KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Kategorie: Nostalgie (Seite 1 von 2)

„For the love of Spock“ von Adam Nimoy

Leonard Nimoy Adam Nimoy For the love of Spock

Zu Besuch bei den Dreharbeiten zu „Raumschiff Enterprise“: Adam Nimoy und sein Vater Leonard. Fotos: Studio Hamburg

Ob er es nun wollte oder nicht – der Logiker mit den spitzen Ohren, der scheinbar eisige Mann, der mit seinen Gefühlen ringt,  war die Rolle seines Lebens. Leonard Nimoy (1931-2015) spielte Mr. Spock, halb Mensch, halb Außerirdischer, in den 60ern in der Serie „Raumschiff Enterprise“, so hieß „Star Trek“ damals bei uns, als die Serie erstmals im ZDF lief;  dann sprach er Spock in den 1970ern in einer Zeichentrickserie, war danach in den „Star Trek“-Kinofilmen zu sehen, von denen er zwei auch inszenierte.  Auch in der Neuauflage der Reihe war er zu sehen, zuletzt noch 2013 in „Star Trek: Into Darkness“ – als alter, weiser Spock und als würdiger Ruhepunkt in der Action-Hektik, die mit den alten „Star Trek“-Filmen wenig zu tun hat. Da hatte Nimoy, der seine erste Autobiografie trotzig „I am not Spock“ nannte (und später „I am Spock“ versöhnlicher nachlegte), schon längst seinen Frieden gemacht mit der Rolle, die alle seine anderen überschattete.

 

Leonard Nimoy Adam Nimoy For the love of Spock

Fast ganz der Papa: Adam Nimoy bei einer Convention.

Wie geht man damit um, durch eine Rolle ein Teil der Populär-Kultur zu werden? Und warum ist die Figur des Spock weltweit derart populär geworden? Diese Fragen stellt sich die Dokumentation „For the love of Spock“und beantwortet sie sehr persönlich – kein Wunder, ist der Regisseur doch Nimoys Sohn Adam. Der plante 2014 in Zusammenarbeit mit dem Vater einen Film über die Figur Spock; angesichts des Todes Leonard Nimoys ein Jahr später verband der Sohn das Porträt Spocks zugleich mit einem Blick auf den Vater und die eigene, nicht immer einfache Familiengeschichte. Das hätte eine gefühlige Nabelschau werden können; aber abgesehen von den letzten Minuten, in denen die jungen Kollegen der neuen „Star Trek“-Reihe etwas zu geflissentlich Leonard Nimoys Heiligenschein polieren, ist „For the love of Spock“ ein munteres, persönliches, aber nicht zu intimes Porträt.

Gerangel mit William Shatner

Alte Familienaufnahmen sind zu sehen, Interviewausschnitte mit Nimoy aus verschiedenen Dekaden und kurze, für den Film aktuell geführte Gespräche mit den Kollegen von einst: George Takei etwa, der in der Serie den Astronauten Sulu spielte, und Walter Koenig, der den Russen Chekov mimte, damals mit Beatles-artiger Frisur (war es eine Perücke?), heute glatzköpfig. Mit dabei ist auch, natürlich, William Shatner. Er spielte Captain Kirk, war als Star der Serie gesetzt und musste dann erleben, dass die Figur Spock zur beliebtesten wurde. Shatners Beziehung zu Nimoy war über die Jahrzehnte nicht einfach. Doch Konkurrenzgerangel, Intrigen und Alpha-Tiergehabe werden hier nur kurz angedeutet, in den späten Jahren sind sich die Männer wohl mit einer gewissen Altersmilde begegnet. Ein schöner Ausschnitt zeigt Nimoy bei einer der populären „Star Trek“-Conventions, wie er eine frühe Rezension zur Serie aus der Branchenbibel „Variety“ mit Wonne vorliest: „Shatner spielt hölzern“. Dass die Serie nicht vom Start weg zum Phänomen wurde, zeigt auch ein kurzes Interview mit Barry Newman, dem Darsteller der 70er-Serie „Petrocelli“: Er riet seinem Kollegen und Freund Nimoy damals, die Gummi-Ohren schleunigst abzunehmen und den Dienst zu quittieren: „Leonard, steig aus – das hat doch keine Zukunft!“

 

Leonard Nimoy Adam Nimoy For the love of Spock

William Shatner, der den Captain Kirk spielte.

Der Film zeichnet das Bild eines Schauspielers, der sich in seinem künstlerischen Traumberuf (den ihm seine Eltern ausreden wollten),  jahrelang tummelt, ohne nennenswerten Erfolg zu haben. Den bringt erst, mit 35,  die Figur des Spock, eines Mannes, der  etwas anders ist als die anderen, der etwas abseits steht – und wer könnte sich damit nicht identifizieren? Das Seriendebüt sieht sich die Familie Nimoy bei Nachbarn an, denn die haben, anders als die Nimoys, einen Farbfernseher. Drei Jahre läuft die Reihe, bevor sie abgesetzt wird. Nimoy, der aus finanziell überschaubaren Verhältnissen kommt, treibt auch während dieser drei Jahre die Angst vor späterer Armut um. „Ich nahm damals jeden Job an, der Geld brachte“, sagt er – um das zu illustrieren, zeigt die Doku Ausschnitte aus seiner legendär bizarren Pop-Plattenaufnahme „Bilbo Baggins“, witzig montiert in eine „Enterprise“-Szene. (Privat hört Nimoy, erzählt sein Sohn,  damals lieber Yves Montand und Charles Aznavour.)

Das Arbeitspensum während „Enterprise“  hat Folgen für die Familie: Während der Woche ist er kaum zuhause, sagen Sohn und Tochter heute, und wenn, dann trägt er die gefühlsunterdrückte Rolle Spocks mit sich herum. „Er war sehr in seiner eigenen Welt, sagt die Tochter heute. Das klingt nicht nach einem vor Liebe überfließenden Familienleben. Ein altes Presseporträt zeigt die Nimoys, die mit kollektiv versteinerten Gesichtern posiert. Nach „Star Trek“ steigt Nimoy bei „Kobra, übernehmen Sie!“ („Mission: Impossible“)  ein, dort nach drei Jahren wieder aus, spielt mehr Theater – aber die ganz großen Rollen im Fernsehen oder Kino findet er nicht. Bis er 1979 Spock im ersten (und schwächsten) „Star Trek“-Film spielt und danach die Teile 3 und 4 auch inszeniert. Dass er das durchsetzen kann, liegt an der zentralen Rolle Spocks. Ein „Star Trek“-Film ohne Spock? Keine gute Idee. Das wissen Nimoy und das Studio Paramount, das Nimoy zwischnezeitlich verklagt hat, weil er sich bei den Werbe-Einkünften durch die Figur Spock (etwa auf Cornflakes-Packungen) über den sprichwörtlichen Tisch gezogen fühlt. Man einigt sich schließlich, Paramount bracht Nimoy mehr als umgekehrt.

Eine Vater-Sohn-Geschichte

Nicht zuletzt ist „For the love of Spock“ auch eine Vater-Sohn-Geschichte: Nimoy ist jahrelang wenig zuhause und fehlt den Kindern; als die Karriere in den 1970ern bis zum „Star Trek“-Comeback stagniert, „hängt er zuhause rum“, wie es der Sohn sagt. Noch schwieriger werden die 80er: Nimoys Ehe zerbricht nach 32 Jahren, er trinkt, was erklären könnte, dass seine erfolgreich begonnene Regie-Karriere unvermittelt endet – auch der Sohn nimmt Drogen. Der schwierige Kontakt bricht irgendwann ganz ab – bis man sich in Nimoys letzten Jahren wieder sehr nahe kommt. Ein Happy End, dass man den beiden gönnt.

Eine liebevolle Doku, auch formal: Die Titel laufen in derselben Schriftart ab wie in der alten „Enterprise“-Serie. Und gleich zweimal ist Spocks Todesszene aus „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ zu sehen, die mit dem großen Selbstopfer und der letzten Freundschafts/Liebeserklärung an Kirk unweigerlich ans Herz geht.

Wer sich über den enorm langen Abspann wundert: Die Doku hat sich über Crowdfunding finanziert und dankt allen Unterstützern durch Namensnennung.

 

Auf DVD und Blu-ray erschienen bei Studio Hamburg.
91 Minuten, Original mit Untertiteln.

 

Nostalgie als Programm: Zu Besuch beim DVD-Verlag „Pidax“ in Riegelsberg

Pidax Nostalgie DVD

Edgar Maurer im Riegelsberger Pidax-Lager. Hier stapeln sich um die 100 000 DVDs und CDs. Fotos: Keßler

 

„Geplant war das ja alles nicht“, sagt Edgar Maurer. Er sitzt in einem Büroraum seiner Firma Pidax in Riegelsberg, über einem Ledersofa hängen Dutzende bunte DVD-Cover – von der Wand grüßen Peter Alexander und Georg Thomalla, Rudi Carrell und Günter Strack, Pierre Brice und Audrey Hepburn. Nostalgie ist Programm bei der Firma, die vor fast zehn Jahren entstand – aus einer Liebhaberei heraus: Maurer, Jahrgang 1966 und Fan des Fernsehens seiner Kindheit („ich habe viel zu viel Fernsehen geschaut“), wollte eine ganz frühe TV-Erinnerung auffrischen: die Serie „Die Grashüpferinsel“. Auf Video oder DVD gab es sie nicht, eine verschollene Perle. Maurer wollte das ändern, spürte detektivisch die Rechteinhaber auf, kaufte die deutschen Rechte an der Serie,  und ein Bruder im Nostalgie-Geiste im Hessischen restaurierte das Bildmaterial – fertig war die erste Veröffentlichung der neuen Firma Pidax. Geplant war die bestenfalls als Feierabendprojekt mit Hobby-Anmutung, doch dann ist  Maurer irgendwann, als sich der Erfolg abzeichnete, „aggressiv rangegangen. Fünf, sechs Jahre haben wir gearbeitet, ohne etwas zu verdienen – Gewinne haben wir sofort wieder reinvestiert“.

 

Pidax Nostalgie DVD

Die DVD-Hüllen in einem der Büroräume.

Jetzt, knapp zehn Jahre später, geht Pidax als DVD- und auch Hörspielverlag (laut Maurer eine Million DVDs und 100 000 verkaufte CDs) auf die 1000. Veröffentlichung zu. Um die 20 000 Exemplare verkauft die Firma im Monat, der Umsatz in diesem Jahr wird bei zwei Millionen Euro liegen. Und vor ein paar Monaten hat Maurer, von Haus aus Kaufmann, seine Anstellung bei den Stadtwerken in Saarbrücken gekündigt; weniger zu tun sei bei Pidax  nicht, sagt er, „aber es ist eine Arbeit ohne Stechuhrmentalität“.

Pidax ist nicht die einzige nostalgisch ausgerichtete DVD-Firma – da ist auch Studio Hamburg, das ARD- und ZDF-Oldies vermarktet, Winkler Film und nicht zuletzt die Firma Filmjuwelen/Fernsehjuwelen.

Die Firma ist denkbar dezentralisiert: Maurer kümmert sich in Riegelsberg um Planung, Abrechnung und das Verschicken der DVDs aus dem heimischen Lager mit 100 000 Exemplaren an Vertriebspartner und an Filmfreunde, die direkt bei ihm bestellen. Sein hessischer Kollege restauriert das Filmmaterial, wobei das Anlegen der Tonspuren an Bildmaterial mit das Schwierigste ist; gepresst werden die DVDs in Baden-Württemberg, der Vertrieb (neben dem Eigenvertrieb in Riegelsberg) sitzt in Köln und Hamburg. Ein Dutzend Menschen zählt das Pidax-Team mittlerweile, darunter einige in Mini-Jobs; hinzu kommen ein paar Ehrenamtler, die aus cineastischer Freude die Booklets schreiben.

 

Manche Veröffentlichungen haben eine jahrelange Vorlaufzeit, erzählt Maurer, „bei anderen ist nach 14 Tagen alles geklärt“ – und manche Projekte stolpern vor der Ziellinie: gerade etwa der kanadische TV-Klassiker „Die Strandpiraten“, der im ZDF unzählige Sonntagnachmittage vergoldet hat: Das DVD-Cover hatte man bei Pidax schon gestaltet, aber Verhandlungen um Rechte, „die von Anfang an schwierig waren“, platzten letztlich, „wir waren sehr enttäuscht“. Andere Wunschpläne lässt Maurer lieber gleich in der Schublade: „Rudis Tagesschau“ hätte er gerne herausgebracht, aber da Rudi Carrell in der Reihe jede Menge Nachrichten-Ausschnitte einsetzte, „wären die einzelnen Bildrechte gar nicht zu klären“.

Die Lizenzen

Im Zentrum des Geschäfts stehen die Lizenzen für die Filme, Serien, Theateraufzeichnungen und Hörspiele, die meist fünf bis sieben Jahre lang laufen. Um die Lizenzen musste er früher kämpfen, mittlerweile kommen die Lizenzgeber zu ihm, aus England, Frankreich, Japan und auch aus den USA. Amerikanische Lizenzen galten für kleinere Firmen lange als unbezahlbar, laut Maurer „hat sich das verändert. Die Amerikaner haben lange auf ihrem Material gesessen, sind jetzt aber vernünftiger geworden und runter von ihrem hohen Ross. Bis auf Disney.“ Mittlerweile bieten Großstudios auch Firmen wie Pidax Lizenzen an – kürzlich Paramount mit HD-Material für Blu-rays. „Ich habe mir die Liste angeschaut, und die angebotenen Western ‚High Noon’ und ‚Rio Grande’ waren schon weg – das war bitter.“ Die bisher teuerste Lizenz hat Maurer aber nicht in den USA gekauft, sondern in Japan: für die Serie „SRI und die unheimlichen Fälle“. Je nach Lizenzkosten ist ein Titel schon bei 300 verkauften Exemplaren in der Gewinnzone, bei anderen erst nach 3000.

Auch Dokus hat Pidax mittlerweile im Programm, darunter die Reihe „Legenden“ über Filmstars von einst – einzuschätzen ist der Erfolg dabei nicht. „Audrey Hepburn läuft gut, Liz Taylor schlecht“, sagt Maurer, „Pierre Brice geht durch die Decke, Gert Fröbe nicht“. Zu den Pidax-Hits gehören etwa „Agentenpoker“ mit Walther Matthau, die Serie „Am Fuß der blauen Berge“, das Alkoholdrama „Rückfälle“ mit Günter Lamprecht und auch einer der wenigen neueren Filme: der ARD-Mittwochabendfilm „Komasaufen“. Ein Dauerbrenner ist auch „Schokolade für den Chef“ mit Götz George. Der größte Erfolg bisher ist der Seriendauerbrenner „Die Abenteuer der Familie Robinson“ mit einer Auflage in fünfstelligen Bereich.

„Wir spielen immer Bank“

Das Pidax-Programm funktioniert als klassische Mischkalkulation: Erfolgreiche Filme fangen weniger erfolgreiche auf – das rechnet sich im Ganzen, „denn wir haben mehr Ausreißer nach oben als nach unten“. Wobei sich das vorher naturgemäß schlecht einschätzen lässt. So ist Maurer überrascht, dass eine Reihe von Kinderfilmen aus den 90er Jahren – „Jan vom Goldenen Stern“ etwa weniger Interesse fanden als gedacht. Aber je mehr Filme die Firma veröffentlicht, sagt Maurer, desto breiter verteilt sich das Risiko. Dennoch gilt: „Wir spielen immer Bank. Wir müssen alles vorfinanzieren.“

Zum Beispiel die Synchronisierung von Serien oder Filmen, die keine deutsche Sprachfassung mehr besitzen oder noch nie eine hatten: etwa eine „Sherlock Holmes“-Serie (1965-68)  mit Peter Cushing, deren alter deutscher Ton verschollen ist, außerdem eine bisher nicht synchronisierte Holmes-Reihe mit Christopher Lee, die Anfang der 90er Jahre entstand, zum Teil in Luxemburg, und auch bisher bei uns nicht gezeigte englische Agatha-Christie-Geschichten aus den 90er Jahren (Maurer: „Christie zieht immer“). Den Effekt, dass ein alter Film und eine sterile Synchro von heute nicht zusammenpassen, kennt Maurer – das Studio, das er beauftragt, arbeitet teilweise mit alten Bandmaschinen, um die Tonspur mit klanglicher Patina zu überziehen, auch der Wortschatz wird der Entstehungszeit angeglichen.

Eine Synchronisierung kostet Geld, das man nicht mit 1000 verkauften Exemplaren wieder herein holt  – der Standard-Startauflage, mit der Pidax erst einmal das Interesse des Publikums erkundet. Bei Erfolg wird nachgepresst, aber Ladenhüter gibt es auch. „Manche Filme bleiben bei einem Verkauf von 300 Stück einfach stehen, da geht dann gar nichts mehr.“ Die Restbestände landen dann für zwei oder drei Euro in Billigmärkten, denn Lagerplatz ist teuer.

Wie reagiert die Firma auf den bröckelnden DVD-Markt und das sozusagen körperlose Streamen im Internet? „Im Ausland ist der Markt für DVDs schwächer geworden“, sagt Maurer, „in England und Italien sogar zusammengebrochen – aber deutsche Kunden wollen sich einen Film ins Regal stellen können, das ist der Vorteil für uns.“ Wobei das Pidax-Publikum ohnehin durch das nostalgische Programm etwas älter und nicht ganz so streaming-affin ist. „Es liegt im Bereich 40 plus, bei den Animationsfilmen vielleicht 30 plus“, schätzt Maurer.

„Pidax Channel“ geplant

Dennoch setzt die Firma auch auf das Abspielen im Internet: Hörspiele werden gestreamt, etwa bei audible, „bei Filmen ist das noch nicht so verbreitet“. Aber noch in diesem Jahr soll bei Amazon ein eigener „Pidax Channel“ installiert werden, den man abonnieren kann, mit 100 bis 200 verfügbaren Filmen. Die muss die Firma aber erstmal hochladen, einige technische Hürden nehmen und das ganze finanzieren – mit, wie Maurer sagt, Hunderten Euro pro Film. Das muss man erstmal vorlegen, aber „dann ist ein Film wie eine Kuh, die Milch gibt“. Ein guter Ausgleich, wenn die DVD schwächer werden sollte.

Blu-rays, den hochauflösenden Nachfolger der DVD, findet man bei Pidax selten. „Bei diesen älteren Filmen gibt es nur selten HD-Material, und nur dann machen wir eine Blu-ray – alles andere, etwa das Hochskalieren von Nicht-HD-Material, ist Betrug am Kunden.“ Üblicherweise bringt Pidax auch nur dann eine Bluray  heraus, wenn sich die DVD schon über 1000 Mal verkauft hat, also ein Mindestinteresse am Film besteht. Eine Ausnahme ist demnächst „Am Anfang war das Feuer“, den es bisher in Deutschland noch nicht auf Blu-ray gab.

Zwischen 60 und 70 Prozent des Pidax-Handels  läuft über Amazon, über die Hauptseite und über Amazon-Marketplace. Von Riegelsberg aus verschickt Pidax portofrei, europaweit. „Das lohnt sich trotzdem für uns, denn Amazon nimmt direkt schon mal 40 Prozent vom Verkaufspreis.“

Durchgeplant ist das Programm bis Juni 2018, mit besonderem Blick aufs Weihnachtsgeschäft, das laut Maurer mindestens ein Drittel des Jahresumsatzes ausmacht. Dass einmal die interessanten Filme ausgehen, fürchtet Maurer nicht – es geht immer weiter. „Wir sind wie  Fischer, werfen die Netze aus und fangen immer etwas.“

 

http://www.pidax-film.de

 

Info:

Ein Blick aufs Programm der nächsten 10 Monate:

  • Hanni und Nanni (Zeichentrickserie)
  • Das kalte Herz (6-Teiler von 1978)
  • Der letzte Mohikaner (BBC 8-Teiler von 1971)
  • Sherlock Holmes (Serie mit Peter Cushing)
  • Am Fuß der blauen Berge, Vol. 7
  • Kim & Co. (26-teiligee Serie)
  • Sklaven (The Fight Against Slavery)= BBC 6-Teiler von 1975
  • Locker vom Hocker (Serie mit Walter Giller)
  • Im Auftrag von Madame (39-teilige Krimiserie)
  • Blinky Bill (Zeichentrickserie)
  • Mensch Bachmann (Serie)
  • Zwei alte Hasen (Serie)

 

 

 

 

Pidax DVD Nostalgie

Comic-Klassiker „Mac Coy“ – die Gesamtausgabe beginnt

Comic Klassiker Mac Coy

 

Muss man Western mögen, um den Comic „Mac Coy“ zu schätzen, dessen Auftakt der Gesamtausgabe  gerade erschienen ist? Überhaupt nicht. Nicht, dass die Handlung völlig nebensächlich wäre, aber diese klassische Comic-Reihe, die 1974 bis 2000 lief, packt auch Pferdeopern-Skeptiker mit ihrer schieren Bildkraft: Mit enormer Detaildichte führt uns der spanische Zeichner Antonio Hernández Palacios in Steppen, deren Staub man in die Nasse zu bekommen scheint, der Schweiß der Pferde tropft, Rauchschwaden ziehen durch die Bilder, und dass die Männer lange gebadet haben, spürt man auch (und ist dankbar dafür, dass es noch keine Geruchs-Comics gibt).

 

 

 

Im Kontrast zu diesem enormen Realismus  – Palacios (1921-2000) ließ sich von alten Fotografien, aber auch Bildern aus Westernfilmen inspirieren – bewegt sich die Kolorierung bisweilen ins Psychedelische: Der Himmel leuchtet manchmal in Orange und Lila (bei John Wayne undenkbar), und wenn Mac Coy per Colt-Kolben auf den Hinterkopf das Bewusstsein verliert, fluten Regenbogen-Farben auf das Bild. Die Szenarios  des französischen Texters Jean-Pierre Gourmelen sind nicht derart ungebremst kreativ. Die Reihe beginnt 1864, ein Jahr vor Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs; die Titelfigur, der Südstaaten-Offizier Alexis Mac Coy, ist ein klassischer Antiheld: störrisch, was Vorgesetzte oder Hierarchie angeht, in seiner Arbeit aber so gut, dass man ihm vieles durchgehen lässt. Recht episodisch und manchmal mit schwarzem Humor arbeitet er allerlei Himmelfahrtskommandos ab und erlebt  Abenteuer im Krieg und danach.

Antonio Hernández Palacios/ Jean-Pierre Gourmelen: Mac Coy, Band 1. Avant-Verlag, 224 Seiten, 39.95 Euro.

 

 

Comic Klassiker Mac Coy

 

http://www.avant-verlag.de

 

Nostalgie deluxe: Hörspiele von einst

Hörspiel Nostalgie

Ein Klassiker des Jugend-Hörspiels!

Beim Flohmarkt, da sah ich ihn nach langer Zeit mal wieder. Er mich aber  nicht, schließlich war er jener Zyklop, dessen mangelnde Gastfreundschaft Odysseus ein Dorn im Auge war. Das des Zyklopen stach er deshalb aus. Jedenfalls prangte jener Polyphem auf der Plattenhülle von „Die Irrfahrten des Odysseus“ in einer Flohmarktkiste: Ein betagtes Hörspiel aus dem Hause „Europa“ war das, einer Firma, die vor allem in den 70er Jahren so manche Kinder- und Jugendzimmer abenteuerlich beschallte.

Firmen wie Europa, Poly, Disney oder Telefunken entführten mit klassischer Literatur, mit Sagen,  Krimis und Utopischem an mehr oder weniger ferne Orte. Im Abenteuer „Schmuggel im Hafen“ hörte man Hamburger Brackwasser an Steinmauern platschen, mit Jules Verne trat man „Eine Reise auf dem Kometen Gallia“ an. Manche Vinyl-Alben bannten neben den Ohren auch die Augen, mit Bilderbüchern: Der viel- und spitzzahnige Schlund des Kraken in „20 000 Meilen unter dem Meer“ ist eine unauslöschlich gruselige  Kindheitserinnerung (und das auf einem Disney-Album!).

Hörspiel Nostalgie

Ein Album von Disney mit schönem, einmal gar gruseligem Bilderbuch.

Frischt man diese Erinnerungen heute auf, muss man sich manchmal am Kopf kratzen. Etwa wenn sich Raumfahrer Tex Terry in „Raumschiff UX 3 antwortet nicht“ über seine Astronauten-Kollegin  antifeministisch so äußert (mit der Stimme von Hans Clarin): „Cora war OK, sie war für uns keine Belastung.“ Als Kind ist mir der Satz nicht besonders aufgefallen oder aufgestoßen. Andere antike Werke kann man heute noch mehr schätzen: Das Perry-Rhodan-Hörspiel „Planet des Todes“ etwa aus den frühen 80er Jahren ist von zeitloser Öko-Botschaft: Da wehrt sich ein Himmelskörper mit allem was er hat (Viren, Stürme, wilde Tiere) gegen die gedankenlose Besiedlung durch Erdlinge. Und die „Irrfahrten des Odysseus“ sind heute eine nostalgische Freude, deklamieren die Helden ihre Sätze doch mit dem Inbrunst klassischer Theatermimen, deren Schallwellen noch die hintersten Ränge sicher erreichen sollen:  Bei „Kommt, Freunde!“ (Odysseus) oder „Elende Menschenbrut!!“ (Polyphem) zittert der Lautsprecher, ein Wunder, dass damals nicht die Nadel des wackeren Dual-Plattenspielers aus der Rille gehüpft ist — zumal die Produzenten das Knochenknacken der vom Zyklop gefressenen Griechen mit fast schon liebevoller Grausamkeit auf Vinyl  pressten.

Hörspiel Nostalgie

Weltraumaction mit Hans Clarin, Helmut Lange und einer merkwürdigen Haltung zu weiblichen Raumfahrerern. Es gab auch ein anderes Cover-Motiv – wenn ich es finde, stelle ich es noch rein.

Etwas ganz anderes fällt ebenfalls auf bei diesen Wiederbegegnungen: Man hört als Erwachsener anders zu, oberflächlicher, flüchtiger. Die wohlige kindliche Selbstvergessenheit, das komplette Versinken in eine Fantasiewelt fällt schwer. Zu knapp ist die Zeit, zu laut dröhnt der Erwachsenen-Alltag durch die Ohren. Ein wenig wie der Gesang der Sirenen bei Odysseus, aber kaum verlockend.

Hörspiel Nostalgie

Sozusagen eine Doppel-A-Seite von Europa: nicht nur „Polizeihubschrauber im Einsatz“ sondern auch „Schmuggel im Hafen!“

 

Hörspiel Nostalgie Disney

Disneys „Das schwarze Loch“ als Hörspiel – Szenen aus dem Film, verbunden von Erzähler Volker Kraeft.

Die Videotheken sterben aus – ein kleiner Abgesang

 

 

 

 

Videotheken sterben aus

Ein Kundendienst mit Symbolkraft: Die Videothek in der Hohenzollernstraße in Saarbrücken leiht Kunden auf Wunsch eine Lesebrille, auf dass sie die Schrift auf den DVD-Hüllen besser lesen können. Ein sympathischer Service, der viel aussagt über die Altersstruktur der Kundschaft von Videotheken – und der auch das traurige Schicksal dieses Ladens erklärt, des letzten seiner Art in Saarbrücken: Er hat am 31. Mai endgültig geschlossen.

Für jüngere Filmfreunde, sozialisiert mit Smart-TV und allerlei Streaming-Diensten, ist der Gang in eine Videothek und das Ausleihen einer DVD oder Blu-ray eine reichlich absurde Vorstellung, eigentlich mediale Steinzeit. Dank Netflix, Amazon und Kollegen geht alles vom Sofa aus; und die Skrupel- wie Gedankenlosen, egal welchen Alters, laden sich die Filme kostenlos und illegal herunter. Man muss sie verfluchen.

 

Videotheken sterben ausVideotheken sterben aus

 

Wir reiferen Lesebrillenträger werden den Laden in der Hohenzollernstraße vermissen und überhaupt die gerade untergehende Kultur der Videotheken allgemein. Als diese Läden in den 80er Jahren aufkamen, da waren sie so etwas wie filmisches gelobtes Land: Sie gaben einem eine ungewohnte Selbstbestimmung. Beim Fernsehen war man abhängig vom Programm; in der Videothek konnte man Regale entlangwandern, Landschaften aus bunten Hüllen betrachten und mit Freunden den Video-Abend planen. Die Gespräche im Schatten der Regale liefen oft so: „Sollen wir den ausleihen?“ Antwort a): „Hmm, kenne ich schon. “ b) „Hmm, soll ja nicht so doll sein.“ Die Entscheidungsfindung konnte also länger dauern als die Laufzeit von „Doktor Schiwago“ oder „Lawrence von Arabien“.

Dennoch: Man war sein eigener Herr und nahm dafür auch die technischen Widrigkeiten der Videocassette in Kauf: nicht selten abgenudelte Bänder, verrauschte Bilder und die fatale Angewohnheit der Filmstudios, das Format des Breitwandfilms für das Video rechts und links so zu beschneiden, dass es auf einen üblichen Fernseher im 4:3-Format passt. Da konnte es also passieren, dass man bei einem Dialog nur die beiden Nasenspitzen der Parlierenden an den Bildrändern sah.

 

Videotheken sterben aus

Die Videothek selbst lieferte noch Spannung mit, dank entscheidender Fragen: Wird man die rechtzeitige Rückgabe vergessen und dann nachzahlen müssen? Oder hat man gar vergessen, das Band zurückzuspulen und muss eine Strafgebühr zahlen? Eine ganze D-Mark! Was für eine Spannung! Dazu wehte auch der Hauch des Verruchten durch die Läden – dank der „Erwachsenenfilme“ hinter einer Pforte mit Tür- und Hemmschwelle.

Für manche Filmfans waren und sind die Videotheken aber auch eine Mischung aus Stammtisch und Wärmestube – ein Ort fürs Fachsimpeln, Herumhängen oder Angeben, mit Sätzen wie „Ich habe von dem Film die thailändische Fassung, die ist acht Sekunden länger“.

 

Videotheken sterben aus

 

Eine herrliche Zeit für Sammler war die Ankunft der DVD in den 90ern: Da verramschten viele Läden ihre VHS-Cassetten, darunter manche Preziosen – Obskuritäten, die später nie auf DVD erschienen, oder einfach schöne Hüllen: Die James-Bond-Filme etwa, deren VHS-Cover sich mit den originalen Kinoplakaten schmückten – kein Vergleich zum grafisch tristen Einheitsbrei späterer DVDs. Wie schön war es, abends durch die Stadtteile zu radeln und in den Sonderangebots-Regalen der Läden zu stöbern.

Lange vorbei – und die Videotheken sterben immer schneller. Im Saarland trotzen noch einige tapfere Läden dem Ende, dank treuer Kundschaft und manchmal vielleicht auch dank langsamen und streamingunfreundlichen Internets. Nicht jedem werden diese Läden fehlen – aber sehr vielen.

 

Videotheken sterben aus

Zum Tod von Roger Moore

Roger Moore James Bond

 

Was einmal auf seinem Grabstein stehen sollte? Das verkündete er gut gelaunt schon vor vielen Jahren: „Hier ruht Roger Moore. Er war gar nicht mal so gut.“ Einer dieser typischen Moore-Sätze, die ihm so leicht von den ironisch geschürzten Lippen gingen. Denn Moore war niemand, der sich für ein verkanntes Genie hielt – sondern einfach für einen passablen Schauspieler, der sich glücklich schätzte, mit den James-Bond-Filmen, die er immer ein bisschen absurd fand, viel Geld zu verdienen und die ganze Welt zu sehen. Moore ist gestern in der Schweiz gestorben, nach einer kurzen Krebserkrankung, wie seine Familie mitteilte. Er wurde 89 Jahre alt.

Anders als Kollege und 007-Vorgänger Sean Connery war Moore kein Unbekannter, als er 1972 die Rolle von James Bond übernahm: Da hatte er eine zwar durchwachsene Zeit als Vertragsschauspieler in Hollywood hinter sich, aber auch eine lukrative TV-Karriere: als Krimi-Held Simon Templar in „The Saint“ (1962-1969) und natürlich als wunderbar öliger Adelsschnösel Lord Brett Sinclair in der Serie „Die Zwei“ (1970/71) mit Tony Curtis. Die erfreute sich ja gerade wegen einer genialen Blödelsynchro („Sleep well in your Bettgestell“, „Hallo, Ihre Lordschuft“) etc. in Deutschland eines enormen Erfolgs, war aber auch im Original durchaus witzig, wie Moore selbst noch einmal vor einiger Zeit sagte. Bond machte aus Moore einen internationalen Kino-Star – in einer Zeit, als die Grenze zwischen TV und Film weniger durchlässig war als heute.

Moores Bond-Ära war dabei kein Selbstläufer: Immerhin musste er Sean Connery ersetzen, der für viele ältere 007-Fans der unumstößliche Ur- und Immer-Bond war (und ist); außerdem war dessen letzter Film vor Moore, „Diamantenfieber“, auch nicht mehr ganz so erfolgreich wie die Bonds der 60er Jahre. Moore betrat also ein schlingerndes Schiff und brauchte zwei, drei Filme, um in sicheren Gewässern zu landen: In „Leben und sterben lassen“ (1973) und dem blassen „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) spielte er Bond ähnlich hart und zynisch wie Connery zuvor; aber das passte nicht zu Moore, dem Mann der leichten Komödie und der spöttisch erhobenen Augenbraue, der Schusswaffen und Filmschießereien nicht mochte. Erst in „Der Spion, der mich liebte“ von 1977 passte alles zusammen: eine herrlich absurde Geschichte, grandiose Dekors, bizarre Einfälle und im Zentrum Moore, der das alles nicht so ernst nahm und so wirkte, als wolle dem Publikum gleich mal zuzwinkern. Für eine ganze Generation von Kinogängern, die Ende der Siebziger halbwüchsig war, ist dieser Film – mit einem tauchenden Lotus Esprit und einem Bösewicht mit Stahlgebiss – mit der beste Bond-Film. Es war auch Moores liebster, der insgesamt sieben drehte: mal der Schwerkraft und der Logik völlig entrückt („Moonraker“, 1979), mal grimmiger und erdverbundener („In tödlicher Mission“, 1980).

 

Roger Moore Moonraker

Roger Moore und Lois Chiles in der Weltraumstation (in einem Pariser Studio) in „Moonraker“ – einem Bondfilm, an dem sich die Geister scheiden.

Der kurioseste und wohl bedrohlichste Moment in Moores Amtszeit als Bond kam 1983, als ausgerechnet Sean Connery einen Konkurrenz-007 drehte: „Sag niemals nie“. Der hatte zwar Connery zu bieten, aber sonst nicht viel, so dass Moores „Octopussy“ an den Kinokassen letztlich vorne lag – ein Umstand, auf den kaum jemand gewettet hätte, wohl nicht einmal Moore selbst. 1985 trank er dann seinen letzten 007-Martini und drehte „Im Angesicht des Todes“, einen bei allem Bohei (Grace Jones hüpft vom Eiffelturm) merkwürdig melancholischen Bond-Film: Moore war damals 58 (im heutigen Actionkino undenkbar), sichtlich geliftet, wurde allzu oft gedoubelt, der Abschied kam keinen Film zu früh. Das sah auch Moore so – „aber mein Bankberater wird in Tränen ausbrechen“.

 

 

James Bond Roger Moore

Seine Filmkarriere nach 007, man kann es nicht anders sagen, war wenig glanzvoll: In Filmen wie „Feuer, Eis und Dynamit“ von Ski-As Willy Bogner, der bei einigen Bonds die famosen Jagden im Schnee inszeniert hatte, tauchte Moore als Stargast auf; auch spielte er im karatesken Regiedebüt des belgischen Kampfsportschauspielers Jean-Claude van Damme. Den erwähnte Moore in seinem ersten Memoirenband, wie immer ganz Gentleman, so: „Wenn man über jemanden nichts Gutes sagen kann, dann sollte man schweigen.“ Das tat er dann auch.
Lieber widmete sich Moore der Arbeit als Unicef-Botschafter, inspiriert von seiner zeitweiligen Nachbarin Audrey Hepburn, und teilte seine Zeit in seinen Häusern in der Schweiz, Frankreich und Monaco auf. England hatte er schon lange verlassen, des Spitzensteuersatzes wegen.

Selbstironisch trat er 1997 im Kinofilm der Spice Girls auf, fast wie ein Bond-Bösewicht, und auch 2002 in der hirnrissigen Klamotte „Boat Trip“. Ob er das Geld brauchte? Oder einfach mal wieder vor die Kamera wollte? Wer weiß – aber Moore konnte man auch die Auftritte in üblen Filmen nicht übel nehmen, denn seine Selbstironie war stets entwaffnend. Schon 1981 spielte er in dem Auto-Jux „Auf dem Highway ist die Hölle los“ einen Mann namens Seymour Goldfarb Jr. im Bondschen Aston Martin, der unter einer Zwangsstörung leidet: Er hält sich für Roger Moore.
Der Schauspieler, der seinen Beruf nicht allzu ernst nahm, hatte dennoch eine Lieblingsrolle: In dem Thriller „Sprengkommando Atlantik“ (1979) spielte er vollbärtig und konstant schlecht gelaunt einen Frauenfeind und Katzenfreund, der sich nur beim Sticken entspannt. Typisch Moore.

Seine drei Kinder (aus der dritten von vier Ehen) schrieben gestern über ihren Vater: „Die Liebe, von der er in seinen letzten Tagen umgeben wurde, war so groß, dass man sie nicht in Worte fassen kann.“ Ein guter Abschied.

 

http://roger-moore.com/

 

 

 

James Bond Roger Moore

Pure Nostalgie: Alte Kino-Anzeigen aus dem Archiv, Teil 1

Nostalgie deluxe: Ein Gang ins Archiv ist a) gut für die Beine und b) überraschend – scheinbar unzählige Kinos gab es früher im Saarland, und ab und an schaute sogar Hans Albers vorbei. Hier ein erster Blick auf alte Kinoanzeigen aus den Jahren 1951/52.

 

Nostalgie

Sehr merkwürdig – da läuft ein Film mit Cary Grant, den die Anzeige aber komplett verschweigt? Hat man ihn mit Perücke nicht erkannt?

 

Nostalgie

Lauter Kinos, die es heute nicht mehr gibt.

 

 

 

Nostalgie

Richard Widmark in Saarlouis.

 

 

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John Wayne, der „z. Z bedeutendste Filmschauspieler Amerikas“?

 

 

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Und was sind „Westdeutschlands Rabbatzer“?

 

 

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Heute ziemlich vergessen – aber ein wirklich schöner Abenteuerfilm.

 

 

 

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Ein Film auch für die „junggebliebenen Herzen“.

 

 

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Die Garbo im Passage-Kino.

 

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Und als Höhepunkt: der „Blonde Hans“ leibhaftig zu Besuch in Saarbrücken.

 

 

 

Jäger und Sammler in Sachen „Le Mans“

Auf der Spur von Steve McQueen und „Siggi“ Rauch: Der Saarbrücker Frank Wrobel sammelt alles, was mit dem Rennfahrer-Film „Le Mans “ zusammenhängt. Diese Leidenschaft führt ihn quer durch Europa und verlangt manchmal auch detektivischen Spürsinn. Ein Gespräch übers Sammeln und ein Blick auf seine „Le Mans“-Kostbarkeiten.

Le Mans

Frank Wrobel mit dem Helm und den Handschuhen, die bei den Dreharbeiten zu „Le Mans“ der Schweizer Schauspieler Fred Haltiner (als Johann Ritter) trug. Foto: Keßler

 

Nach drei Stunden zieht sich Frank Wrobel die weißen Handschuhe über. Das muss sein – denn seine Sammlerstücke werden immer kostbarer: Kuchenkrümel oder Fingerabdrücke auf über 40 Jahre alten, vielfach signierten Filmplakaten? Das muss nicht sein. Auch der Rennfahrerhelm, den Wrobel mit Fingerspitzengefühl auf dem Wohnzimmertisch platziert, ist ein veritables Stück Kinogeschichte: Er stammt aus dem Rennfahrer-Film „Le Mans“ (1970) mit Kinolegende Steve McQueen. Bei den Dreharbeiten vor 47 Jahren trug den Helm der Schweizer Fred Haltiner; er spielte den Fahrer Johann Ritter, einen Porsche-Teamkollegen des US-Fahrers Michael Delaney alias Steve McQueen. Der war Motor, Star und Produzent dieses Films mit einer legendär chaotischen Produktionsgeschichte: Egos schepperten mit mehr Rumms aufeinander als die Autos, Regisseur John Sturges floh mit Vollgas, und im Kino lief der Film dann stotternd wie ein Motor, dem das Benzin ausgeht. „Aber über die Jahre ist aus dem Flop ein Kultfilm geworden“, sagt Frank Wrobel, während er vorsichtig ein antikes Filmplakat entrollt. „Auch hochdekorierte Rennfahrer schauen ihn sich immer wieder an, nicht zuletzt wegen des Porsche 917 – das ist ein herrliches Auto.“

 

Le Mans

Das alte Presseheft des Films.

 

Le Mans

Die Laserdisc.

 

Le Mans

Das Vinyl-Album der Filmmusik, geschrieben und signiert (unter anderem) von Michel Legrand.

 

Wrobel (51), der aus Kaiserslautern kommt und seit 1995 in Saarbrücken lebt, ist diesem Rennfilm verfallen, er sammelt alles, was er in die Finger bekommen kann. Einen Bruchteil hat er an diesem Nachmittagsbesuch mitgebracht; sein Kofferraum ist gut gefüllt, mehrmals pendeln wir mit Kisten, Posterrollen und Bilderrahmen zwischen Auto und Wohnung hin und her. Wrobel packt aus, kramt, erklärt, erzählt. Da sind Pressehefte, Aushangfotos, ein altes Rennfahrer-Quartett mit McQueen, eine seltene Picture-Disc, eine 33 Jahre alte Videokassette, signiert von Rennfahrerlegende Hans Herrmann, der 14 Mal in Le Mans fuhr. Das Rennen gewann er 1970, just als die Filmemacher aus Hollywood die rasanten Rennszenen für ihren Film einfingen. Eine besondere Preziose ist, neben dem vielfach signierten Filmmusik-Album, das Original eines Filmvertrags, unterschrieben von Steve McQueen höchstselbst.
Die Liebe zu „Le Mans“ traf Wrobel über den kurvigen Umweg eines anderen McQueen-Films: „Bullitt“. Vor 30 Jahren sah er den Krimi mit der legendären Autojagd durch San Francisco zum ersten Mal. „Das war der Anfang allen Übels“, sagt er, der seit 17 Jahren passenderweise einen Ford Mustang 1966 besitzt und sich das Automotiv plus McQueen sogar auf den Arm tätowieren ließ.

 

Le Mans

Ein Filmvertrag mit zwei Unterschriften Steve McQueens – einmal als Star, einmal als Produzent.

Wirklich geschehen um ihn war es aber erst Jahre später, als er „Le Mans“ entdeckte. Wrobel begann zu sammeln und schaltete schnell einen Gang höher – warum nicht die Beteiligten von damals treffen und befragen? McQueen starb schon 1980, und so war als Erster Co-Star Siegfried Rauch an der Reihe, der im Film den Konkurrenten mit dem teutonischen Namen Erich Stahler spielt. Rauch, zuletzt „Traumschiff“-Kapitän, war schnell gefunden. Aber der erste Anruf war erfolglos: „Ich muss gerade weg mit dem ‚Traumschiff’“, beschied Rauch. Wrobel blieb dran, „ich habe ihn drei oder vier Mal genervt“, dann wurde ein Termin vereinbart. „Mit Sack und Pack“, den Preziosen seiner Sammlung, reiste Wrobel nach Oberbayern, wo ihn Rauch auf seinem Hof empfing, dort „kistenweise Material“ und Anekdoten hervorkramte: etwa zur Freundschaft zwischen Rauch und McQueen, der der Pate von Rauchs Sohn wurde. Auch von den legendenumrankten Ego-Kollisionen am Set hatte Rauch einiges zu erzählen. Regisseur Sturges („Die glorreichen Sieben“) verabschiedete sich von dem einmischungsfreudigen McQueen mit dem schönen Satz „Ich bin zu alt und zu reich für diese Scheiße“ auf Nimmerwiedersehen. Zum Abschied von Wrobel schenkte Rauch ihm eines seiner selbstgemalten Bilder: „Gefällt’s Dir? Dann kannst Du’s haben“. So einfach geht es manchmal.

 

Le Mans

Das Ehepaar Rauch und Frank Wrobel. Foto: Wrobel

Schwieriger war da die Suche nach Darstellern, deren Karrieren irgendwann versandeten: nach dem Franzosen Luc Merenda etwa, der McQueens Konkurrenten im Ferrari 512 spielte. Merenda handelt heute in Paris mit japanischer Kunst und hatte erstmal keinerlei Lust, über alte Zeiten zu palavern – oder wie Wrobel es ausdrückt, „er war positiv schroff“. Doch er ließ sich erweichen und parlierte schließlich in den Pariser Tuilerien über den Film und über „Siggi“ Rauch, der ihn am meisten beeindruckt hatte: „The guy with his steel blue eyes and the big balls“ – familiengerecht übersetzt als „der Typ mit den blauen Augen und ordentlich Mumm in den Knochen“.

 

Le Mans

Wrobel und Luc Merenda, Schauspieler und heute Kunsthändler in Paris.

 

Die härteste Nuss war Richard Rüdiger, der McQueens zweiten Fahrer im Porsche 917 spielte. Rüdiger hat sich in den 70er Jahren aus dem Geschäft komplett zurückgezogen; zwei Jahre suchte Wrobel, kam ihm auf die Spur und bettelte über drei Ecken erstmal vergeblich um einen Termin – bis Rüdiger ihn schließlich anrief: „Sind Sie der, der nicht lockerlassen kann? Damit Sie endlich Ruhe geben, machen wir einen Treffpunkt aus.“ Man traf sich in München und plauderte dann doch drei Stunden lang. Hat Wrobel einmal eine Spur aufgenommen, gibt er Gas bis zur Ziellinie.

Sogar den einstigen Koch der „Le Mans“-Produktion spürte er auf: Fredy Zurbrügg war bei den Dreharbeiten noch keine 20 und begeisterte McQueen mit einer Kreation namens „Steve Steak“ – mariniert in Honigsoße, veredelt mit Ananasstücken. Derart angetan war McQueen, dass sich der Koch aus dem edlem Fuhrpark des Stars einen Wagen aussuchen durfte – Zurbrügg wählte stilsicher einen Jaguar E, den er heute noch besitzt. Als Wrobel Zurbrügg in der Schweiz zum ersten Mal besuchte, schenkte der ihm eine Kiste alter Foto-Abzüge vom Dreh – höchstes Sammlerglück.
Was die guten Stücke, die Wrobel aus Sicherheitsgründen nicht zuhause lagert, in schnödem Geld wert sind, kann er nicht genau sagen. „Einen fünfstelligen Betrag habe ich sicher ausgegeben.“ Einen norwegischen Verkäufer entlohnte er gar mit einem großen Paket deutscher Brezel. Dass jeder Cent (und Brezel) es wert war, versteht sich von selbst. Ihm geht es neben den Stücken auch um die Begegnungen, aus denen sich manche Freundschaften entwickelt haben: Zu Wrobels 50. Geburtstag im letzten Jahr hat ihn Zurbrügg gar in sein Restaurant in der Schweiz eingeladen und bekocht – mit, man ahnt es, einem „Steve Steak“.

Le Mans

Eine seltene Picture-Disc.

Würde Wrobel, der sein Geld in der Werbung verdient, die Kostbarkeiten irgendwann verkaufen? „Niemals – aber man weiß ja nie, was passiert.“ Dass ihm ein anderer Sammler für seinen Helm das Mehrfache dessen bietet, was Wrobel selbst für ihn bezahlt hat („und das war nicht wenig“) ist jedenfalls keinerlei Versuchung.
Fehlt ihm noch eine Perle in der „Le Mans“-Krone? Bei der Frage wird ihm das Sammler-Herz schwer: Zum Filmstart damals verloste die „Bravo“ drei Rennanzüge, die McQueen bei den Dreharbeiten getragen hat. Zwei von ihnen wurden 2008 und 2015 in New York versteigert, für 425000 Dollar und für eine Million. Aber Rennanzug Nummer drei? Den spürte Wrobel detektivisch in Baden-Württemberg auf, bei der Familie des damaligen Gewinners. Wrobel konnte sein Glück nicht fassen und machte ein gutes Angebot; doch erst dadurch wurde der Familie klar, was sie da im Schrank hängen hat. Diesen Schatz will sie nun international verkaufen. Da kann Wrobel nicht mitbieten, sagt er. „So nah und doch so fern“ – Sammlertragik.

Kontakt zu Frank Wrobel: per facebook und unter V8PromotionFW@web.de

 

Le Mans

Das amerikanische Presseheft zum Film.

Le Mans

Siegfried Rauch spielte Steve McQueens Konkurrenten mit dem teutonischen Namen Erich Stahler.

 

Le Mans

Ein altes Quartett, in dem McQueen als Rennfahrer auftaucht.

 

 

Le Mans

Das Titelblatt einer Zeitung mit dem schönen Namen „Vollgas Revue“.

 

Le Mans

Wrobel mit Michel Legrand, dem Komponisten der Filmmusik von „Le Mans“.

 

Le Mans

Kurios: Die Ankündigung des Films, als er noch anders hieß und auf dem Nürburgring gedreht werden sollte.

Lost Places: Ein vergessenes Waldschwimmbad

Lost Places – mit Kino hat das nun nichts zu tun – aber eine reizvolle Kulisse wäre dieses vergessene Waldschwimmbad in der Eifel schon.

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

 

Lost Places

„Action Man“, ein alter Freund aus der Kindheit

Action Man

Im Regal sitzen kann er gerade noch, den Rücken an eine Videocassette gelehnt. Aber mehr geht nicht – die Gummibänder in seinem Inneren sind ausgeleiert, die Gelenke schlackern. Er hat eben viel mitgemacht, Abenteuer erlebt, unmögliche Missionen möglich gemacht, eine Kindheit begleitet: Action Man. Ein schlichter, passender, alles sagender Name für eine Spielfigur. Wo dieser 30-Zentimeter-Kerl war, da war Action, da war vorne. In den 70ern entdeckte ich ihn, im verheißungsvoll benannten Spielwarengeschäft „Alles“ in St. Wendels Bahnhofstraße: ganz hinten im Laden, wo die Verkäuferin notorisch unfreundlich war, aber sich Plastikmodellbausätze bis unter die Decke stapelten. Dort lag auch „Action Man“ im Regal, einmal in britischer Uniform als Soldat, einmal mit Bart und robustem Rollkragenpullover als „Abenteurer“ – eigentlich war er eine Anziehpuppe wie „Barbie“, aber eben als Mann und für Jungs. Gesehen, gekauft, geliebt.

 

Action Man

 

Allerlei Ausrüstung konnte man ihm kaufen, meistens Uniformen und Waffen – das war, man kann es nicht anders sagen, Kriegsspielzeug, das die Eltern schaudern ließ. Aus England kam der Action Man, erleuchtete viele Kinderherzen und animierte so die traditionsreiche deutsche Puppenfirma Schildkröt zur eigenen Produktlinie: „Action Team“ hieß die, war einen Hauch weniger militaristisch und bot immerhin Sinnstiftendes wie etwa Ski-Ausrüstungen. Für einen Zwölfjährigen war das aber weniger aufregend als Themenpackungen wie „Spionage-Abwehr“, „Fallschirm-Kommando“ oder „Australischer Dschungelkämpfer“ (mit Flammenwerfer). „Frieden schaffen ohne Waffen“ war das wirklich nicht – aber es waren glückliche, wenn auch pädagogisch dubiose Nachmittage an der frischen Luft, mit Schlauchbooten in Pfützen oder improvisierten Seilwinden zwischen den Bäumen hinterm Haus.

Die Konkurrenz ließ Action Man weit hinter sich: „Big Jim“ etwa („von Mattellllll!“, wie einen die Werbung anbrüllte), war ein bisschen kleiner, hatte eine scheitelige Plastikfrisur (bei Action Man spross immerhin Kunsthaar) und ein leicht dümmliches Grinsen. Solche mimischen Entgleisungen hatte Action Man nicht nötig, er war der große Stoiker des Kinderzimmers; jeder Unbill begegnete er mit einem Blick irgendwo zwischen teilnahmslos und eisig – auch dem eigenen Ende in den 80er Jahren, mangels Nachfrage.
Mittlerweile gibt es ihn zumindest in England wieder: Aber nicht mehr als Massenspielzeug für Kinder – sondern in kleiner Auflage (und teuer!) für Kinder von einst, die sich in der Midlife-Krise ein wenig Retro-Trost gönnen wollen. Doch der ist trügerisch und flüchtig. Seinem alten Action Man muss man treu bleiben, auch wenn der nur noch im Regal sitzen kann. Wir haben einfach zu viel zusammen erlebt.

Gute Seiten:

www.actionmanhq.co.uk

http://www.action-team.at
Action Man

 

 

 

 

 

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