht mehr geben, „sonst muss man sechs bis acht Wochen vorher entscheiden, was gespielt wird – das ist viel zu unflexibel“. Das Programmheft des Filmhauses wird mit dem Heft der Camera Zwo zusammengefasst; das schaffe Übersichtlichkeit und könne helfen, dass sich das Publikum gegenseitig befruchtet, wie Krane hofft. Karten fürs Filmhaus wird man bald auch in der Camera Zwo kaufen können.

Das Ganze bleibt für Krane ein „stückweit Experimentierfeld. Ich soll den Anspruch erhalten, aber mehr Besucher anziehen – das wird ein Balance-Akt.“ Seine Ideen macht er am Beispiel von „La La Land“ deutlich, dem sicheren Arthouse-Hit dieses Frühjahrs (siehe Text rechts). Den würde er im Filmhaus nie als Hauptprogramm spielen, weil er zu kommerziell ist und nicht in ein kommunales Kino passt – aber er würde ihn dort immerhin zwei, drei Mal im Original mit Untertiteln zu spielen (während die Synchronisation in der Camera Zwo läuft). So könnte man dieses Publikum rüber ins Filmhaus ziehen. Generell sagt Krane: „Steigende Zahlen kann ich nicht garantieren. Aber dass das Programm anspruchsvoll bleibt, schon.“

 

Filmhaus Saarbrücken Filmhaus Saarbrücken Filmhaus Saarbrücken

 

Und hier die Reaktionen/Pressemitteilungen der Saarbrücker Stadtratsfraktionen (ungekürzt, unbearbeitet und in der Reihenfolge, in der sie am 10. Januar eingegangen sind. (Die Mitteilung der FDP stammt vom 13. Januar).

 

SPD

„Wir unterstützen das neue Konzept für den Erhalt des Saarbrücker Filmhauses, das uns Kulturdezernent Brück vorgestellt hat“, so die SPD-Kulturpolitikerin Josephine Ortleb. „Es ist sehr wichtig, dass unser Filmhaus nun aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wird. Dafür haben wir uns seit Jahren politisch eingesetzt. Die Verwaltung hat zusammen mit ihren Kooperationspartnern einen stimmigen Plan entwickelt.
Ich bin sehr froh darüber, dass der angestammte Standort in der Mainzer Straße erhalten bleibt und barrierefrei ausgebaut wird. Ziel ist es, den Ort nun neu zu beleben und das Filmhaus auch wieder stärker in die Nachbarschaft einzubringen. Michael Krane, der seit langem mit dem Filmhaus verbunden ist, hat in der Camera Zwo gezeigt, dass er ein gutes Händchen fürs Programm hat. Die Einbeziehung der Kontaktstelle Wissenschaft unter der Leitung von Christel Drawer macht Sinn. Städtische Filmkultur und die Wissenschafts- und Hochschulszene haben interessante Schnittmengen und können sich gegenseitig bereichern. Wichtig war uns auch, dass für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anschlussbeschäftigungen in der Verwaltung gefunden werden.
Kommunales Kino ist ein wichtiges Kulturangebot für die Bürgerinnen und Bürger. Wir werden die weitere Konkretisierung des Konzepts und der vertraglichen Regelungen nun genau prüfen und das Projekt intensiv im Rat begleiten“, so Ortleb abschließend.

Die Linke

Die Linksfraktion im Saarbrücker Rathaus äußert sich verwundert über die Vorgehensweise bezüglich der Sanierung des Filmhauses. Lothar Schnitzler, kulturpolitischer Sprecher: „Natürlich ist es die Aufgabe des zuständigen Dezernenten, den politisch Verantwortlichen Vorschläge zu unterbreiten, wie er sich die Zukunft des Filmhauses vorstellt. Mit diesen Vorschlägen kann man arbeiten. Sie werden in den Fraktionen beraten und in der Koalition abgestimmt, danach in den Gremien und im Stadtrat beschlossen und dann auch der Öffentlichkeit verkündet. Hier allerdings wurde den Medien bereits ein Konzept verkauft, bevor in den Fraktionen oder in der Koalition darüber diskutiert werden konnte. Eine politische Abstimmung darüber ist noch nicht erfolgt.“
Positiv sei zu bewerten, so Schnitzler, dass sich die Verwaltung intensiv mit einem Rettungskonzept für das Filmhaus beschäftige. Es sei aber nicht hinzunehmen, dass die Stadtverordneten vor vollendete Tatsachen gestellt würden und in der Öffentlichkeit so getan würde, als sei bereits alles in trockenen Tüchern. Insbesondere in der Absicht, die Führung des Filmhauses in Privathand zu geben und das zuständige Stadtamt abzuschaffen, stoße in der Linksfraktion auf Unverständnis, nachdem die Koalition gerade erst im Dezember einen gültigen Stadtratsbeschluss zum Erhalt aller kommunalen Einrichtungen und der damit verbundenen Arbeitsplätze herbeigeführt hatte.
„Eine Privatisierung oder Teilprivatisierung des Filmhauses mit all den damit verbundenen Unwägbarkeiten ist mit der LINKEN nicht zu machen. Wir können gerne über alle möglichen Konzepte diskutieren, die einen Erhalt des Standortes Filmhaus vorsehen und die Verantwortlichkeit bei der Kommune belassen. Unerlässlich ist aber in jedem Fall, dass darüber zunächst einmal intern beraten wird, bevor der Öffentlichkeit ein fertiges – aber nicht abgestimmtes – Konzept präsentiert wird“, so Schnitzler abschließend.

 

GRÜNE

Die Grünen im Stadtrat befürworten das neue Konzept für das Filmhaus. Das vorgestellte Ergebnis ist ein Schritt in die richtige Richtung mit dem Ziel, das Filmhaus neu zu beleben und auch wieder stärker in die Kulturszene einzubringen.
“Für unsere Fraktion war es wichtig, dass der angestammte Standort in der Mainzer Straße erhalten bleibt und barrierefrei ausgebaut wird.  Darauf haben wir in den letzten Monaten versucht hinzuwirken. Das von Kulturdezernent Brück vorgestellte Konzept für den Erhalt des Saarbrücker Filmhauses hat deshalb unsere Unterstützung. Wir erkennen mit dem vorgelegten Ideen erstmals ein wirklich durchführbares, finanzierbares und sinnvolles Konzept, das eine echte Erneuerung bietet”, erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Britta Planz.
Mit den neuen Verantwortlichen, Christel Drawer und Michael Krane, sind zwei sehr erfahrene Persönlichkeiten berufen worden, die mit viel Leidenschaft an der Umstrukturierung und Neuausrichtung des Filmhauses arbeiten werden.
“Die Bedürfnisse und Interessen der Menschen haben sich gewandelt, darauf müssen auch kommunale Einrichtungen reagieren, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken wollen. Denn damit gehen sinkende Besucherzahlen und somit steigende Kosten für die Stadt einher. Das neue Konzept, das die „Wissenschaftsreihen“, den Film und die Hochschulen miteinander verknüpft, bietet für die Bürger von Saarbrücken eine interessante Kombination, die dazu in der bisherigen Umgebung des Filmhaus stattfindet. Mit der verstärkten Einbindung des Festivals „Max Ophüls Preis“ bietet sich zudem die Gelegenheit, die jeweils letzten Siegerfilme zu zeigen und somit das Festival auch über das ganze Jahr präsent zu halten”, so Britta Planz weiter.
Zur Neuausrichtung des Filmhauses sollte auch eine Neugestaltung des Hauses selbst gehören. Die stark in die Jahre gekommene Immobilie braucht nach Ansicht der Grünen dringend einige äußerliche Überarbeitungen, in welche man dann auch die Barrierefreiheit miteinbeziehen muss. Die Fraktion der Grünen begrüßt in diesem Punkt eine Zusammenarbeit der Stadt und des neuen Vermieters.
“Von einer Aufwertung der Immobilie würden alle Beteiligten profitieren.  Bei aller Liebe zur Kultur und dem Kino sind unsere Mitmenschen unser wichtigstes Gut. Daher bietet diese Lösung, bei dem kein Mitarbeiter des Kinos entlassen wird, sondern innerhalb der Stadt andere Aufgaben findet, damit einen zusätzlichen Pluspunkt”, so Planz abschließend.

 

CDU

„Die CDU-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat begrüßt das neue Konzept, mit dem die Zukunft des  kommunalen Kinos ‚Filmhaus‘ gesichert werden soll“, so Elke Masurek, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion. Dieses Konzept gehe nach Ansicht der CDU-Fraktion maßgeblich auf die Ideen einer Initiative zur Rettung des Filmhauses zurück. Bei genauem Hinsehen erkenne man viele Anregungen der Initiative hier wieder.
„Von den politisch Verantwortlichen, insbesondere von Kulturdezernent Brück, kam in der Angelegenheit Filmhaus lange Zeit nichts außer der Kenntnisnahme der schwindenden Zuschauerzahlen. Dabei besteht die brisante Situation des Filmhauses schon seit einigen Jahren, die Stadtverwaltung hat dem viel zu lange tatenlos zugeschaut und war zudem noch beratungsresistent“, kritisiert Elke Masurek. Die CDU-Fraktion hatte in den letzten Jahren immer wieder mehr Kooperationen gefordert, von daher sei die Zusammenarbeit mit dem Kino „camera zwo“ sehr zu begrüßen, ebenso wie die künftig geplanten Wissenschaftsreihen mit Ringvorlesungen im Filmhaus.
„Wir versprechen uns von der neuen Struktur frischen Wind und Aufschwung für das Filmhaus. Die Stadtverwaltung muss jetzt aber schnellstmöglich die neuen Zahlen auf den Tisch legen, damit klar ist, was das neue Modell kostet“, fordert Elke Masurek.
Mit dem neuen Filmhaus-Konzept sei jetzt auch der Zeitpunkt gekommen, andere, neue Schwerpunkte zu setzen, damit sich die Stadt trotz der schwierigen Haushaltslage im Kulturbereich zeitgemäß und mit innovativen Ideen aufstellen könne. Um ein breites Kulturangebot zu erhalten und neue Potenziale zu erschließen, bedürfe es daher eines geschlossenen Konzeptes, das auch neue Finanzierungsmöglichkeiten berücksichtige. „Deshalb wird die CDU-Fraktion im Kulturausschuss in der nächsten Woche den Kulturdezernenten Brück erneut auffordern, endlich einen Kulturentwicklungsplan für die Landeshauptstadt Saarbrücken zu erstellen und dem Kulturausschuss vorzulegen“, kündigt Elke Masurek abschließend an.

 

FDP

Reformen zum Filmhaus können fehlendes städtisches Engagement Kulturszene nicht verdecken

Saarbrücken, den 13.01.2017 – Zwar begrüßt die FDP-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat die ersten nun bekannt gewordenen Ideen zur Reform des Filmhauses, jedoch bleiben nach Ansicht der Freien Demokraten eine Reihe von Fragen unbeantwortet. „Weder zur konkreten Umsetzung, noch zu den Einsparungen, in welcher Höhe beim Filmhaus künftig gespart wird, gibt es bislang konkrete Angaben“ so Karsten Krämer, Fraktionsvorsitzender und kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Außerdem müsse dringend diskutiert werden, ob die beim Filmhaus erbrachten Einsparungen nicht im Kulturetat der Landeshauptstadt enthalten bleiben.

„Die Freien Demokraten begrüßen, dass es nach anderthalb Jahren Stillstand unter dem Kulturdezernenten Brück nun doch noch ernsthafte Reformen im Filmhaus angegangen werden“ so Krämer weiter. Jedoch sehe das neue Konzept vor, das Filmhaus von einem kommunalen Kino zu einem Kulturzentrum mit einem angeschlossenen Kino umzuwandeln. Zwar sei dies eine spannende Idee, da so neue programmatische Ansätze umgesetzt und zusätzliche Räume für bildende Künstler und die Kulturschaffenden geschaffen werden können, hinter der Intention der städtischen Verwaltung stehe jedoch ein großes Fragezeichen. „Alles deutet darauf hin, dass die LHS nicht zur Umsetzung einer interessanten und nachhaltigen Kulturvision tätig wird, sondern zur Sanierung des städtischen Haushalts auf Kosten der Kultur! Dies widerspricht den wiederholten Beteuerungen der Oberbürgermeisterin Britz und der Ratsmehrheit aus SPD, Linken und Grünen, bei der Kultur nicht sparen zu wollen“ so Krämer. Durch die immer stärker betonten finanziellen Argumenten und durch einen künstlich aufgebauten Handlungsdruck wolle die Verwaltung eine transparente Diskussion über die städtische Kulturentwicklung und deren Umsetzung in der Mainzer Straße offensichtlich unterbinden.

Außerdem müsse der zuständige Dezernent die offenen Fragen zur Vergabe der Räume an Private, zur Vergabe des Dienstleistungsvertrags, und zur Umsetzung des Personals unverzüglich beantworten. „Ebenso unklar ist, wie die stärkere Zusammenarbeit zwischen der LHS und den Hochschulen im organisatorischen Rahmen eines Hauses der Wissenschaft ohne zusätzliche Personal- und Sachkosten realisiert werden soll, oder, ob die Festival Max Ophüls Preis gGmbH die zusätzlichen Mittel für die Nutzung der zusätzlichen Büroräume ohne erhöhten Zuschuss stemmen könnte“ mahnt Krämer. Außerdem könne auch künftig nicht auf Mittel für eine angemessene Öffentlichkeitsarbeit verzichtet werden. „Hierbei könnte der Kakadu mit einem neuen Auftritt eine Option sein, um sowohl das Agieren der LHS im allgemeinen, die neuen Programme des innerstädtischen Kulturzentrums und das gesamte Schaffen der Saarbrücker Kulturschaffenden einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die kommenden Wochen werden bei all diesen offenen Fragen zeigen, wie wichtig der Verwaltung und dem rot-rot-grünen Bündnis die Kulturentwicklung in Saarbrücken ist“ so Krämer abschließend.

 

 

Camera Zwo – wie geht es dem Saarbrücker Kino am zehnten Geburtstag?

 

Camera Zwo

Vor zehn Jahren hat Kinobetreiber Michael Krane das alte Scala-Filmtheater in der Saarbrücker Futterstraße in die Camera Zwo umgewandelt. Hat sich das Rezept, anspruchsvolle Filme an der Schwelle zum Mainstream zu zeigen, bewährt?

Die düstere Treppe nach unten wirkt wie eine Edgar-Wallace-Requisite. Doch statt Kinski oder Fuchsberger wandelte hier, in den Projektionsräumen der Camera Zwo, einst der Filmvorführer. Einen separaten Eingang hatte er – und keinen Zugang zum eigentlichen Kino, ein Stockwerk tiefer. Des Brandschutzes wegen, erklärt Kinobetreiber Michael Krane, der durch seine Camera Zwo führt, die früher einmal, von 1951 bis 2005, das selige Scala-Kino war – in der Region eines der größten „Filmtheater“, wie man Kinos damals so verheißungsvoll nannte.
Die schmalen Gänge über den Kinosälen sind voller Historie: Plakate, Bud-Spencer-Aufkleber und Brandschutzklappen aus der Kinosteinzeit, als hitzige Kohlebogenlampen das Licht auf die Leinwand warfen. Heute ist das anders – hier stehen moderne Digitalbeamer, denen Krane nicht ganz traut. „Wenn die alten Projektoren mal nicht liefen, hat ein Fußtritt Wunder gewirkt“, sagt der 55-Jährige, die Beamer seien empfindlicher, voll mit teurer Technik. „Niemand weiß, wie lange die halten.“ Ein Damoklesschwert über allen Kinos sei das. Jüngst versagte eine kleine Platine ihren Dienst – mit 2000 Euro Kosten. Immerhin: 25 Kilo schwere Kinokopien muss heute niemand mehr schleppen, der Film auf Festplatte wiegt nur ein Pfund.

Ein Stockwerk tiefer liegt die Theke mit Kasse – und Popcorn-Maschine: für besonders gestrenge Cineasten ein Sakrileg, Symbol des bösen Kommerzkinos. Krane nimmt es gelassen. „Anfangs dachte ich, wenn die Maschine kaputt geht, repariere ich sie nicht mehr.“ Aber die Mini-Gastronomie bringt Geld in einem Geschäft der knappen Kalkulation. Acht Jahre lang hat Krane keine Werbung gezeigt, „darauf war ich sehr stolz“, aber das ließ sich finanziell nicht halten: 2012 kam die Digitalisierung – für 250 000 Euro, wenn auch bezuschusst von der Filmförderung und vom Land. Klassisch geschulte Vorführer sind heute überqualifiziert, PC-Kenntnisse reichen aus. „Man muss mittags die Systeme hochfahren und abends auf ein paar Knöpfe drücken.“
Einer der Vorteile der Digitalisierung: Filme auch in der Originalfassung zu zeigen, ist technisch kein Problem; früher musste man eine eigene Kopie anfordern. Im US-Original hat Krane gerade einen Film gezeigt, den man hier nicht erwartet hätte: das jüngste „Star Wars“-Spektakel. „Das war vor allem für mich“, sagt er, „mit den alten Filmen bin ich aufgewachsen.“ Generell aber passen Blockbuster nicht zum Image des Kinos. „Den jüngsten Bond hätte ich auch spielen können – aber da muss man aufpassen.“

Es läuft überwiegend gut in der Camera Zwo. 2012 bis 2014 seien „goldene Jahre“ gewesen. „Doch 2015 war ein Desaster, da sind wir abgestürzt.“ Keine wirklich guten Filme, keine großen Hits. „Beruhigend war aber, dass wir ein Katastrophenjahr ganz gut überstanden haben.“ Mit studentischen Aushilfen führt Krane das Kino und mit zwei Festangestellten: er selbst und Kinoleiterin Anna Reitze (32), die laut Krane „den Laden eigentlich besser kennt als ich“. Wohlhabend werde man nicht, „man muss privat alles stemmen, subventioniert werde ich ja nicht“. Apropos: In Konkurrenz zum städtischen Filmhaus sieht er sich nur bedingt, „ich bin ja deutlich mainstreamiger“, während das Filmhaus ganz bewusst auch sperrigere Filme zeige. „Was mir nicht unrecht ist.“

Das Verleihgeschäft, das Einschätzen von Erfolgschancen und bisweilen das Gerangel um Filme, ist nicht einfach. „Zumal man Filme nicht einfach nur für eine Woche buchen kann und je nach Erfolg verlängert oder absetzt.“ Manchmal sitze man auf einem Ladenhüter, den man vertraglich mehrere Wochen zu spielen habe. Nur wenn Filme gnadenlos floppen – aktuell der Sandra-Bullock-Film „Die Wahlkämpferin“ – haben die Verleihe, die täglich durch die vernetzte Kinokasse über die Einnahmen informiert werden, Verständnis und lassen den Film aus dem Programm nehmen. Bei kleineren Verleihen gibt Krane dem Film aber nochmal eine Chance, „sonst wäre das unfair“, oder Werken, die er mag. Der Trickfilm „Anomalisa“ läuft schlecht bei ihm. „Aber ich zeige ihn weiter, weil er gut ist“, sagt Krane, der sich dennoch weniger als Cineast versteht denn als pragmatischer Kinobetreiber. „Würde ich nur spielen, was mir gefällt, wäre der Laden zu.“
Dass die Camera Zwo viele ältere Leute anlockt, freut Krane – es ist ein treues und angenehmes Publikum, das nicht mit Popcorn um sich wirft. Manche Stammgäste kämen, ohne zu wissen, was läuft. „Eine andere Gruppe kommt immer mittwochs, aber nur bei schlechtem Wetter“ – eine Boule-Truppe, die bei Sonnenschein lieber ihre Kugeln wirft. Berühmt-berüchtigt ist ein Kinogänger, der stets zwei Minuten zu spät den Saal betritt und zielgerichtet seinen Stammplatz ansteuert. Wenn der dann schon besetzt ist, schätzt der Stammgast das gar nicht. „Aber er ist harmlos.“

HINTERGRUND
Im Januar 2006 hat Michael Krane, zuvor Geschäftsführer der Saarfilm (Passage- und UT-Kinos) das Scala-Kino in Camera Zwo umbenannt – als Reminiszenz an das Camera-Kino auf der Berliner Promenade (1967-1999). 100 000 Euro steckte er in die Modernisierung und stellte das Programm auf „mainstreamigen Kunstfilm“ um, wie er sagt. Sechs Säle bieten Platz für 456 Kinogänger. Der erfolgreichste Film bisher war „Ziemlich beste Freunde“, der um die 20 000 Zuschauer anzog, gefolgt von „Monsieur Claude und seine Töchter“ und „Willkommen bei den Sch’tis“.

Das Foto von Michael Krane und Theaterleiterin Anna Reitze stammt von Oliver Dietze.

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